Home  |  Galerie  |  Forum  Registrieren  |  Anmelden  

Sie sind nicht angemeldet.

#1 2011-01-11 11:23:39

niwatoriah
Gast

Über Kunst und Kommunikation

Als ich auf diese Seite kam, geschah das, um etwas über Kunst zu erfahren. Leider habe ich – abgesehen von zwei privaten Kontakten, die sich mit einem Austausch über die Bilder befassten – eigentlich nur etwas über moderne Kommunikation erfahren.

Marshal McLuhan sagt: „Das Medium ist die Botschaft!“. Das heutige Medium ist das Internet. Da hier schon voller Häme bemerkt worden ist, dass ich etwas mehr Erfahrung habe (wie kann man auch nur, süsüsüs!), blicke ich auf viele Jahre im Internet zurück (entschuldige mich auch für diese diskriminierende Selbstbeweihräucherung!).

Das Internet fing mal mit enorm vielen Informationen und Chatforen sowie Boards an. Mann, was gab´s da ne Auswahl! Und was waren die Leute offenherzig! Und was war das für ne Mischung! - Dagegen heute findet man zu jedem Stichwort erst mal kommerzielle Such- bzw. Angebotsseiten, die mit ihrem Geld so viele Stichworte aufgekauft haben, dass man bei Eintippen des Wortes „Kohl“ zunächst mal 97 Seiten Preisroboter vorbeiscrollen muss, viele davon gar nicht als solche gleich erkennbar, so dass man ne Mordszeit damit verliert, dort vergeblich nachzugucken, bis man endlich irgendwo ne magere Information über Kohl selbst findet.

Chat in offener Form gibt´s fast gar nicht mehr bzw. es sind Cliquen. Und in den Boards ist das sachliche Niveau so gesunken, dass z.B. bei web.de zwischen 18:00 Uhr und 7:00 Uhr keine Eingabe mehr möglich ist. Im wesentlichen geht es dabei um gegenseitige Bepöbelungen pro oder contra ein Thema. Differenzierte Informationen werden kaum angeboten und so wie so völlig ignoriert.

Auf facebook schließlich geht der Kontakt nur noch nach „Gefällt mir“, das bedeutet, der Mensch ist zu einer TED-Machine verkümmert, deren ganzes Bestreben es ist, möglichst viele „Freunde“ und „Gefällt mir“ zu horten, so wie Jugendliche mit der Zahl der Handyanrufe ihre Beliebtheit messen.

Bei artring hab ich ganz harmlos meine persönliche Meinung dargelegt: zack, gleich gab´s was auf die Rübe. Nun gab´s 3 Alternativen: a) sofort zurückziehen, b) mit den Wölfen heulen und c) dagegenhalten. Zudem gab´s da noch diese unsäglich Antikunst-Aktion, die wohl soetwas darstellt, wie den schwarzen Hintergrund, der die trüben Funzeln, die dort leuchten, in ihrer Wirkung hebt. Aber es ging mir ja nicht alleine so. Besonders interessant war, dass ein wirklich praktisch und theoretisch in Kunst beschlagener Mensch auf genauso dämlich und stumpfsinnige Pöbelmanier vergrault wurde.

In dieser Auseinandersetzung, wo ich auch unterschiedliche Standpunkte eingenommen habe, wurde mir deutlich, dass es sich um eine Enklave handelt, die als solche nicht gestört werden will.

Ich habe aus dieser Enklave zweierlei mitgenommen: zwei Freunde und die Bestätigung für das Japanische Sprichwort: Der Frosch in der Tiefe des Brunnens ahnt nichts von der Weite des Meeres. Und mein Herz ist froh, nicht so zu sein.

#2 2011-01-11 13:41:50

Osian
Forenmitglied
Registriert: 2010-05-29
Beiträge: 119

Re: Über Kunst und Kommunikation

Hallo Niwatoriah,

starte doch mal, gleich in diesem Thread ein Thema zur Kunst, das du gern diskutieren möchtest, z.B. über Künstler, die deine Arbeiten, direkt oder indirekt, beeinflusst haben.
Disktuieren im Internet geht sehr wohl, ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Beitragschreiber, zwar über Kunst schreiben möchten,dabei  aber irgendwie Bedenken zu haben scheinen, dass sie sich "unsachgemäß" äußern könnten. Diese Bedenken hemmen ganze Threads, dann wird nur noch blöde kommentiert. - Man kann sich eigentlich gar keine Blöße geben, wenn man über Kunst diskutiert, diese Ängste sind nur desktruktiv. In diesem Sinne, fang mal ein Thema an.
Gruß
Osian

PS.
an A: In dem Ki sh on Thread werde melde ich noch.

Offline

#3 2011-01-11 14:20:09

niwatoriah
Gast

Re: Über Kunst und Kommunikation

Ach, lieber Osian,

gern würd ich das tun! Aber ich bin in diesen Dingen absolut ungebildet. Ich kann nur darüber sprechen, was mich an Kunst bewegt oder was ich zu Bildern meine. Jedoch ist das wegen der Verschiedenheit der Assoziationen (in der sprachwissenschaft Konnotation genannt) sehr schwierig. Habe gerade ein Werk kommentiert, wo jemand mit Glitzerkristallen einen weiblich Toro  (Oberkörper von hinten mit halbem Kopf mit Knoten sowie Hüftansatz - merkwürdiger Ausschnitt) reiferen Alters eingestellt hatte, zudem mit einem Rundrücken, Speckfalten und einem großen Busen sowie zwei boxermäßig angezogenen Armen versehen. Diese Arbeit war handwerklich hervorragend, aber ästhetisch hat´s mir nicht gefallen. Die Dame hat geantwortet, dass wir alle Lichtwesen seien, egal welchen Alters. Also, was willste da sagen?

Meine Bilder sind hier in der Kunstgalerie drin unter H, wer dazu was bemerken oder fragen will, gerne. Ansonsten habe ich ne Menge Dinge gelernt, deshalb möchte ich meine Kunst ungelernt betreiben, weshalb ich auch über einzelne Maler, Epochen etc. kaum was weiß. Mir ist nur aufgefallen, dass ich bei facebook südamerikanische Maler gern mag und die offensichtlich auch positiv auf mich reagieren, vermutlich wegen einer gewissen Unmittelbarkeit.

Da ich ja nun hier ne Feuertaufe erhalten habe, haut mich auch so leicht nix mehr vom Hocker(-:)

#4 2011-01-11 14:50:53

Ferich
Forenmitglied
Registriert: 2010-05-29
Beiträge: 433

Re: Über Kunst und Kommunikation

Lieber niwatoriah.
als du in der Rubrik "Was ich unter Kunst verstehe - Eine Einladung"  zum Gespräch aufgerufen hast, hatte ich einen Beitrag geschrieben, den du später auszugsweise als Aufhänger benutzt hast und  außerdem bist du nur immer auf mehr oder weniger Unsachlichkeiten eingegangen und hast dich selbst dabei von deinem Thema entfernt.

Ich habe bei dir eher das Gefühl du weißt selbst nicht was du möchtest, wenn ich nämlich ein Thema anfange, und andere nichts zum Thema beitragen, würde ich darauf hinweisen und nicht ständig einen Ball hin und her werfen, obgleich ich nicht Ballspielen möchte. Z.B. habe ich von Osian schon einiges erfahren, was ich vorher nicht wusste, dies bereichert mich. Deine Gespräche verlaufen oftmals über die ganze Weltgeschichte und ist mir ehrlich gesagt zu anstrengend. Von Kunst verstehe ich leider auch nicht viel mehr als du, aber da mich andere Sachthemen mehr interessieren, empfinde ich es nicht als Manko.

Ich habe deine Bilder auch betrachtet, für mich sind sie einfach zu religiös behaftet damit kann ich nun garnichts anfangen. Sonst hätte ich mich dazu schon geäußert. Vielleicht erklärst du mir mal ein Bild, was du dabei gefühlt oder gedacht hast, wenn es nicht zu intim ist.

