Home  |  Galerie  |  Forum  Registrieren  |  Anmelden  

Sie sind nicht angemeldet.

#1 2006-06-06 19:13:19

etienne
Neues Forenmitglied
Registriert: 2005-10-27
Beiträge: 5

Vision der Moderne - Das Bauhaus

„Das Bauhaus erstrebt die Sammlung allen künstlerischen Schaffens zur Einheit, die Wiedervereinigung aller werkkünstlerischen Disziplinen - Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Handwerk - zu einer neuen Baukunst als deren unablösliche Bestandteile.“ So lautet die Kernaussage des Programms des Staatlichen Bauhauses in Weimar, das 1919 von Walter Gropius geschaffen wurde. Der Architekt Gropius war mit dem Konzept angetreten die strikte Trennung von Kunst und Handwerk wieder aufzuheben, wie es im Mittelalter der Fall gewesen war. Durch die Gestaltung von Wohnräumen und ihrer Einrichtung sollte direkt Einfluss auf das Verhalten der darin lebenden Menschen genommen werden und damit eine neue, humanere Gesellschaft aufgebaut werden.
Um dieser Idee gerecht zu werden, berief Gropius einige bedeutende Künstler der Zeit ans Bauhaus, damit sie als Meister ihr Wissen und ihre Erfahrung den Studenten weitergeben können. So gelang es ihm unter anderem Wassily Kandinsky und Paul Klee für eine Lehrtätigkeit am Bauhaus zu gewinnen. Besonders die Rolle von Kandinsky muss hervorgehoben werden, da er als einer der Begründer der ungegenständlichen Malerei anzusehen ist. Inspiriert durch klassische Musik hatte er den Versuch unternommen den musikalischen Kompositionen farbliche Kompositionen auf der Leinwand gegenüberzustellen. Sein ganzes Leben lang war er damit beschäftigt das Verhältnis von Farben und Formen und ihre mögliche Zusammenstellung auf der Leinwand zu erkunden. Während seiner Zeit am Bauhaus war er darüber hinaus bestrebt eine allgemein gültige Kompositionslehre der Bildenden Künste, gemäß der klassischen Kompositionslehre der Musik, aufzustellen. Ebenso muss auf Johannes Itten verwiesen werden, der während seines Aufenthaltes am Bauhaus an einer neuen Harmonielehre der Farben gearbeitet hat. Ausgehend von den Grundfarben gelb, rot und blau unternahm er den Versuch alle möglichen Farbtöne in einem Stern anzuordnen, der auf einem zwölfteiligen Farbkreis beruht. Eine weitere grundlegende Leistung Ittens war die Systematisierung aller möglichen Farbkontraste, die er in sieben Gruppen einteilte.
Neben der künstlerischen Ausbildung sollten die Studenten am Bauhaus jedoch auch vielfältigen Einblick in den handwerklichen Umgang mit verschiedenen Materialien bekommen. So gab es folgende Werkstätten: Druckerei, Glasmalerei, Metallwerkstatt, Tischlerei, Weberei, Wandmalerei, Bildhauerei, Buchbinderei und Töpferei. Durch Kooperationen mit Möbelherstellern konnten einige Entwürfe, besonders für Lampen und Stühle, in der Massenproduktion gehen und wurden dadurch einem größeren Publikum bekannt. Viele dieser Objekte avancierten zu Designklassikern.
Durch die neuartige Strukturierung des Studiums, die stark von den akademischen Lehrinhalten abwisch, sollte den Studenten ein möglichst großer Horizont vermittelt werden. Interessant ist es, dass sich trotz der unterschiedlichen Lehrer und Lehrmethoden die zentralen Inhalte des Unterrichts gleichen: Im Mittelpunkt stand stets die Komposition. Möglichst harmonische und ausgeglichene Darstellungen sollten angestrebt werden. Dabei ging es nicht nur um die Möglichkeiten der Anordnung einfacher Elemente, wie Kreis, Quadrat und Dreieck, in Zeichenebene und Raum, sondern immer auch um die farbliche Gestaltung. So mag es nicht verwundern, dass einige Bauhausschüler sich als Künstler dem Konstruktivismus verbunden sahen.
Diese Grundlagenausbildung blieb natürlich nicht ohne Auswirkung auf die Architektur, die schließlich immer das höchste Ziel am Bauhaus gewesen war. Die Formen sind meist auf den Kubus reduziert und ohne jedes dekorative Element. Dies ist leicht zu verstehen, sahen sich die Anhänger des Bauhauses gerade als die Überwinder des Jugendstils, der besonders durch viele verschnörkelte und dekorative Elemente gekennzeichnet war. Das Haus soll nicht mehr Repräsentationsobjekt sein, sondern allein ein harmonisches Wohnen ermöglichen. Zu diesem Zweck wurden im Bauhaus soziologische Studien durchgeführt, die die Lebens- und Wohngewohnheiten der Menschen studierten. Eine gelungene Architektur sollte den Menschen in ihrer Lebensweise entgegenkommen und auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Durch große Fensterfassaden entstanden helle und freundliche Gebäude. Doch auch die Innenarchitektur spielte eine große Rolle. So wurde z.B. das Bauhausgebäude, das von Gropius konzipiert wurde, komplett durch selbst gefertigte Gegenstände aus den Werkstätten ausgestattet. Zwar stand bei der Planung der Gebäude stets die Funktionalität im Vordergrund, doch sind die Bauhausbauten der Beweise, dass ein mehr an Funktionalität nicht auf Kosten der Harmonie und Ästhetik gehen muss. Vielmehr bieten die funktionalen und harmonischen Gebäude den Bewohnern einen neuen Lebensstil mit neuen Freiheiten an.

