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#1 2009-11-02 00:34:09

der gebenedeite
Forenmitglied
Registriert: 2009-10-14
Beiträge: 311

Amateure oder Profis

Hallo Leute,
Auf Anregung von Meierhelmbrecht möchte ich eine kleine Diskussionsrunde anstossen.
Das Thema lautet: Warum sind in den Foren nur Profis oder Hobbymaler, nie beide Gruppen?
Ich kenne dieses und einige andere Foren für Hobbymaler und obwohl es nirgends
explizit steht, dass die Foren nur für professionelle Künstler oder nur für Hobbymaler
sind, gewinnen die Hobbykünstler bald die Oberhand und die Profis ziehen sich zurück.

Zwar gibt es bestimmt auch Foren für professionelle Künstler, (die kontaktiere ich nicht,
ich kenne meine Grenzen wink) aber praktisch keine gemischten Treffpunkte.

Scheinbar fühlen sich die "echten" Künstler pikiert durch unseren Dilletantismus (langweilige Themen?) ...
(schade sad) - ich war schon in einigen Kunstclubs und kann nur sagen, dass man gerade als
Freizeitkünstlern sehr viel von den Profis lernen kann.


Arche hemisy pantos

Offline

#2 2009-11-09 00:41:52

Sabine J.
Gast

Re: Amateure oder Profis

Ich bin kein Hobbykuenstler und habe/hatte viel Anregung und Spass mit Amateuren - es ist sowieso nicht sehr einfach, eine strenge Linie zu ziehen( wenn man davon absieht, wieviel Zeit und Aufwand der Beginn erforderte und sich der groesste Teil eines Tages im Atelier abspielt. In der Realitaet haben viele von uns einen "day - job" nach wie vor koennen die wenigsten Kuenstler von ihrer Kunst leben.
Fuer mich gibt es nur gute oder schlechte Bilder -

#3 2009-11-12 01:58:11

der gebenedeite
Forenmitglied
Registriert: 2009-10-14
Beiträge: 311

Re: Amateure oder Profis

Du machst mich ganz neugierig auf deine Bilder. smile
Stell mal was von dir ins Forum.

Zu dem leidigen Problem der "brotlosen Kunst":
Das ist mir leider hinlänglich bekannt. Von den Künstlervereinigungen
in denen ich bis jetzt war, habe ich mitbekommen wie zahllose hervorragende
Künstler sich mit Brotjobs rumgeschlagen haben ohne eine Chance in die
Liga der professionellen (sprich: hauptberuflichen) Künstler vorzudringen.

Networking (das geht nur in einer größeren Stadt) und Originalität sind sicherlich Grundvoraussetzungen
(das einsame Kunstgenie gibts nur in der Penälerphantasie) aber am wichtigesten sind
Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen.

Die paar handverlesenen Künstler die es letztlich geschaft haben von ihrer Kunst zu leben, hatten einen
langsamen Abnabelungsprozess vom klassischen Erwerbsleben hinter sich. Viele arbeiten noch
nebenbei als Kunsterzieher oder geben Malkurse, aber es ist schon sehr schwer...(wem sag ich das)


Arche hemisy pantos

Offline

#4 2009-11-14 18:21:17

meierhelmbrecht
Gast

Re: Amateure oder Profis

Hallo! Nur durch Zufall lese ich eben diesen Thread(man entschuldige den modernen Ausdruck, mir fiel nichts besseres ein). Habe ich tatsächlich eine Diskussion zwischen Sonntagsmalern und Profis angeregt? Na, egal, ich kann mir vorstellen, die Alltagsprobleme´von Vollberuflichen Künstlern sind andere als meine, vor allem habe ich regelmässig am 1. das Gehalt auf dem Konto.

Als durchschnittlich neugieriger Mensch, würde ich natürlich gern Geschichten aus dem Künstlerleben hören. Ich lege mal vor, ich erzähle Euch wie ich vom Laien zum Profi-EDV-Entwickler befördert wurde: Das kam so, weil ich als Laie in einem Internetforum die Hausaufgaben für Profiprogrammierer gemacht habe, mit der Malerei lässt sich das wohl kaum wiederholen, oder?