Ich bin bereit für ein Gespräch, aber wenn es wieder nur  abschweift oder um Recht und Unrecht geht, dann bin ich weg

LG Ferich

Offline

#5 2011-01-11 19:05:25

Armageddon
Gebannt
Registriert: 2010-02-18
Beiträge: 816

Re: Über Kunst und Kommunikation

Hallo Andreas,

du warst hier angetreten, dich über Kunst auszutauschen und nicht um dich zu kloppen. Dass du durch dein mächtiges
Aufplustern, dazu im falschen Thread zur Zielscheibe meines Spotts wurdest, bedauere ich, war aber von dir vorpro-
grammiert. Du hättest wissen müssen, worauf du dich mit einem Anti-Kunstkritiker einlässt. Du, wir und ich sind hier nur
digitale Nummern ohne Gesicht, Name und Körper. Niemand kennt uns und kann uns deshalb auch nicht schief ansehen.
Ich bin Anti-Kunstkritiker und du bestimmst selbst wer du hier bist. Gegen die für alle offensichtliche Wahrheit, dass wir
im Zeitalter der Anti-Kunst leben, anzurennen ist töricht. Da holt man sich heute im Internet schon mal ne blutige Nase.
Anti-Kunst ist eine betrügerische Sekte, und da kann die Diskussion zwangsläufig ausarten, muss aber nicht.

Lasst uns wieder vertragen, den Zwist aus der Vergangenheit vergessen, und einen friedlichen Neuanfang ohne Häme
starten! Es gibt auch Kunst neben der Anti-Kunst.

Man kann sich auch über Kunst unterhalten ohne tiefere Kenntnisse zu Machart und Geschichte. Die Amateurfotografen,
Autofans und alle anderen Hobbyisten tun dies schon immer. Ich biete dir die Hand zur Versöhnung! Den Anti-Kunstkriti-
ker wirst du mir lassen müssen.

Mit freundlichen Grüßen Armageddon


--- Allein die Ästhetik ist der Weg, das Ziel und der Schlüssel zum Geist und zum Herzen des wahren Kunstliebhabers!  Armageddon

Offline

#6 2011-01-11 20:30:10

niwatoriah
Gast

Re: Über Kunst und Kommunikation

Danke, danke! Odysseus ist auch ein wenig hin und her gerudert, nur um endlich weider heimzukehren. So bin und war ich ein ganzes Leben lang ein Wanderer zwischen den Welten. Bemühe mich aber, das nur auf Anfrage näher darzulegen.

Eine genaue Vorstellung habe ich gar nicht. Aber viel erlebt. Und die sogenannte Kunst ist für mich in erster Linie Ausdruck des Lebens. Dabei hat natürlich jeder einen anderen Hintergrund und Bezug zur Kunst. Das macht die Verständigung schwierig.

Der sogenannte kunstimmanente Ansatz - wie überhaupt alle "fachgerechten" Ansätze - widerstrebt mir. Denn er bezieht sich auf historische und technische Merkmale und ihre Einordnung, meist unter Zurückstellung des tatsächlichen menschlichen Gehaltes. Zum Beispiel schrieb jemand zu meinem Koi Bild (übrigens hier kein "religiöser" Ansatz, sondern ein spielerischer), dass der Fisch ein Phallussymbol sei. Als ich etwas irritiert antwortete, sandte er mir ne Internetseite über Symbolismus in der Kunst. Verflixt, was hab ich damit am Hut? Allerdings muss man damit leben, dass ein "Gebildeter" also bei nem harmlosen Fisch annen Phallus denkt. Das Blöde dabei, nu muss ich auch immer dran denken, damit ist die "Unbeschwertheit" weg.

Ferich, such dir ein Bild aus unter www.artists.de/niwatoriah.html, frag was du willst. meist ist auch ein Text dabei.

Armageddon, vertragen wir uns, denn beide wollen wir was Gutes, einverstanden. Aber ich bitte, die Fragestellung darauf zu erweitern, was unseren Blick heute so verändert gegenüber anderen Zeiten. Dass das der Fall ist, ist gewiss. Habe mich gerade heute mit nem ganz lieben und ordentlichen Landschaftsmaler unterhalten, der erzählte, dass Galeristen ihm sagten, Landschaften gäb´s genug und seine Bilder gar nicht erst ansehen wollten.

Also, mein Bezug zur Kunst kommt aus meinem Leben, nicht aus irgendeiner Theorie oder einer kunstinternen Strömung. Ich würde sogar zugeben, dass ich dagegen ein wenig allergisch bin. Aber ich bemühe mich, mein Umfeld zu verstehen.

Ansonsten bin ich über diese Entwicklung sehr gerührt!, und danke allen für ihre Nachsicht.

Andreas

#7 2011-01-11 21:13:32

Ferich
Forenmitglied
Registriert: 2010-05-29
Beiträge: 433

Re: Über Kunst und Kommunikation

Hallo und guten Abend,
also ich fange mal an, das Bild Love, würde ich mit Love oder zu deutsch mit Liebe nicht in Verbindung setzten, eher mit einem Akt zudem auch noch einen schnellen - bei der Strichführung, so mein Empfinden. Als wolltest du dabei nicht viel Zeit investieren.
Was wolltest du mit diesem Bild ausdrücken oder was für Gedanken, Gefühle hattest du dabei (jetzt bitte nicht ins Detail smile)
Und was oder wer wird auf dem Bild "Erleuchtet" , wird dort nicht ein Insekt getötet?
was ging da in dir vor? und bei   "Le Roi C'est Moi"  fehlt die Farbe auch deine Freude, wo ist da der König?



LG Ferich

Offline

#8 2011-01-11 21:18:22

Ferich
Forenmitglied
Registriert: 2010-05-29
Beiträge: 433

Re: Über Kunst und Kommunikation

hatte  mir mal vor einiger Zeit Gedanken gemacht und das ist dabei heraus gekommen;

Die bildende Kunst hat heute nicht mehr die gleiche Funktion die es früher hatte, da heute die Realitäten, die politischen und gesellschaftlichen Begebenheiten durch Medienaufnahmen, Fotografien. wesentlich genauer dargestellt werden, die Manipulationen bleiben nachwievor möglich.
Ich glaube ein kreativer Mensch der sich in der bildenden Kunst ausdrückt, drückt unterschiedliche Persönlichkeitsanteile aus, aus denen jeder Mensch besteht. Wir sind und benehmen uns in verschiedenen Situationen vielfältig, als Kunde, Freund, Mutter oder Kollegin u.s.w. haben wir gelernt ein bestimmtes Repertoire an Rollenbildern darstellen, ohne dass wir darüber nachdenken.  Man könnte auch sagen bildende Künstler benutzen die infantile Symbolsprache aus Kindertagen, da jeder Mensch sein inneres oder mehre innere Kinder in sich trägt, in unterschiedlichen Alterstufen, auch Träume sind eine Mischform daraus.
Ich wurde mal aufgefordert Nass in Nass zu malen, es war schwierig, weil dabei jede Kontrolle abhanden kommt, Kontrolle dient oftmals den Menschen als Sicherheit, umso stärker der Mensch dazu neigt alles kontrollieren zu wollen oder müssen, umso stärker verstecken sich dahinter Ängste, dass alles außer Kontrolle gerät, vielleicht auch seine eigenen Affekte.
Ein Künstler der von seiner Kunst existieren muss, steckt wahrscheinlich in einem Dilemma, er muss malen was sich absetzen lässt und muss seinen inneren Drang nach Ausdruck oft verdrängen. Es kann natürlich sein, dass schon in der Ausbildung diese Verdrängung beinahe vollständig gelungen ist, der Künstler malt mehrheitlich unter den Aspekt der Ökonomie, wie es auch in vielen  anderen Berufen üblich ist. Der Künstler ist zum Beherrscher seiner erlernten Technik geworden, die Kunst rückt somit in den Hintergrund. Die Funktion die Kunst hervorbringt, seine Intuition ausleben - ausdrücken - darzustellen etc. ist ins Unbewusste verdrängt soweit es natürlich nur möglich ist. Aber auch jede Verdrängung bringt etwas hervor ... macht Platz für Neues für Etwas und anderes
Ich glaube auch der Perfektionsdrang, wenn dieser stärker ausgeprägt ist, wie auch gewissermaßen der stark ausgeprägte Hang zur Ordnung und Disziplin (die natürlich in bestimmten Maße notwendig sind), findet Ausdruck in der Kunst und verdeckt die innerliche Unsicherheit. Vieles wurde natürlich in der Kindheit konditioniert, aber ich glaube umso stärker wir es als Kind verinnerlicht haben umso stärker wirkt es noch im erwachsenen Alter. Wir bekommen oftmals noch heute Gewissenbisse oder Schuldgefühle, wenn wir dagegen Handeln, obgleich wir es heute besser wissen müssten. Deswegen könnte und kann die bildende Kunst diese innere Ambivalenz ausdrücken, wenn wir es zulassen und unser Verstand mal ganz außen vor lassen.