Wer sich heute einen Eindruck von diesem neuartigen modernen Stil machen will, kann die Weißenhofsiedlung in Stuttgart besuchen. Die Bauten sind Teil der 1927 eröffneten Ausstellung „Die Wohnung“. Jedoch wurden keine Ausstellungsgebäude geschaffen, sondern richtige Häuser, die nach der Ausstellung bewohnt wurden und werden. Als künstlerischer Leiter wurde Ludwig Mies van der Rohe gewonnen, der drei Jahre später Direktor am Bauhaus wurde. Ihm gelang es 17 international bekannte Architekten für das Vorhaben zu gewinnen und so wurden innerhalb von 21 Wochen 21 Häuser erbaut. Die Ausstellung wurde kontrovers diskutiert, fand aber auf jeden Fall das Interesse der Besucher, die in einer Gesamtzahl von über 500.000 auf den Killesberg strömten.
Die Häuser sollten einen Eindruck der Möglichkeiten des modernen Bauens liefern. So wurden nicht nur neue gestalterische Mittel erprobt, sondern auch neue technische Methoden, wie z.B. der Skelettbau durch Mies van der Rohe, angewandt. Ebenfalls wurde wert auf die Innenausstattung gelegt. Selbst heute wirken die Gebäude nicht unzeitgemäß. Sie sind immer noch voll Frische und Witz. An den beiden Häusern von Le Corbusier lassen sich seine 5 Punkte einer neuen Architektur nachvollziehen: Besonders auffallend sind die Säulen, die dem Haus eine gewisse Leichtigkeit verleihen, der Dachgarten und die große Fensterfront.
Leider wurden durch den Krieg und die darauf folgenden Jahre einige der Gebäude zerstört. Der Erhalt der noch vorhandenen Gebäude wurde spätestens im Jahre 2000 sichergestellt, indem die Häuser unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Am Bauhaus gingen im Laufe der Zeit viele Persönlichkeiten ein und aus. Spannungen konnten nicht ausbleiben an einem Ort, der so verschiedene Charaktere mit verschiedenen Auffassungen zusammenbrachte. Doch immer wieder wurden neue Lehrer von der Idee des Bauhauses angelockt. Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten, die 1933 die Schließung des Bauhauses erzwangen, wurde dieses großartige Experiment vorzeitig beendet.
Heute steht der Begriff „Bauhaus“ besonders für moderne Baukunst. Auch heute noch ist das Anliegen der Gründer des Bauhauses aktuell. Sowohl Gebäude als auch alle technischen Produkte müssen neben ihrer Funktionalität auch ästhetischen Maßstäben gerecht werden. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, werden junge Menschen heute in vielen verschiedenen Designstudiengängen ausgebildet. Dies hat jedoch auch dazu geführt, dass sich die Künstler wieder von handwerklichen Themen abgewendet und die strenge Trennung von Kunst und Design propagiert haben. Gerade diesem Gedankentum wollte die Bauhausbewegung entgegenwirken. Ihre Mitglieder empfanden die Gestaltung von Möbeln oder Gebrauchsgegenständen ebenso künstlerisch wertvoll, wie das Malen von Bildern. Ein bisschen mehr von diesem Geist könnte auch heute wieder unseren Wohnalltag auffrischen und unsere Stadtbilder verschönern.
Doch auch die Durchführung dieses Experiment der Moderne hat Vorbildcharakter. Der Ideenreichtum und die visionäre Umsetzung der Projekte waren nur durch die Zusammenarbeit mehrere unterschiedlicher Charaktere möglich. Sowohl die Wegweisende Konzeption als auch die große Interdisziplinarität und der internationale Austausch haben die großen Leistungen des Bauhauses hervorgebracht. Somit ist das Bauhaus auch der Beweis dafür, dass erst durch das Zusammenwirken vieler verschiedener großer Persönlichkeiten visionäre Ideen geboren und umgesetzt werden können.