#5 2009-11-15 15:45:53

Sabine J.
Gast

Re: Amateure oder Profis

Beharrlichkeit und Durchhaltevermoegen mit dem Ziel, einmal ausschliesslich von der Kunst leben zu koennen? Es sind statistisch nur sehr wenige,die dieses Ziel erreichen.Und wenn, dann ist es oft auch nur ein temporaeres Glueck. Es ist tatsaechlich oftmals ein grosser Anteil pures Glueck. Nicht immer ist es die Begabung und besondere Qualitaet der Arbeit, die zum Erfolg fuehren.
Brotjobs haben nicht nur den Vorteil, ein berechenbares Einkommen zu garantieren, sie bescheren auch Eindruecke, die oftmals einen guten Einfluss haben. Der Kontakt zu Menschen, die mit der Materie nichts oder nur wenig zu tun haben, ist ebenfalls nicht zu unterschaetzen. Abgesehen davon, dass die Kunst durch die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, durch andere Arbeit weniger in Gefahr geraet,korrumpiert zu werden.
Eim Leben ohne Malerei kann ich mir nicht mehr vorstellen.Und es ist mir ziemlich egal geworden, ob ich mit meinen Arbeiten in die Kunstgeschichte eingehe oder nichr( da unterscheide ich mich nicht vom Hobbykuenstler)Hinzukommt, nach langjaehriger Erfahrung, sind die Kontakte mit Galerien, Presse Malerkollegen und manchmal auch sogenannter Fans oftmals muehsam zu ertragen und es ist  mir eine Erleichterung, von Zeit zur Zeit, den Malerkittel mit dem "Blaumann"auszutauschen.

#6 2009-11-16 00:40:49

der gebenedeite
Forenmitglied
Registriert: 2009-10-14
Beiträge: 311

Re: Amateure oder Profis

@Sabine
Zur Beharrlichkeit:
- ja du hast natürlich Recht: um ein berühmter, gefeierter Künstler zu werden,
wie es sich sicherlich jeder (sind wir mal ganz ehrlich) der schon einmal einen Pinsel in der Hand gehabt hat, heimlich
ausgemalt hat, braucht mal Glück.
Aber um von seiner Kunst leben zu können glaube ich, (ich bin Hobbykünstler und
habe keine persönliche Erfahrung darinn) dass Durchhaltevermögen und unbedingter Wille ausreichen.

Wie gesagt: nicht nur Durchhaltevermögen in Bezug auf die eigene Kunst, sondern auch die Bereitschaft
zu Networking, Werbung in eigener Sache, Risiken einzugehen, bei Bedarf den
Wohnsitz zu wechseln etc....(von der Malerei leben, heisst eben leider nicht nur malen)
Leider schliesst dass viele Menschen von vorherein aus, die vielleicht das Zeug zum hervoragenden Künstler hätten,
aber am Kunstmarkt nie eine Chance hätten (aber für die gibts ja Internetforen wink)

Spätestens wenn ich mir dass alles jetzt so ausmale, muss ich zugeben, dass das absolut nichts für mich wäre;
ich tauge wohl nicht zum Profikünstler.
Dafür kann ich in Ruhe malen und muss mir keine Sorgen machen ob meine nächste Ausstellung
meine überfällige Miete einbringt. (auch was die Korrumpierbarkeit angeht geb ich dir 100% Recht )



Zum semiprofessionellen Status und zur Qualität:
Viele Maler, Bildhauer etc.. definieren sich zwar zu Recht als Künstler wollen jedoch das Risiko minimieren,
in dem sie sich durch einen Brotberuf absichern. Dieser Idee gegenüber bin ich etwas im
Zweispalt. Einerseits halte ich das für sehr vernünftig und pragmatisch, andererseits denke ich, dass man ohne
den unbedingten Willen, der auch das Risiko späktakulären Scheiterns in sich birgt, nicht an seine Grenzen kommt.
(Wie gesagt für Angsthasen wie mich ist das nichts wink) Ausserdem glaube ich an die 10.000-Stunden Regel; ich weiss
nicht ob du schon einmal davon gehört hast, aber es gibt eine durch Untersuchungen (vor allem bei Musikern)
bestätigte Fausregel, dass man es nach ca. 10.000 Stunden üben, relativ unabhängig vom
Talent, zur Meisterschaft bringt.
(Ich will jetzt nicht auf der Zahl 10.000 bestehen, aber so etwas in der Größenordung wird es schon sein...)
Natürlich ist große Kunst immer noch keine Garantie für Erfolg (siehe oben)


Ein Vergleich:
Jeder durchschnittlich intelligente Mensch kann Wissenschaftler werden, wenn er das
Interesse und den Willen zu jahrelanger Arbeit aufbringt. Nobelpreisträger wird er dadurch natürlich nicht,
aber die Grundvoraussetzung für den Nobelpreis, ist dass er seine Arbeiten der Kritik
seiner Fachkollegen aussetzt, großes leistet, sich zumindest in Insiderkreisen einen Namen macht, und
natürlich auch Glück hat...
Der Vergleich hinkt natürlich, da sich naturwissenschaftlicher Leistung objektiv überprüfen lassen und
Kunst per Definition nicht; daher spielt bei der Kunst der Zufall eine ungleich größere Rolle.