Aber auch die soziale Anerkennung spielt eine große Rolle, was wir malen oder besonders was wir nicht malen. Deswegen wagen viele nicht zu zeigen was innerlich in ihnen brodelt. Da werden massenhaft Blumen, Vögel und perfekte Landschaften u.s.w. gemalt, die natürlich auch ihre Berechtigung haben dürfen, aber zeigen sie vielleicht nur das, was der Mensch sein möchte, ein vollkommendes Wesen ohne Fehler und Makel?, deswegen haben auch schönere Menschen mehr Sympathie und ihnen wird Fehlverhalten eher verziehen. Dennoch haben wir alle Persönlichkeitsanteile und Affekte die weniger gemocht werden, die keine Anerkennung auslösen, wie zb Wut und Zorn, Eifersucht und Neid. Wenn wir also intuitiv malen, müssten sich auch zwangsläufig diese Seiten zeigen oder deren Auslöser/Ursachen dieser Affekte waren und vielleicht noch heute in uns wirken.

Wenn ein Mann zb. gerne nackte Frauen malt, und wir den ökonomischen und reinen sexuellen Aspekt vernachlässigen (wenn er denn vorhanden ist), könnte dahinter die Sehnsucht des verdrängten Mutterbildes stecken und die natürliche  infantile narzisstischen Bedürftigkeit die damit verbunden waren und sind, wie Geborgenheit, Schutz, Zärtlichkeit und Wärme. Manche drücken es dann in der heiligen Maria aus, dieser religiöse Aspekt ist oftmals in der Kindheit oder auch aus Notsituationen entsprungen.
Was können uns also Bilder sagen, was teilen sie uns mit, ohne den Künstler zu kennen, es spielen natürlich in der Analyse eines Bildes immer unsere eigenen Erfahrungen mit hinein, vollkommene Objektivität gibt es meiner Meinung nach nicht. Weil wir alle , wenn auch kulturell ähnlich, unterschiedliche Assoziationen mit bestimmten Symbolen verknüpfen. Schon die Begrifflichkeit die Terminologie ist nicht eindeutig oder oftmals sogar mehrdeutig.
Und sicher steckt in allen Menschen ebenso ein Hang zum Narzissmus, bei manchen Menschen mehr bei manchen weniger, bishin zum Pathologischen. Vielleicht haben alle Künstler egal in welcher Fachrichtung, einen etwas höhere Neigung zum Narzissmus, der es gegebenfalls erst möglich macht, Kunst in jeglicher Form anderen Menschen teilhabenzulassen. Da Kunst ob professionell oder nicht immer etwas von den Künstler zeigt, ob nun bewusst oder unbewusst oder von beiden etwas.

Offline

#9 2011-01-11 23:30:13

niwatoriah
Gast

Re: Über Kunst und Kommunikation

Au Mann, das ist aber nicht so einfach!
Also "Love" ist etwas, was ich erlebt habe, und was mir unvergesslich ist. Also, dass der schnelle Strich auf Hast hindeutet, hätte ich nicht gedacht. Vielmehr hat es mir nur der schnelle Strich ermöglicht, dass überhaupt "hinzuhauchen", denn eine genauere Darstellung wäre mir a) peinlich und b) wohl auch unmöglich gewesen. Ich meine, dass in Körpersprache und Gesichtsausdruck Selbstvergesseneheit und Hingabe zum Ausdruck gekommen wären sowie die Farbgebung das etwas "Märchenartige" unterstrichen. Auf jeden Fall wollte ich pronografische oder fotografische Genauigkeit vermeiden.
"Le Roi, cést moi" ist eine a) Selbstironie, denn ich bin genau so "souverän" wie der König auf dem Bild. Gleichzeitig macht b) die Geschichtsschreibung aus lauter mehr oder weniger brüchigen Menschen Pfeiler der menschlichen Entwicklung. - Insgesamt, und das ist mein "Lustgewinn", kommen mir die Interpretationen erst, nachdem das Bild fertig ist. Zunächst ist ein Impuls.
Beide Arbeiten sind auf der intuitiven Schiene in kurzer Zeit und ohne Mühe "hingehauen". es gibt andere bilder, wo ich erhebliche Mühe und zeit drauf verwendet habe.

Die Einlassung über Kunst und Künstler ist sehr komplex, vieles zutreffend. Ich möchte einen Aspekt herausgreifen: war heute bei nem Maler, der das nebenberuflich zu seiner Erbauung macht. Trotzdem war er geknickt, dass Keller und Terrasse voll Bilder sind, und er die nicht verkaufen kann. Er betrachtet also auch den Absatz als Anerkennungskriterium.

Bei mir war es ähnlich. Jedoch nach einer Reihe von Bemühungen, wo ich gesehen habe, dass du a) deine ganze Existenz (also auch Auftreten, Erscheinungsbild etc.) sowie b) die geschaffenen Werke voll auf Beachtung ausrichten musst, wenn du Anerkennung finden willst, habe ich mich dagegen entschieden, weil ich a) ein auf äußere Anerkennung gerichtetes Verhalten nicht mag und b) weder technisch noch intentional solche Werke machen kann oder  will.

Würden alle Menschen ehrlich zeigen, was in ihnen brodelt, würde sich alles sehr verändern. Und so ist für mich heute das Sinnbild der modernen materiellen Gesellschaft der Star wie Madonna oder Lady Gaga etc., der seine gesamte Energie auf Beachtung und Erfolg richtet. Und die normalen Menschen wiederum sehen im materiellen Erfolg die Bestätigung dafür, dass da enorm was hinterstecken muss. So lange, wie wir keine anderen Werte außer Beachtung und Bezahlung haben, ist es schwierig, ein wahrhaftiger Mensch zu sein. Aber das war es schon immer.

Hoffe, das war hilfreich.

#10 2011-01-12 07:18:25

arte60
Forenmitglied
Registriert: 2006-12-30
Beiträge: 91

Re: Über Kunst und Kommunikation

Ich muss zugeben das ich gestern beim „Schauen wir mal wieder beim Kunstforum vorbei“ erstaunt war. Nach langer Zeit ein Thema, wo es sich lohnt genauer hinzuschauen und sich selbst einzubringen.
Zum Thema Anerkennung. Wenn man über Jahre hinweg als Künstler tätig ist, gibt es in diesem Punkt verschiedene Entwicklungsstufen. Zuerst findet man in der Regel die Anerkennung die man braucht in der Familie oder bei Freunden, bis man feststellt das die Anerkennung nicht wirklich auf die eigenen Arbeiten bezogen ist, sondern eher auf die Hingabe mit der man sich mit dem Thema Kunst auseinandersetzt. Also, da die Familie oder Freunde wissen das diese Beschäftigung sehr wichtig für einen selber ist, fällt die Anerkennung leicht, sie wird in den meisten Fällen aus Liebe gegeben. Das ist nicht negativ gemeint, hilft aber in der künstlerischen Entwicklung kaum weiter.
Als Kunststudent oder auch als Jemand der sich mit seiner Kunst der freien Öffentlichkeit präsentiert, hat man dann die Möglichkeit die gesamte Spannbreite von Anerkennung und Missachtung seiner Werke kennen zu lernen. Man wird sich in dieser Zeit vor allen Dingen mit den negativen Formen beschäftigen müssen, wie Eifersucht, Neid, Ablehnung etc. wobei die schlimmste Form die Gleichgültigkeit ist. Gutgemeinte und fundierte Kritik gibt es dahingehen eher selten. Durch die Vielfalt der Reaktionen von anderen, lernt man allmählich auch deren Beliebigkeit kennen und die daraus resultierende Gewissheit das man sich eigentlich nur auf sich selbst verlassen kann oder auf eine kleine Gruppe von Leuten bei denen man aus Erfahrung weiß, das sie sich tatsächlich mit der eigenen Kunst ohne Vorurteile auseinandersetzen. Man lernt dabei auch, das je mehr man nach Anerkennung strebt um so weniger bekommt man sie. Diese Entwicklungsphase läuft meist parallel zur eigenen Stillentwicklung. Das ganze ist ein Reifeprozess, der letztendlich dazu führt das der Künstler, wenn er nicht vorher aufgibt, gestärkt aus ihm hervorgeht und sich in seiner weiteren Entwicklung kaum mehr von Außen beeinflussen läst. Somit spielt der Faktor Anerkennung mit den Jahren eine zunehmend untergeordnetere Rolle.
Zum Thema Verkauf. Anerkennung und Verkauf sind zwei unterschiedliche Dinge, die nicht unbedingt in direktem Bezug zueinander stehen, aber das begreift man auch erst nach vielen Jahren künstlerischer Tätigkeit. Anfang der achtziger Jahre hatte ich mein erstes Bild an einen reellen Kunden verkauft, also nicht an jemanden aus dem Freundes oder Bekanntenkreis. Ich hatte ein paar Jahre zuvor einen Rechtsanwalt kennen gelernt, der unsere damalige Wohngemeinschaft in einem Rechtstreit vertrat. Jahre später brauchte ich seine Dienste wieder und als ich ihn wiedertraf war seine erste Bemerkung ob ich noch das Bild hätte an dem ich damals in der Wohngemeinschaft tätig war. Überraschend war für mich nicht das er dieses Bild kaufen wollte, sonder das er es über die Jahre hinweg nicht vergessen hatte und somit verkaufte ich es ihm mit Freude. Seit diesem Zeitpunkt musste ich noch eine Menge dazulernen, was den Verkauf von Bildern anbelangt und das wird leider auch nicht auf der Kunstakademie gelehrt. Der Verkauf von Kunst gestaltet sich oft nach den allgemein üblichen Marktregeln, aber mit einigen wichtigen Unterschieden. Z.b.: der potenzielle Kunstkäufer will in der Regel nicht nur ein anonymes Werk kaufen, sondern auch ein Stück der Persönlichkeit des Künstlers und er merkt unbewusst sehr schnell, wenn der Künstler das nötige Selbstbewusstsein nicht besitzt. Somit ist eine Grundvoraussetzung für den Verkauf, das man von seiner Arbeit hundertprozentig überzeugt ist, das die eigenen Kunstwerke diese Überzeugung widerspiegeln und das man auch als Person mit seiner Kunst überzeugen kann. Es ist also gar nicht nötig gemäss einem fiktiven Kundenwunsch zu malen, sondern es ist eher unabdingbar, das der Kunde in den Werken, den Künstler als eine individuelle Persönlichkeit wiedererkennt. 
Natürlich ist der Verkauf der eigenen Arbeiten nicht unwichtig, wenn man davon leben will, aber ich wie auch viele meiner Kollegen, würden niemals daran denken deshalb den Malstil oder das jeweilige Thema zu ändern, den das würde automatisch bedeuten das man mit diesen Veränderungen auch seine Überzeugungskraft verlieren würde. Es ist eher umgekehrt, ich habe öfters gedacht das ich einige meiner Arbeiten aufgrund ihrer Thematiken nicht verkaufen könnte und doch gab es auch für diese, in meinen Augen schwierige Bilder, Käufer. Auch hier wieder stellt man mit der Zeit fest, das der Bildverkauf von so vielen Faktoren abhängig ist, das man daraus keine Anerkennungspluspunkte ziehen kann.
MfG

