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#1 2004-11-23 10:14:53

Marvin Monroe
Forenmitglied
Registriert: 2004-05-18
Beiträge: 10

Ende der Künstlersozialkasse?

habe ich per mail bekommen:

--- schnitt ---
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

die Enquete-Kommission des Bundestags: "Kultur in
Deutschland" befasst sich derzeit in einer oeffentlichen
Anhoerung mit der "wirtschaftlichen und sozialen Absicherung
fuer Kuenstlerinnen und Kuenstler". Dabei geht es
vornehmlich um die ZUKUNFT DER KUeNSTLERSOZIALVERSICHERUNG.
Die KSK ist ein in Europa bislang einmaliges Modell:
Kuenstler, Verwerter und der Bund tragen gemeinsam die Sorge
fuer die Alterssicherung von Kuenstlern, denen es in
wirtschaftlichen Zeiten wie diesen ja ohnehin noch einen
Tick beschissener geht als anderen Berufsgruppen. Nun ist
der Fortbestand dieser Sozialversicherung ernsthaft
gefaehrdet, u.a. durch das Engagement
profilierungssuechtiger junger Hengste in einer Partei, die
1975 massgeblich daran beteiligt war, die KSK ueberhaupt
erst aus der Taufe zu heben.
"Ernsthaft gefaehrdet" ist eigentlich sogar noch ein 
Euphemismus: die Kommission, die sich Montag, 22.11., 10-14
Uhr zu einer oeffentlichen Sitzung im Paul-Loebe-Haus in
  Berlin trifft, fragt, inwiefern die KSK ueberhaupt noch
erhalten werden kann. Und ob sie erhalten werden soll.
Wir sollten, wir duerfen nicht zulassen, dass dieser
Meilenstein der kuenstlerischen Sozialabsicherung einfach so
mir nichts dir nichts gekippt wird. Jede(r), der / die von
der KSK profitiert hat oder in Baelde zu profitieren
beabsichtigt, moege sich bitte mit einer Mail an die
zustaendigen MdBs in der Enquete-Kommission melden und sie
bitten, unbedingt um den Erhalt der KSK zu kaempfen.
Seid rasch. Und verkuenstelt Euch dabei nicht: Die Mail wird
wahrscheinlich nie zu Ende gelesen. Aber auch wenn das der
Fall ist, wird sie zur Kenntnis genommen. Wenn 500 solcher
Mails eingehen, werden in Berlin einige Koepfe rauchen. Aber
wenn 1000 Mails eingehen, kommen die Damen und Herren
betraechtlich ins Schwitzen. Noch koennen wir etwas bewegen.
Bewegen wir uns!  Viele Gruesse
Martin von Arndt

PS: Bitte verteilt diese Information an alle Kunstschaffenden, Journalisten, Publizisten. Wir brauchen eine E-Mail-Lichterkette durch die gesamte Republik.

Nachfolgend saemtliche Mailadressen der Enquete-Mitglieder
(notfalls an alle ueber BCC dieselbe Mail raushauen):

Vorsitzende (CDU):      Gitta.Connemann©bundestag.de
St. Vors.: (SPD)        Horst.Kubatschka@bundestag.de
SPD - Kommissionsmitglieder:

siegmund.ehrmann@bundestag.de
angelika.krueger-leissner@bundestag.de
christine.lucyga@bundestag.de   (Anrede Dr. Christine Lucyga)
lydia.westrich@ bundestag.de
SPD - stv. Kommissionsmitglieder:

eckhardt.barthel@bundestag.de
michael.buersch@bundestag.de    (Anrede Dr. Michael Buersch)
ute.kumpf@bundestag.de
petra.weis@bundestag.de
CDU - Kommissionmitglieder:

guenter.nooke@bundestag.de
matthias.sehling@bundestag.de
christian.stetten@bundestag.de    (Anrede Christian Freiherr von
Stetten)
CDU - stv. Kommissionsmitglieder: > > christoph.bergner@bundestag.de      (Anrede Dr. Christoph >Bergner)

marie-luise.doett@bundestag.de
kristina.koehler@bundestag.de
dorothee.mantel@bundestag.de
B 90 / GRUeNE - Kommissionsmitglied:
ursula.sowa@bundestag.de
B 90 / GRUeNE - stv. Kommissionsmitglied: >antje.vollmer@bundestag.de
(Anrede: > > Dr. Antje Vollmer)
FDP - Kommissionsmitglied: > > haus-joachim.otto@bundestag.de
FDP - stv. Kommissionsmitglied: > > helga.daub@bundestag.de
--- schnitt ---

Offline

#2 2004-11-26 01:36:25

Daniel
Administrator
Ort: Potsdam
Registriert: 2004-02-02
Beiträge: 414
Website

Re: Ende der Künstlersozialkasse?

An das Mitglied der Enquete Kommission „Kultur in Deutschland“, Christian
Freiherr von Stetten (MdB)

Verehrter Freiherr von Stetten, neben den vielen emotionalen Appellen zur
Beibehaltung des Künstlersozialversicherungsgesetzes (KSVG), die momentan
bei Ihnen eintreffen, möchten wir vor allem den volkswirtschaftlichen
Nutzen der „KSK“ hervorheben. Von diesem Nutzen ist nämlich nie die Rede.
Im Gegenteil, die Auftraggeber von freien Kreativen sprechen immer von den
„unnötigen Betriebsausgaben“, während die im Auftrag der Auftraggeber
tätigen Lobbyisten gerne von der unnötigen Belastung des Etats des Herrn
Clement (BMWA) reden und damit den Bundeszuschuss meinen.