Beitrag geändert von der gebenedeite (2009-11-16 00:43:11)


Arche hemisy pantos

Offline

#7 2009-11-16 00:48:00

der gebenedeite
Forenmitglied
Registriert: 2009-10-14
Beiträge: 311

Re: Amateure oder Profis

@meierhelbrecht
Jetzt bin ich aber wirklich neugierig.
Die EDV-Entwickler Sache wäre wirklich was für Off-Topic Forum.

Ich bin nämlich auch als Quereinsteiger in der EDV-Branche tätig...

Zur Kunst:
Ich glaube, da ist es noch viel schwieriger wirklich Fuß zu fassen (siehe Beitrag oben)


Arche hemisy pantos

Offline

#8 2009-11-16 15:24:41

Jakub
Forenmitglied
Registriert: 2009-10-20
Beiträge: 40

Re: Amateure oder Profis

Je planmäßiger ein Mensch vorgeht, desto wirksamer vermag ihn der Zufall zu treffen.
Friedrich Dürrenmatt

Offline

#9 2009-11-17 06:26:29

meierhelmbrecht
Gast

Re: Amateure oder Profis

ich verneige mich bis Erdboden vor jedem(bzw. Jeder), die nicht anders können und ihr Leben allein der Kunst weihen. Solange sie nicht rostigen Schrott zusammenschweissen und damit teilweise die schönsten Plätze der Welt verschandeln, jedenfalls.

Seitdem ich EDV-Profi bin mach ich für niemand mehr Hausaufgaben, die Piraten hab ich zum Teufel gejagt und widme mich nach einem langen Interregnum wieder den Bildenden Künsten. Weil mir Literatur liegt, wie Jakub sehr richtig beobachtet, mach ich jedes Jahr ein kleines Bilderbuch, das schützt mich indirekt auch vor anderem Piratentum, welches ja nicht nur in Computerprogrammen unterwegs ist.

Die Chinesen sind ausnahmsweise in der Malerei keine Gefahr, denn sie malen bekanntlich lieber "Chinesische Bildchen".

Was Kunst ist und warum Kunst notwendig ist - ein weites Feld, zum Glück kann ich inzwischen unterschiedliche Standpunkte akzeptieren. Im Grunde sollte es nach meiner Auffassung ein Mittel sein, eigene Gedanken für andere sichtbar zu machen, also zu materialisieren. Das sollte ein Laie genauso schaffen wie ein professioneller Künstler, wobei ein professioneller Künstler zusätzlich einen gesellschaftlichen Auftrag hat, er muss die Gedanken von ganzen Menschengruppen zusammenfassen. Genie aber ist gleichzeitig Können und Gefallen, arbeitet das Genie nicht zur Zufriedenheit der jeweiligen Massen, bekommt er kein Geld und muss arm dahinsiechen.