Offline

#11 2011-01-12 08:50:15

niwatoriah
Gast

Re: Über Kunst und Kommunikation

Im Bild Erleuchtung ist ganz einfach Werden und Vergehen im Lichte der Ewigkeit dargestellt. Aus dem erdförmigen Grabhügel sprießt ein frischer Keim, während gleichzeitig ein Falter von einer Krähe gefressen wird. Die Krähe, der Rabe ist der Vogel der Weisheit/Klugheit und der Schmetterling ist die Unschuld/Naivität. Also durch "Wissen" verliert man die Unbefangenheit, gewinnt an "Sicherheit" sowie verliert man Vitalität. Deshalb heißt es im Zen, dass man sich von allem Wissen frei machen muss.

Die Auseinandersetzung hier hat mich von allen Vormeinungen befreit, Ich mach mir über diese Dinge keine Meinung mehr. Jeder macht sich selbst seine Wahrnehmung und seine Urteile. Es ist sinnlos, darüber zu streiten.

Bei meinen Bildern, um´s noch mal hervorzuheben, habe ich eine Eingebung. Und wenn das Bild fertig ist, verstehe ich, was das bedeutet. Damit mache ich das Gegenteil vom klassischen Lernen: ich schöpfe aus der Intuition. Wollte man sich etwas im Kopf ausdenken, könnte man´s gar nicht so zurechtkontruieren. Ob nun jemand das nachvollziehen kann oder nicht, das hängt von seinem Entwicklungsstand ab.

#12 2011-01-12 16:38:35

Ferich
Forenmitglied
Registriert: 2010-05-29
Beiträge: 433

Re: Über Kunst und Kommunikation

Guten Tag,
nun bin ich auch überrascht, dass sich arte60 hier wieder eingefunden hat, dann herzlich willkommen zurück.
Aber erst einmal möchte ich auf Andreas Beiträge eingehen, dein Bild Love, soll also tatsächlich auf den Akt hinweisen oder dich erinnern, ich glaube jeder würde trotz Darstellung die Intimität bewahren wollen, deswegen wäre eine Metapher eventuell besser geeignet, aber wie du schreibt, entstehen deine Bilder aus dem unbewussten intuitiv. Da kann ich dich total verstehen, weil ich ähnlich arbeite, manchmal wache ich auf und mir kommt ein Bildausschnitt zugelaufen, die Umsetzung steht dann noch gar nicht fest, ich folge meinem inneren Impuls wie du selbst. Bei "Le Roi, cést moi" ist die Selbstironie mir nicht offenkundig geworden, aber das sagt ja nichts, dennoch interessant dies zu wissen.

Bei den erwähnten Maler da  kann ich mich gut einfühlen, dennoch fällt es mir persönlich schwer mich von  meinen Bildern zu trennen, obgleich meine Bilder beinahe alle nur als Fotografie  vorliegen. Es ist, als würde ich einen Teil von meinem Selbst weggeben.

Anerkennung braucht jeder Mensch, auch die nicht kreativen, obgleich ich glaube, dass jeder Mensch kreativ ist. Und ich sehe zb. Lady Gaga als große Künstlerin, auch ihre Videos zeigen dies, ist natürlich nicht jedermanns Sache, aber diese sind Kriterien des unterschiedlichen ausgeprägten Narzissmus, der gerade in dieser Branche lebensnotwendig und Voraussetzung ist.

weil ich a) ein auf äußere Anerkennung gerichtetes Verhalten nicht mag

jedes Schaffen und daraus gegründetes Verhalten richtet  sich fast immer  nach einer äußeren Anerkennung, der Beruf mit dem Einkommen,  eine Hausfrau/Mutter  genauso wie ein Kind in Noten ausgedrückt und bei den Eltern mit Zuwendung etc.  Wir verhalten uns stets so, dass unser Verhalten akzeptiert und möglichst anerkannt wird. Wir kleiden und frisieren uns auch um Anerkannt  und nicht ausgegrenzt zu werden.

Wenn ich meinen Selbstwert mit Prestige, Konsum und dicken Auto gleichsetze, steckt dahin ein ängstliches Kind. Mein Selbstwert ist unabhängig vom Wert anderer Menschen und Dingen und Verhalten. Deswegen sagt der Preis eines Bildes nur aus, was unsere kulturelle Gesellschaft als Wert anerkennt, wenn es nur ein bekannter Name ist, ist es doch vollkommen wurscht was auf einem Bild dargestellt wird oder genaugenommen wer es gemalt hat, diese Oberflächlichkeit begegnet uns überall. Der Kunde macht den Preis nicht der Künstler, die Nachfrage regelt es, wie arte60 angedeutet hat, die Ökonomie macht nicht halt vor der Kunst. Aber sie ist unabhängig vom Wert, sondern abhängig vom Namen oder interne Verbindungen, wie die Politiker Einfluss auf die Wirtschaft haben, so verhält es sich auch im Kunstgewerbe.

Und wie weit sich ein Künstler von der Nachfrage bestimmter Abbildungen leiten lässt, ist vielleicht doch nicht so einfach wie arte60 es gerne hätte, inwieweit bewusstes Handeln vom Unbewussten gelenkt wird, kann nur jeder für sich entscheiden.

Und noch etwas Andreas, oben sagtest du, dass dir jemand die Bedeutung eines Fisches als Symbol deine Unbefangenheit raubte, du aber weiter unten selbst Symbole zuordnest, für mich ein Widerspruch. Viele Symbole die psychologisch zb in der Traumdeutung Anwendung findet, ist stets an einer Person und die Ereignisse des vorangegangenen Tages  und seiner Biografie verknüpft und können nicht nur einer Bedeutung zugeordnet werden.