Als Berufsständische Interessens Gemeinschaft (B.I.G.) haben wir über
12.000 Existenzgründern zur „Mitgliedschaft“ in der KSK verholfen. Wir
kennen den ökonomischen Nutzen: So zahlen die freien Kreativen derzeit als
Eigenanteil (ohne KSK) rund 150.000.000 €uro (sic!) im Jahr in die Kassen
der gesetzlichen Rente (BfA), die laut VDR momentan leider leer sind. Der
Bundeszuschuss hingegen beträgt in 2004 nur rund 98 Millionen €uro.(siehe
Statistik unter www.Kuenstlersozialkasse.de )  Die Tatsache, dass das
Prinzip KSK schon zu Helmut Schmidt’s Zeiten konzipiert und von Dieter
Lattmann (MdB SPD) maßgeblich geprägt wurde, bedeutet eben nicht, dass es
sich um ein typisches „Sozi – Gesetz“ handelte. Im Gegenteil, es war schon
immer – kaufmännisch gesehen – eine lohnende Investition für den Staat.
Und es geht weiter:

Da die Sonderausgaben bei der Einkommenssteuer durch die günstigen
KSK-Beiträge recht niedrig ausfallen, erhöht sich letztendlich das zu
versteuernde Einkommen und damit gleichzeitig das Steueraufkommen für den
Bund. Unsere vorsichtigen Berechnungen ergeben ein Mehraufkommen bei der
Einkommenssteuer für den Fiskus in Höhe von 30.000.000. €uro per annum.
Hinzu kommen mindestens 50.000.000 €uro p.a. an Umsatzsteuerzahllast, die
von den KSK-Mitgliedern jährlich abgeführt wird. Ohne die KSK würde
wahrscheinlich nur die Hälfte dieser Summen dem Staat zu Gute kommen. So
viel zu den Lobbyisten und der „Belastung des Haushalts“!

Aber auch die Auftraggeber von freien Kreativen verschweigen konsequent
ihren betriebswirtschaftlichen Nutzen und lamentieren über die
„Verwerterabgabe“. Eine angestellte Grafikerin zum Beispiel kostet einen
Arbeitgeber rund 18% vom Bruttogehalt an Sozialversicherungsabgaben (ohne
ALV). Die freie Mitarbeiterin, die er im Krankheitsfall nicht weiter
bezahlen muss und die bei Schwangerschaft eben keine zweijährige
Arbeitsplatzgarantie bekommt, kostet ihn nur 5,8% des gezahlten Honorars.
Ein Honorar, welches vielfach als solches gar nicht mehr zu bezeichnen
ist. Vielmehr müssen Freie häufig zu absoluten Dumping Preisen tätig
werden. Verlangt jemand mehr, bekommt er den Hinweis auf die vielen
„arbeitslosen“ Kreativen, die händeringend auf einen Auftrag warten. Hier
liegt auch der Grund für die Steigerung des Abgabesatzes von 4,3 % auf
5,8% (das sind rund 30% mehr): Die Honorare sind 30% niedriger! Lieber
Freiherr von Stetten, der volkswirtschaftliche Nutzen der
Künstlersozialkasse in ihrer jetzigen Form ist unbestreitbar. Ebenso der
betriebswirtschaftliche Nutzen der Verwerter, die Tausende von
angestellten Kreativen in den letzten Jahren aus „Kostengründen“ entlassen
haben, um  vielfach die gleichen Leute als „freie Mitarbeiter“ (mit nur
5,8%) wieder zu beauftragen.

Das Land der Goethes und Schillers, der Beethovens und Bachs hat
mittlerweile anscheinend Volksvertreter hervorgebracht, die sich nicht nur
als kulturelle Banausen, sondern auch noch als schlechte Rechner entpuppen
und sich den primitivsten Werbespruch aller Zeiten „Geiz ist geil“ auf die
Fahnen geheftet haben.
Ich appelliere an Ihre aristokratische Herkunft, die eine liberale (im
ursprünglichen Sinne des Wortes) Geisteshaltung vermuten lässt, welche
sich jenseits jeglicher Parteincouleur oder –zwänge befindet. Zeigen Sie
den anderen Enquete-Mitgliedern den Nutzen der Künstlersozialkasse auf.
Gleichzeitig sollten Sie den Gegnern die alte lateinische Weisheit
übersetzen: ARS LONGA VITA BREVIS.

Mit freundlichen Grüßen
Henry Schavoir
B.I.G. media e.V.                               München – Köln – Hamburg -
Berlin                   
fon: 089 - 444 88 60                          Zentrale: Kirchenstr. 68
81675 München
fax: 089 444 88 622                           Vereinsregister 17306  AG
München

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#3 2004-12-03 14:36:23

Daniel
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Ort: Potsdam
Registriert: 2004-02-02
Beiträge: 414
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Re: Ende der Künstlersozialkasse?

Viele Besucher kommen über Suchmaschinen genau auf diesen Thread. Das Interesse am Ableben der KSK ist also sehr groß. Vielleicht kann ein Betroffener mal Stellung nehmen.

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