#10 2009-11-21 16:05:52

Sabine J.
Gast

Re: Amateure oder Profis

Zu dem Zeitpunkt, an dem viele sich entscheiden, die Malerei zu ihrem Lebensmittelpunkt zu machen, sind viele noch sehr jung und unerfahren. Wieviel Kenntnis hat man dann schon von der Welt, den Menschen, allen vorhandenen Moeglichkeiten und sich selbst.ich kann mich mich in jungen Jahren Hals ueber Kopf verlieben, eine enge Beziehung eingehen und damit Verpflichtungen, die ein Leben lang binden( Kinder zum Beispiel),ohne zu wissen, wer ich eigentlich bin und wohin ich mich entwickeln werde. Mit der Kunst ist das aehnlich. Der Unterschied ist, dass wenn ich die Malerei ernst nehme, sie ein Teil meines Wesesns ist, intensiviert sie alle folgenden Ereignisse. Es gibt Zeiten, da befluegelt mich meine Arbeit, andere, in denen ich sie wie eine koerperliche Behinderung empfinde( auch nicht anders als eine enge menschliche Beziehung)
Der alte Platon wusste schon, was er sagte, wenn er meinte, dass bevor eim Mensch 30 Jahre alt ist, er garnicht erst anfangen sollte, klare Ziele fuer seine Ausbildung und Leben zu machen. Ohne Erfahrung und Wissen ist die Kunst meist blutleer und der Kuenstler hoechstens ein begabter Kopist oder ein Glueckspilz der vom Zufall lebt.
Ich bin mir nicht so sicher, ob ich als Kuenstler der Allgemeinheit mehr verpflichtet bin, als jeder andere Mensch. Es ist nur oft so, dass autobiographisches in jungen Jahren eine groessere Rolle spielt = Kunst ein wichtiger Ausdruck seiner selbst ist fuer den Kuenstler. Spaeter scheint es natuerlich, dass ein Kuenstler sich selbst weniger wichtig nimmt und das Objekt seines Interesses an Bedeutung gewinnt und damit der Sache mehr Gewicht gibt.( Auch nicht anders als man es mit menschlichen Beziehungen erlebt)

#11 2009-11-22 08:05:53

meierhelmbrecht
Gast

Re: Amateure oder Profis

Dagegen schrieb Goethe: "Ist einer 30 Jahr erst alt, wär´s besser ihn gleich tot zu schlagen".
Die Meinungen differieren wie man sieht. Im relativ fortgeschrittenen Alter würde ich sagen:"Jedes Ding hat seine Zeit". Wobei die Charaktere sich doch höchst verschieden entwickeln, vor unterschiedlichen Hintergründen. Ohne den revoluionären Geist der Jugend wäre aus lauter Vorsicht manche Schlacht nicht geschlagen.
Mein Hintergrund, als Ex-Brandenburger und Ex-DDR Bürger ist der kategorische Imperativ in zwiefacher Hinsicht, die Tradition Friedrich des Großen und die Sozilaistischen Ideen. Kunst und Künstler sollten diesen Gedanken zufolge eine Exististenzberechtigung in der Gesellschaft nachweisen und eine spezifische Aufgabe erfüllen, die sich erfahrungsgemäß schwer definieren lässt, aber in marxistischen Vorlesungen ähnlich wie in einschlägigen Werken des westeuropäischen Kulturkreises  daran gipfelte, dass Kunst und Kultur zunächst ist, was sich so nennt.
Den Anspruch gesellschaftlichen Nutzens leite ich gemäß meines Entwicklungshintergrundes daraus ab, dass die Künste gfördert werden, mit Museen, Preisen, Symposien, Projekten und Ölbildern von Bundeskanzlern, alles auch von meinen Steuergeldern und in den öffentlich-rechtlichen Nachrichten berichten sie wichtig, zb. dass eine "Verpackungs-Künstlerin" gerade gestorben ist - dank auch meinen GEZ-Gebühren.
Es gibt eine ziemlich mächtige Bewegung, die Kunst zu einer Parallelwelt erklärt, in der sich die Wirklichkeit möglichst nie widerspiegelt und diese wird nicht ohne Hintergedanken von den Reichsten und Mächtigsten in Front gebracht, solange es um Gegenwartskunst geht, jedenfalls.
Ich kann meine Mondgesichter deswegen auf den Kopf stellen und werde auffgrund dieses wahnwitzig kreativen Einfalls höchste Ehren und Aufmerksamkeit erregen, was ja wohl gleichbedeutend mit viel Geld ist.

Ich für mein Teil bin sehr froh, ich denke mit 60 grundsätzlich in den gleichen Kategorien, Gefühlen usw. , in den ich shon als 10jähriger lebte. Dazu brauchte es einen langen Abwehrkampf gegen alles, was mich über mein Gehirn in Besitz nehmen wollte, früher kleinbürgerlicher Sozialismus, als Neubundesbürger Esoterik und Aberglaube( ha,ha). Ausserdem musste ich zwischendurch natürlich die Richtigkeit der Gedanken des 10jährigen Knaben bestätigen und dazu allerlei "ausprobieren", wie meine liebe Frau Mutter immer zu bemerken pflegte.