LG Ferich

Offline

#13 2011-01-12 18:15:26

Ferich
Forenmitglied
Registriert: 2010-05-29
Beiträge: 433

Re: Über Kunst und Kommunikation

Lieber Arte60,
danke, dass Sie uns Einblick gewähren in einem Milieu, wo viele Menschen,  und ich selbst mit eingeschlossen, nicht Zuhause sind.
Und sicher haben Sie vollkommen Recht mit der Anerkennung der Familie und Freunden sowie Bekannten, dass dabei wohl auch die Zuneigung eine große Rolle spielt. Aber auch das Interesse an Kunst der o. g. Angehörigen überhaupt, spielt mit eine wesentliche Rolle.
Eine Weiterentwicklung sehe ich unabhängig davon, denn mit der Reife eines Menschen werden doch die Ansprüche, die Sichtweisen, die Perspektiven und das Verhalten auch geformt und verändert, die nicht gebunden sind an das künstlerische Schaffen. Was Sie wohlweislich schreiben, gehört doch immer zum Leben dazu, zu lernen mit Enttäuschung umzugehen, zu lernen der verlässlichste Partner ist man meist  selbst etc. pp. Dass bezieht sich doch nicht ausschließlich auf die Kunst und dem Künstler, wer ehrlich zu sich selbst ist, und sich selbst reflektieren kann, entwickelt sich und betrachtet sein Umfeld aus ganz unterschiedlichen Blickwinkel.
Ja, die Anerkennung spielt bei unsicheren weniger selbstbewussten Menschen eine entscheidende Rolle, was psychologisch beinahe jeder Laie weiß.
Die Geschichte mit dem Rechtsanwalt zeigt doch genau worauf es uns allen ankommt, nicht vergessen zu werden, in guter Erinnerung zu bleiben, sei es mit einem Bild oder einer anderen persönlichen Eigenschaft, das zeigt Anerkennung die uns von anderen abhebt. Wir wollen dazu gehören als soziales Wesen, wollen aber dennoch heraus stechen, und dabei ist es egal womit,  ob mit sportlichen Leistungen oder Musik oder  als bildender Künstler mit einem Gemälde. Wir wollen die Geschichte mitschreiben, ein Bild ist natürlich ein gutes Indiz von unserer Existenz, Kinder und Enkelkinder erfüllen natürlich u.a.  auch diesen Zweck, aber dies hebt uns nicht von der Masse ab.
Und sicher sind verschiedene Faktoren mitentscheidend ob ich ein Bild verkaufe oder nicht, dennoch gerade als studierte Künstler wird man beeinflusst, von den Mentoren, Professoren  oder der Geschichtsschreibung, einen Trend kann man unbewusst nacheifern, vielleicht nicht in allen Facetten, aber dann und wann und hier und dort und nicht jeder – aber dennoch.

LG Ferich

Offline

#14 2011-01-12 19:41:27

niwatoriah
Gast

Re: Über Kunst und Kommunikation

Nach der Erleucthung ist vor der Erleuchtung

Es ist nach all dem Hick-Hack ein merkwürdiges Gefühl, so zu kommunizieren. Aus´m Frizzantino ist die Kohlensäure raus. Naja, das ist schwerzhaft gemeint. Aber eine offene Kommunikation ist schwieriger, als ein Schlagabtausch.

Um zwei Begriffe ging´s hier genauer, um Anerkennung und Symbole.

Zunächst heißt das Bild nicht Akt, sondern Love = Liebe. Für mich gibt es einen von der Liebe losgelösten "Akt" nicht. Es war die Liebe. Und es ist diese Verbindung von Seele und Körper, wovon alle träumen, oder nicht? Und dafür ne Metapher, jetzt mal etwas albern ne Blüte und ne Biene oder zwei verhakelte Finger etc. trifft aus meiner Sicht diesen Zustand nicht. Merkwürdigerweise habe ich gerade heute auf facebook ein Bild gesehen, was das vollendet verkörpert, was ich darstellen wollte. Da war ich platt, denn es ist so wunderschön! http://www.facebook.com/#!/photo.php?fb … 0606899370 Ob ich es auch mit solcher Rührung gesehen hätte, wenn ich nicht selbst versucht hätte, dergleichen auszudrücken, weiß ich nicht.

Im Grunde genommen ist das System der Sprache auch eine Art von Symbolsammlung. Eine, die gemeinhin in ihrer Bedeutung geteilt wird.  Es gibt eine linguistische Forschung, die den Grad geistiger Verwirrung am Grad der Abweichung der Wortbedeutungen von der Standardbedeutung misst. Insofern können wir gar nicht ohne Symbole kommunizieren. Und gewisse Bedeutungen sind über Märchen, Sagen etc. verbreitet. Dazu zähle ich die von mir in "Erleuchtung" gesehenen. Und Bedeutungen kommen vielleicht daher, dass ich mich mit Tarot und I-Ging befasst habe.

Bei aller Analyse würde mich nun aber auch interessieren, wie die Bilder dich persönlich berühren.

Mit der Anerkennung ist es ein zweischneidiges Schwert. Am wichtigsten ist wohl die eigene Selbstanerkennung. Und die bedeutet für mich, mich selbst voll und ganz zu akzeptieren. Diese Übung ist für mich nicht einfach, aber ergibt sich notgedrungen aus meinem Anfang mit der Malerei. Die beschäftigung damit hat für mich diese Frage und ihre Bedeutung "sichtbar" gemnacht. Wenn ich mich anerkenne, dann tun es auch die anderen. Ich habe das viele Jahre lang gelesen, aber nicht gewusst, wie das geht. Durch das Malen stand ich bei jedem Bild vor der Frage, ob ich das nach den ersten Fehlern wegwerfen soll, oder es zuende machen. Für "Love" habe ich einige Anläufe gemacht, bis ich diese hingehauene Version für am geeignetsten hielt. Natürlich, wenn man meine version mit dem vollendeten Kunstwerk vergleicht, dann klafft eine Lücke. Andererseits, wenn ich mich an derlei messe, müsste ich aufgeben. Also muss ich mich an mir selbst messen. Und von daher gesehen hätte ich vor einiger Zeit überhaupt nicht geglaubt, dass ich etwas derartiges ausdrücken kann.

Die Anerkennung von außen als primären Antrieb zu nutzen, ist ein Fehlweg, das würde ich zumindest für mein Leben behaupten. Anerkennung von außen ist in der Regel an den Vorlieben und Interessen der anderen orientiert. Insofern zieht sie einen von sich selbst ab. Insofern stimme ich Arte60 zu, dass ein auf Effekt gerichtetes Verhalten nicht dauerhaft trägt, weshalb ja auch Menschen wie Michael Jackson, Roy Black etc. irgendwann zerbrechen.

Selbst die Auseinandersetzungen hier im Forum haben mir bei der Erkenntnisgewinnung geholfen. In einer weise war´s für mich "Der Gesang der Jünglinge im Feuerofen". Deshalb bin ich froh über diese Erfahrung und hoffe, dass andere damit auch etwas anfangen können.