Dieser Beitrag stammt von www.farbe-bekennen.net
Hast Du Lust auf interessante Texte? Dann bekenne Farbe und mache mit!

Offline

#2 2006-06-06 22:05:36

prenzlmaler
Gast

Re: Vision der Moderne - Das Bauhaus

Hallo , etienne !

Habe mir soeben den Bauhausartikel durchgelesen und bin als hauptberuflich tätiger Maler seht erfreut,diesen Beitrag vorgefunden zu haben.Du hast ihn umfassend und übersichtlich gestaltet und die genannten Fakten präzise niedergeschrieben.Dafür möchte ich dir danken.
Mich würde interessieren,welche Literatur den Hintergrund bildet.

Auffällig ist für mich,dass im Beitrag sämtlichliche politischen Hintergründe ausgespart blieben,obwohl diese für das Bauhaus bis Mies van der Rohe,der bekanntlich das Bauhaus entpolitisieren wollte,eine wichtige Rolle spielten.

Die weit über Deutschland hinaus richtungsweisende Bauhaustätigkeit kam zu lurz.
Auch wurden so bekannte Leute wie Feininger,Marcks oder Schlemmer mit keiner Silbe erwähnt.Warum nicht?
Auch ein Hinweis auf die holländische De-Stijl-Gruppe mit Doesburg und Oud fehlt,vom russischen Konstruktivisten Lissitzky ganz zu schweigen.Die nach Itten tätigen Moholy - N. und Albers gingen ebenfalls baden.

In deinem Artikel fehlt auch jeder Hinweis auf das Staatliche Bauhaus Dessau und der in dieser Stadt befindlichen Zeugnisse,wie beispielsweise die Siedlung Dessau-Törten oder die Laubenganghäuser.
Die Bauhaustätigkeit in Berlin-Steglitz flog ebenfalls unter den Teppich.

Warum,Etienne,fanden die von mir erwähnten thematischen Punkte von dir keinerlei Beachtung?

#3 2006-06-06 22:51:35

etienne
Neues Forenmitglied
Registriert: 2005-10-27
Beiträge: 5

Re: Vision der Moderne - Das Bauhaus

Ausgangspunkt dieses Artikels war der Besuch der Weißenhofsiedlung in Stuttgart. Ich will mit diesem Artikel einen kurzen Einblick in die Geisteswelt des Bauhauses geben und an dem Beispiel der Siedlung die Bedeutung des Bauhauses erläutern. Im Zentrum meines Interesses steht die Bedeutung den Bauhauses für die Gegenwart.
Natürlich gibt es sehr verschiedene Aspekte des Bauhauses, die alle Beachtung verdienen. Doch mein Artikel soll anregen und für das Thema sensiblisieren und nicht das Bauhaus umfassend darstellen. Vielleicht nimmst Du diesen Text als Anlass, um einen der genannten Punkte aufzugreifen und selbst einige Zeilen zu schreiben.

Nebenbei gesagt, fände ich die Einrichtung eines eigenen Architekturforums für angebracht.

Offline

#4 2006-06-06 23:43:24

prenzlmaler
Gast

Re: Vision der Moderne - Das Bauhaus

Hallo,Etienne ! (Übrigens ein sehr schöner Name.)

Danke für deine Erklärung,womit ich mich gern zufrieden gebe.
Wie gesagt,ich fand es bemerkenswert,so einen Artikel hier zu finden.Aber es ist nicht mein Genre.Und was ich schrieb,waren nur gedankliche Splitter.
Es gibt hier bereits ein totes Huhn namens Bildhauerei und ich glaube nicht,dass die Architektur ein Dauerbrenner sein könnte,obgleich ich mich dafür stets interessiere.   Nette Grüße aus Berlin !

Fußzeile des Forums

 
Artring.com | Artring.de