LG Andreas

#15 2011-01-12 22:08:45

arte60
Forenmitglied
Registriert: 2006-12-30
Beiträge: 91

Re: Über Kunst und Kommunikation

Also, in meinem Fall und da bin ich sicherlich nicht der Einzige, gab es seitens meines Elternhauses keinerlei Unterstützung in meiner Kunsttätigkeit und das hat sich bis heute auch nicht großartig geändert. Ich stamme aus einfachen Verhältnissen und ein wirkliches Interesse an der Kunst war nicht vorhanden, wie generell auch in meinem Umfeld in dem ich aufwuchs. Ganz im Gegenteil wurde in diesem Umfeld Kunst als etwas Überflüssiges angesehen und meine Kreativität wurde eher belächelt als gefördert. Im nachhinein sehe ich das auch nicht negativ, den mein kreatives Potenzial hat sich vielleicht auch gerade wegen dieser Umstände stetig weiterentwickelt.
Natürlich entwickelt man sich aus den verschiedensten Erfahrungen und Erlebnissen weiter, aber für mich war dabei die Kunst immer der notwendige Grundstein und auch meine feste Burg in die ich mich bei allen erlebten Enttäuschungen zurückziehen konnte. Grundstein auch deshalb, weil ich über die Beschäftigung mit der Kunst eine ganz eigene Welt kennen gelernt hatte, die auch eine unbegrenzte Neugierde nach vielen Themen, die so direkt mit der Kunst nichts zu tun hatten, erweckte.
Heute, nach vielen Jahren künstlerischer Tätigkeit und auch Lehre sehe ich mich als privilegierter Mensch, denn obwohl es viele Verirrungen und Hindernisse gab, habe ich mich letztendlich mit meiner Tätigkeit durchgesetzt.
Natürlich ist das nicht vergessen werden oder die Erinnerung eine der größten Anerkennungen die man für seine Arbeiten bekommen kann. Allerdings habe ich auch viele Bilder verkauft, von denen ich heute nicht einmal mehr weiß, wo sie sind und wer sie besitzt. Man zeugt mit dem Malen von Bildern kleine Kinder, aber irgendwann werden sie dann flügge und man muss sie gehen lassen. Meine Einstellung zu meinen eigenen Bildern ist dahingehend auch anders als viele meinen. Grundsätzlich habe ich mit dem Verkauf meiner Arbeiten keine Probleme, weil mich die Bilder die sich im Entstehungsprozess befinden viel mehr interessieren, als ein Bild das ich vor Monaten gemalt habe. Es wundert mich eigentlich mehr, wenn einige Sammler meiner Arbeiten immer wieder etwas dazu kaufen und ich mir manchmal denke „haben die nicht irgendwann mal genug?“
Für mich persönlich ist es ein erheblicher Unterschied, ob man durch seine Arbeiten aus der Masse hervorsticht oder durch sein persönliches Auftreten und da gibt es nach meinen Erfahrungen oft eine unglaubliche Diskrepanz. Aber das muss letztendlich jeder vor sich selbst verantworten, nur ist es für mich aus der Erfahrung heraus einfach diese Diskrepanz zu durchschauen. Zudem zeigt die Geschichte unzählige Beispiele von Personen auf, die mit diesem Problem sang und klanglos untergegangen sind. Eigentlich ist es für mich auch völlig unverständlich wie es zu dieser Diskrepanz kommt, den jeder sollte doch bestrebt sein im Einklang mit sich Selbst zu leben.
Mein Eigensinn wie auch den von vielen mir bekannten Kollegen lassen eine Fremdbeeinflussung auf die eigenen Arbeiten nicht zu. Gerade in der Studienzeit lernt man, das es letztendlich nur einen Weg in der Kunst geben kann und zwar den individuellen. Deshalb gibt es für mich in der Kunst auch nicht den Trend, sondern eine individuelle Auslegung einer Thematik. Dadurch macht sich der persönliche Stil bemerkbar und unverwechselbar. Sehe ich mir z.b. die Arbeiten von Pavel an, bemerke ich nicht nur seine Maltechnik, sondern seinen ihm ureigenen Malstil. Deshalb kann ich die Bilder als von Pavel gemalte jederzeit und überall wieder erkennen.
Ich weiß auch nicht wie Sie sich ein Kunststudium vorstellen, aber wenn Sie daran interessiert sind, kann ich ihnen davon gerne erzählen, aus Studentensicht wie auch aus Lehrersicht.
Im übrigen habe ich mich gefreut das doch offensichtlich nach einer längeren Phase des Grabenkampfes eine Kommunikation möglich ist!
MfG

Offline

#16 2011-01-13 15:53:57

Ferich
Forenmitglied
Registriert: 2010-05-29
Beiträge: 433

Re: Über Kunst und Kommunikation

Guten Tag die Herren,

nicht Love sondern Liebe, Liebe ist ein Zustand, eine Verbindung von Körper und Geist, ist zwar sehr nett, aber die Wirklichkeit sieht meist gar nicht danach aus, und sicher es gibt Ausnahmen, das will ich nicht bestreiten. Ich bin nicht romantisch und kann mit dem o. g. Bild so gar nichts anfangen. Natürlich sind Begriffe auch Symbole, aber nicht aus unseren Kindertagen  wie die Bildsprache ist auch etymologisch viel älter ist, wenn man von den Höllenzeichnungen ausgeht und dazu braucht es nicht einmal eine gemeinsame Sprache, weil Symbole historisch gesehen sich sehr angleichen. Natürlich weil unsere Welt immer komplexer und diffiziler wird, klaffen die Symbole immer weiter auseinander, obgleich das Internet eine Ausnahme darstellt, dort ist global gesehen wieder ein Angleichung passiert.

Welche Hintergründen in den Märchen und Sagen stecken ist oftmals nicht eindeutig oder wird gar nicht (be) erkannt. Vor einiger Zeit sind die Hintergründe und die Entstehung einiger Märchen in Phönix gezeigt worden, da war das Mädchen vom Sternentaler, ein Mädchen welches in ein Kloster eintrat und so ihren Reichtum symbolisch mit den Sternentalern aus ihrem Glauben zu Gott erfahren hatte. Sozusagen alles Gute kommt von oben. Dennoch bin ich nicht gläubig, deswegen kann ich mit deinen Bildern kaum etwas anfangen, weil es eine Weltsicht ist, die ich persönlich nicht teilen kann.   

Ich selbst kenne mich sehr gut und bin mir nahe und für mich zählen oberflächliche Dinge nicht. Ja, genau ich vergleiche auch meine Bilder nicht mit anderen Bildern, weil meine Bilder überwiegend meine ganz persönliche Geschichte erzählen, würde ich anders malen, würde ich mich verbiegen, dies tat ich zu oft. Und ich weiß meine Bilder zeigen nicht nur das Schöne, sondern deuten auch auf das Hässliche, aber genauso wird es gemacht, das Hässliche soll versteckt werden. Auch brauche ich keine negativen Erfahrungen mehr um zu reifen, mein falsches Selbst zu verarbeiten und noch mehr innerliche Freiheit zu erlangen, dabei hilft mir meine Kreativität, mehr Ansprüche habe ich im Moment nicht.

Aus meiner Biografie heraus war es schwer zu überleben und die letzten Jahre habe ich darum noch gekämpft. Und denke jeder hat sein Päckchen zu tragen, aus seiner eigenen Geschichte, manche gehen gestärkt daraus hervor und finden ihren Weg. Mich hat leider persönlich stärker getroffen und dennoch bin ich oftmals sehr zufrieden mit meinen Leben, es kommt eben immer auf Perspektive an. Ja, die Metapher gefällt mir, die Bilder als seine Kinder zu betrachten, die flügge werden, bleiben sie doch ein Teil von uns. Ich glaube mit den Sammlern von Bildern ist es wie mit Büchern, man kann eigentlich nie genug haben.

denn jeder sollte doch bestrebt sein im Einklang mit sich Selbst zu leben.

nur ist es vielen leider nicht möglich, sie leben und leiden und wissen nicht warum und woher diese ständigen Unebenheiten kommen. Viele Menschen schleppen einfach so viel Ballast aus Kindertagen mit sich rum, und leiden noch heute unter den Traumatischen Erinnerungen oder Verdrängungen.
Sicher haben viele Künstler einen eigenen Stil und damit Erkennungswert, aber sicher werden auch diese durch Vorbilder und Strömungen beeinflusst, vielleicht nicht wenn man sesshaft geworden ist in der Kunst, aber gerade als Student oder in der Selbstfindung. Wir sind doch unsere Erfahrungen, die kann man doch nicht ablegen, wie ein altes Kleid.

Na, Kunst wird doch an eine Kunsthochschule gelehrt oder nicht? Ich kann mir da schon einiges vorstellen, da werden verschiedene Kunstepochen und Stilrichtungen gelehrt und auch die Materialien werden ausprobiert und experimentiert  etc. Ich habe zwar nicht selbst studiert, habe aber dennoch eine Diplomarbeit geschrieben, also bin ich eine „Diploma“ inkognito. Aber trotzdem würde mich ihre Ausführungen über ein Kunststudium interessieren, hätte ich die Wahl gehabt im Leben, ich hätte eher Soziologie studiert, das nur nebenbei.

Ich finde die Unterhaltung sehr angenehm und auch nur nebenbei erwähnt, lernen macht mir sehr gro0en Spaß, mein Schwiegersohn meinte letztens dies sei doch nicht normal. Tja, was ist normal?

Liebe Grüße Ferich

Offline

#17 2011-01-15 21:24:09

arte60
Forenmitglied
Registriert: 2006-12-30
Beiträge: 91

Re: Über Kunst und Kommunikation

Hallo Frau Ferich,
als ich gestern Ihre Antwort las, musste ich unwillkürlich lächeln, da ich anfänglich auch glaubte das auf der Kunstakademie Grundlagen vermittelt werden. Die Realität sieht aber leider oft anders aus. Ausgelöst durch die 68er Studentenrevolution und ihren nachfolgenden vielfältigen Studienreformen wurden die Lehrstellen der Grundlagenlehre allmählich auf allen Kunstakademien wegrationalisiert. Als ich Mitte der 80iger, nach einem einjährigen Studium der Philosophie und Psychologie (eine absurde Fächerkombination, deshalb gefiel sie mir) angefangen habe freie Kunst zu studieren, gab es zwar Professoren die selbst Künstler waren, aber keinen der spezialisiert auf diesen Fachgebieten war. Das bedeutete in der Regel das man sich die Grundkenntnisse in der Malerei, wenn man daran interessiert war, sich selbst beibringen musste oder auf Studenten zurückgriff die genügend Erfahrungen hatten. Glücklicherweise war ich zum Zeitpunkt meines Studiums durch Selbststudium und Erfahrung, in diesen Themen so weit bewandert das ich anderen Studenten Hilfestellung bieten konnte.
Jede Kunstuni hat ihren bestimmten Ruf, der natürlich hauptsächlich durch die berufenen Kunstprofessoren begründet wird. Hier liegt auch oft das Problem, weil viele von den auserwählten Professoren in ihrer eigenen Arbeit sicherlich arriviert sind, aber darüber hinaus oft keine Erfahrungen haben. Ich habe selbst erlebt das auf eine Stelle für freies Zeichnen eine Professorin berufen wurde, die in ihrem gesamten Oeuvre keine einzige Zeichnung aufweisen konnte. Also, oft werden die Berufungen nach Bekanntheitsgrad ausgesucht, ohne zu berücksichtigen ob derjenige überhaupt Fähigkeiten vermitteln kann, ganz zu schweigen von pädagogischen Kenntnissen. Das läuft natürlich auch parallel mit der gesellschaftlichen Entwicklung, in der es immer mehr Fachidioten gibt und diejenigen mit fundierten Grundkenntnissen immer seltener werden. So ist natürlich ein Prof der sich selber nur mit Videoart beschäftigt überfordert, wenn es um Malerei geht und es sind gerade diese Profs, die ihre eigene Unkenntnis damit verteidigen, in dem sie die Malerei für überflüssig erklären.
Schon Max Dörner, Begründer des Max Dörner Institutes hat diese Entwicklung Zeit seines Lebens beklagt. Somit gab es zu meiner Zeit keine Grundlagenvermittlung und erst Jahre später wurde das Grundstudium eingeführt, das als Orientierungshilfe für die Studenten gedacht ist, aber wo sich oft durch die Berufung der falschen Lehrkräfte wiederum das gleiche Problem ergibt.
Als frischer Kunststudent fängt man dann an sich einen Prof zu suchen in dessen Atelierräumen man arbeiten kann. Jeder Prof bekommt bei seiner Anstellung einige Ateliers zugewiesen und es obliegt seiner Entscheidung welche Studenten er in seinen Ateliers arbeiten lässt. Danach ist es dem Studierenden freigestellt wie er sein Studium gestaltet, da es im freien Kunststudium keine Auflagen gibt die der Studierende erfüllen muss. Es gibt natürlich Angebote seitens der Uni aber keine Verpflichtung zur Teilnahme. Bei meiner Uni gab es wenigstens zahlreiche Werkstattkurse, aber mit langen Wartelisten, die ich nach und alle absolviert hatte, auch wenn sie mit Malerei überhaupt nichts zu tun hatten. Wollte man etwas über Kunstgeschichte erfahren so stand einem die Kunstgeschichtsfakultät mit ihren Vorlesungen und Seminaren zur Verfügung. Natürlich hatte die überwiegende Anzahl der Kunststudenten Schwierigkeiten mit dieser absoluten Freiheit und wer nicht aus sich selbst heraus aktiv wurde, verschwand mit der Zeit. Es ist eine Art natürliche Auslese und wer es nicht gewöhnt ist aus eigenem Antrieb kreativ zu werden, hat nach meiner Meinung in der Kunst auch nichts verloren. Aus diesem Grund kann ich ein Kunststudium auch nur dem empfehlen der schon einige Erfahrungen im Leben gesammelt hat oder über eine Berufsausbildung verfügt.
Hat man dann die Regelstudienzeit hinter sich, steht die Abschlussprüfung an, die auch kein großes Hindernis darstellt und bei der sich viele zum ersten Mal in ihrem Studium richtig ins Zeug legen.
Das erworbene Zertifikat kann man dann getrost in der Schublade verschwinden lassen, da man es nie wieder braucht. Ein weiteres Problem der Kunstuni ist, das die meisten wie in einem Elfenbeinturm vor sich hin vegetieren und den Blick für die Realität völlig verlieren. So werden die meisten die Kunstuni verlassen ohne die geringste Idee zu haben wie man sich im realen Leben mit seinen Arbeiten durchsetzen kann, da in der Uni eine Führung zum Leben außerhalb des Unibetriebes völlig fehlt.   
Ich selbst kann mich eigentlich über meine Studienzeit nicht beschweren, da ich von Anfang an wusste was ich wollte und ich habe die Zeit sinnvoll genutzt, um mir z.b. einen Grundstock von Bildern aufzubauen oder schon während des Studiums meine ersten Ausstellungen außerhalb zu organisieren.
Später als ich dann selbst einige Seminare gegeben habe, wurden mir die Missstände der Kunstunis mehr bewusst und hätte ich mehr Zeit würde ich mich in dieser Hinsicht auch mehr engagieren.
MfG

Offline

#18 2011-01-16 16:39:19

Ferich
Forenmitglied
Registriert: 2010-05-29
Beiträge: 433

Re: Über Kunst und Kommunikation

Lieber Herr Arte60,

wie ich Ihrem Schreiben entnehme, ist ein Kunststudium nicht unbedingt notwendig oder erstrebenswert. Oder ziehe ich jetzt ein falsches Resümee? Dennoch vielleicht liegt der Unterschied darin, dass an einer Kunsthochschule anders gearbeitet wird, eventuell mehr gefordert wird, wobei die Aufnahme an so einer Schule mehr einer Lotterie ähnelt. Die Missstrände gerade was die Realitätsferne betrifft, liegen nicht nur bei Kunststudenten vor, sondern  scheinen vielerorts u. a. auch in der Politik beheimatet zu sein. Und pädagogische Unkenntnisse oder Missverständnisse habe ich schon bei unterschiedlichen Lehrkräften bemerkt, die wahrscheinlich die Ferienzeiten als Berufung ansahen und nicht die Berufung Kindern  etwas zu Lehren und diese zu fördern und zu fordern. Auch denke ich, dass unser Hang zum Bürokratismus jede Erneuerung erschwert (das Wort Reform gefällt mir nicht, weil es auf etwas Zurückweist, wohin zurück, vielleicht. zu den Zuständen der Armut des Proletariats während des 19.Jahrhunderts?). Ja, Fachidioten da kann ich Ihnen nur zustimmen, kennen Sie eventuell das Peter Prinzip, wenn nicht bemühen Sie Wikipedia oder hier wird es anschaulich dargestellt;
http://www.myvideo.de/watch/6564143/Das … Unfaehigen

Unter diesen Umständen, die Sie hier geschildert haben, ist doch die Armut vieler Künstlern Hausgemacht und ich glaube auch, dass der Markt übersättigt ist, und dies schon länger und nicht nur in der Malerei. Gerade weil der Markt sich immer mehr Global orientiert und öffnet, kann es langfristig nicht alle zum Lebensunterhalt reichen, weil m. E. das Angebot größer ist als die Nachfrage. Und wer sich einen Platz geschaffen hat, wird diesen natürlich verteidigen und da sehe ich nun doch wieder die Kunst in der Fessel der Ökonomie (eventuell nicht bei Künstlern die in der Branche sehr bekannt sind). Denn auch Sammler sind irgendwann satt oder sterben aus oder nicht?

Ich persönlich möchte über die Kunst mehr Wissen, nicht wegen meiner Malerei da sehe ich meine Grenzen. sehr realistisch. Sondern weil ich Kunst sehr  mag, auch Skulpturen liebe ich, aber ich bin in diesen Bereichen unwissend wie ein Säugling. Es interessieren mich einfach zu viele Dinge gleichzeitig, sogar in der Literatur verfranze ich mich ab und an und lese quer und stets mehrere Bücher nebeneinander. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, aber ich habe eine Menge aufzuholen, was wahrscheinlich gar nicht möglich ist. Deswegen finde ich Ihre Ausführungen sehr interessant und natürlich bin ich auch neugierig was sie malen. Vielleicht können Sie sich dazu hinreißen lassen, mir per Mail einen Hinweis zu geben. Ansonsten würde ich mich über mehr Details Ihrer Erfahrungen/Perspektive auch hinter den Kulissen erfreuen, auch wenn ich dazu weniger beitragen kann.
Für den bisherigen Einblick lieben Dank

Mit freundlichen Grüßen Frau Ferich big_smile

Offline

#19 2011-01-17 14:16:01

arte60
Forenmitglied
Registriert: 2006-12-30
Beiträge: 91

Re: Über Kunst und Kommunikation

Frau Ferich,
schwierige Frage und es gibt zu dieser Frage keine pauschale Antwort. Unbedingt notwendig ist ein Kunststudium sicherlich nicht, aber es kann hilfreich sein wenn man sich darüber klar ist, was einen erwartet und was man selber erreichen will. Man muss auch die Vorteile sehen, wie z.b. ein finanziell abgesicherter Zeitraum, in dem in Ruhe für sich arbeiten kann und bewältigt man die Abschlussprüfung mit Auszeichnung wird einem sogar die Hälfte der Zurückzahlung des BAföGs erlassen, eine umfangreiche Bibliothek die leider von den Kunststudenten oft zu wenig genutzt wird, ein reger verbaler Austausch zwischen den verschiedenen Disziplinen wie z.b. mit den Kunstgeschichtlern, den man allerdings selber beginnen muss, bis hin zu geregelten Mahlzeiten!

Geht man geschickt vor, wird die Aufnahmeprüfung auch nicht unbedingt ein Lotteriespiel. Man sollte nicht vergessen das sich eine Unmenge von Leuten jedes Jahr bewerben (bei meiner waren es z.b. über 300) und da ist die Jury oft einfach überfordert. Wer da nicht schon im Vorfeld sich mit einigen Jurorenmitgliedern bekannt gemacht hat, fällt leicht aus der Auswahl heraus. Ich empfinde es eher als normal, das man vor der Bewerbung sich in der jeweiligen Kunstuni umschaut, seine Arbeiten einigen Kunstprofs zeigt, um einfach zu wissen ob diese Uni wirklich die Möglichkeiten bietet, die ich in diesem Moment für meine Arbeiten brauche. Darüber hinaus sind natürlich die eigenen Arbeiten ein wesentlicher Faktor, die entweder Interesse erzeugen oder aber in der Masse untergehen.

Das Peter-Prinzip war mir bekannt, aber das Video dazu noch nicht und ich fands klasse. Leider ist es in der Realität oft genau so und nicht nur auf Deutschland bezogen. Dazu kommt meist noch ein weiteres Prinzip. Gibt es z.b. in einem Arbeitsteam einen unausstehlichen Festangestellten, den man unbedingt loswerden will, bleibt oft nur als Ausweg die Beförderung um ihn los zu werden.

Zur Armut des Künstlers gibt es mehrere Ansichten und viele Denkansätze. Ich beziehe mich hier nur auf einen, sonst würde das ganze ausufern. Im einem „normalen“ Berufszweig fängt man nach der Ausbildung an sich zu bewerben, man fängt an zu arbeiten und wenn man Glück hat wird man von Zeit zu Zeit befördert, aber man wird währenddessen immer bezahlt. Als Künstler steht man nach der Ausbildung im wahrsten Sinn auf der Strasse. Hat man während der Studienzeit genügend eigenen Werke hergestellt kann man sich nun bewerben, z.b. Stipendien, Ausstellungsausschreibungen etc. aber man verfügt über kein eigenes reguläres Einkommen, während die Bewerbungen immer viel Zeit beanspruchen. Dazu kommt, das man viele Dinge lösen muss wie z.b. Standortsuche, Ateliersuche usw. Des weiteren muss man Kontakte knüpfen, sich sehen lassen, auf Kunstmessen gehen, sich auf Galeriesuche begeben und gleichzeitig braucht man auch noch Zeit, an seinem Werk weiter zu arbeiten. Hat man keine reichen Eltern zwingt einen die finanzielle Not zu einem Nebenjob, der natürlich Zeit kostet die an anderer Stelle wieder verloren geht. Wer das Ganze dann über 10 oder 20 Jahre durchhält, ohne in andere Berufzweige zu verschwinden, hat tatsächlich eine reelle Chance von seiner Kunst zu leben. Ich sehe diesen Prozess auch als natürliche Auslese und es gibt dazu keine wirkliche Alternative, wie es auch das Desaster des holländische Models sehr schön aufzeigt, die eine stattliche Unterstützung der Künstler ins Leben rufen wollten.
Diese normale Entwicklung in der Kunst fordert eine Persönlichkeit die über viele Jahre hinweg folgende Eigenschaften aufweist: Organisationstalent, Verzicht auf Familie und deren Verantwortlichkeiten, kommunikationsfähig, stringent, arbeitswütig usw.
Da dieses Leben ein unglaubliches Durchhaltevermögen bedingt, ist es nicht erstaunlich, das viele nach einiger Zeit der Entbehrungen sich für andere Berufszweige entscheiden, den die Verlockungen unserer Konsumgesellschaft sind vielfältig.
Kann man sich dann einigermaßen von seiner Kunst über Wasser halten, bedeutet das noch lange nicht das man sich nun ausruhen kann. Verkauft man Arbeiten bedeutet das nicht automatisch das man finanziell abgesichert ist, den vielleicht verkauft man über drei Monate recht gut und danach mehrere Monate überhaupt nicht, während die Kosten die man bestreiten muss jeden Monat anstehen.
An diese wie auch andere Unsicherheiten gilt es sich zu gewöhnen und während andere friedlich ihre Rente beziehen, fällt man selbst noch mit dem Pinsel in der Hand direkt ins Grab.

Wenn es Sie wirklich interessiert wie ich arbeite, lassen Sie mich Ihre E-Mail Adresse wissen und ich kann Ihnen eine Präsentation meiner Arbeiten zusenden. Leider ist Sie in spanischer Sprache aber wenn Sie Fragen zu einzelnen Werken haben, werde ich sie sicherlich auf deutsch beantworten.
MfG

Offline

#20 2011-01-17 18:21:16

Osian
Forenmitglied
Registriert: 2010-05-29
Beiträge: 119

Re: Über Kunst und Kommunikation

arte60 schrieb:

Frau Ferich,
schwierige Frage und es gibt zu dieser Frage keine pauschale Antwort. Unbedingt notwendig ist ein Kunststudium sicherlich nicht, aber es kann hilfreich sein [...] umfangreiche Bibliothek die leider von den Kunststudenten oft zu wenig genutzt wird, ein reger verbaler Austausch zwischen den verschiedenen Disziplinen wie z.b. mit den Kunstgeschichtlern, den man allerdings selber beginnen muss, bis hin zu geregelten Mahlzeiten!

nützlich ist es in jedem Fall für die Vita, die Preisgestaltung und als Türöffner, mit Netzwerken  von  Uni und Galerien. Sehr verehrter Herr arte60, Sie sprechen hier in der Tat ein soziales Manko an, wenn sie auf den Austausch zwischen Kunststudenten und KuHis. hinweisen, den gibt leider fast nur in der Idealvorstellung. Es fängt doch schon damit an, dass sich Künstler durch die Anrede "Sie" in Foren von "der Masse" (nämlich wir) distanzieren, KuHis sind da unkomplitzierter, die passen sich der üblichen Handhabung gern an.

Diese normale Entwicklung in der Kunst fordert eine Persönlichkeit die über viele Jahre hinweg folgende Eigenschaften aufweist: Organisationstalent, Verzicht auf Familie und deren Verantwortlichkeiten, kommunikationsfähig, stringent, arbeitswütig usw.
[...]
An diese wie auch andere Unsicherheiten gilt es sich zu gewöhnen und während andere friedlich ihre Rente beziehen, fällt man selbst noch mit dem Pinsel in der Hand direkt ins Grab.

das ist mir ein wenig zu viel an Sozialromantik, in anderen Berufen muss auch hart gearbeitet werden, dass Künstler auf eine Familie verzichten müssen ist übrigens praxisfern - und auch nicht erforderlich, im Gegenteil so eine gut betuchte Gattin kann den genialen Künstler von seinen Alltagssorgen entlasten.
Der letzte Satz im Zitat liegt mir besonders am Herzen, weil das Thema Gesundheit in die Künstlerromantik nicht so recht passt: schön wäre es, wenn der Künstler arbeiten könnte bis ihm "der Pinsel aus der Hand fällt". Künstler, wenn sie denn nicht nicht-ausführende-Konzeptkünstler sind, sind in ihrem Beruf vielfältigen Chemikalien ausgesetzt. Längst nicht alle Künstler sind im Alter noch gesundheitlich so fit, um arbeiten zu können, ein Künstler ist auch wie ein Handwerker körperlichen Abnutzungen unterworfen.

Beste Grüße
Osian

Offline

Fußzeile des Forums

 
Artring.com | Artring.de