#12 2009-11-22 16:31:32

Sabine J.
Gast

Re: Amateure oder Profis

Nicht nur Resultate psychologischer Forschung haben bewiesen, dass unser inneres Wesen sich vom Kindesalter bis in spaete Jahre, nicht grundsaetzlich aendert.Was nicht bedeutet, dass unsere Umwelt und Erfahrungen keinen Einfluss haetten.
Grosse Kunst, entstanden in den letzten Jahrhunderten, wurde nicht von Kindern gemacht. Das heisst nicht,dass neue Ideen aus jungen Koepfen unsinnig waeren - viele Bewegungen von dieser Seite haben und hatten einen gravierenden Einfluss auf das Werk von Kuenstlern.
"Moderne Kunst am Wendepunkt = Das gemalte Wort" ist ein Buch von Tom Wolfe, dass sehr angegriffen wird( seit den 70er Jahren) aber meine Sympathy hat( mit Einschraenkungen) aber es scheint mir erfrischend ehrlich. "Der Kaiser hat eben nicht immer Kleider an"und es ist nicht leicht, sich gegen den Strom zu stellen und das deutlich zu machen, ohne sich der beissenden Arroganz der gegenwaertigen Kunstszene auszusetzen.
Mit einem erhobenen Zeigefinger laesst sich kein Pinsel halten.
Nicht soviel anders war es in der ehemaligen BRD, als ich Ende der 70er und in den 8oern zur Kunstschule ging - Kunst hatte politisch zu sein - nicht automatisch, sondern mit klarer Intension und paedagogischer Agenda. Ich fand es schon damals zum kotzen. Es wurde mehr diskutiert als unterrichted und gemalt.Ich denke immer noch, dass man laufen lernen sollte, bevor man tanzen koennen will.
Es steht noch dahin, ob Kunstfoerderung vom Staat, in dieser Form, so sinnvoll ist und nicht sogar einen gegenteiligen Effekt hat, die fuer die sie unterstuetzt wird, scheinen mir von den gegenwaertigen Stroemungen nicht sehr begeistert. Hier in Kanada hat man den Kunstetat um 40% gestrichen - die Kuenstler haben gequiekt, aber der Rest der Bevoelkerung ist ruhig geblieben."Der Kanadier mag keine Kunst" sagt unser Premier Stephan Harper = und er scheint Recht zu haben. Hinzukommt, dass ich ein paar Entscheidungstraeger kennengelernt habe, die die Foerdergelder in entsprechende Kanaele leiten - es ist ein ziemlich korruptes und uninformiertes Geschaeft.

#13 2009-11-22 18:06:53

meierhelmbrecht
Gast

Re: Amateure oder Profis

Grüße vom Neckar nach Kanada.

Der Staat ist nicht sein Volk. Versteht man unter Politik die Organisation der menschlichen Gemeinschaft, bestimmt sie doch einen gewichtigen Teil unseres Daseins, selbst in den Familien fallen polistische Entscheidungen. Allerdings, und da gebe ich Dir gern recht, sollte der Künstler hauptsächlich zum Beispiel malen und nicht diskutieren. Schliesslich ist Kunst ein besonderer und anderer Weg zur Erkenntnis. Aber grosse Kunst in den letzten Jahrhunderten wurde ziemlich oft von sehr jungen Künstlern gemacht, was unter anderem damit zusammenhing, dass sie nicht erst mit 30 an die Kunstakademie gingen, sonder bereits mit 7,8,9, 10 Jahren aufgrund eines bestimmten Talentes in eine diesbezügliche Lehre gegeben wurden. Ich stelle mir dies ähnlich vor, wie mit dem Klavierspielen, das Hänschen wohl, Hans hingegen nimmer lernt.

Vielleicht sollte es für Kinder nicht nur Musikschulen, Reitunterricht usw. geben, sondern auch Malschulen? Und Unterricht im freien, aber nicht absurden Denken...

#14 2009-11-23 00:54:25

der gebenedeite
Forenmitglied
Registriert: 2009-10-14
Beiträge: 311

Re: Amateure oder Profis

zu den jungen Künstlern:
es stimmt in früheren Jahrhunderten wurden oft große Werke von Künstlern in ihren 20ern und frühen 30ern ( z.B. Van Dyck )
gemacht. Das liegt wie meierhelbrecht schon gesagt hat, an der Tatsache dass das Zünfte- und Handwerkswesen
mit der Ausbildung der Künstler schon sehr früh begonnen hat. Aber es gibt und gab auch zahlreiche Gegenbeispiele.
Gerade sehr anspruchsvolle Kunst die nicht nur durch technische Meisterschaft und stupende Beherrschung der malerischen
Mittel besticht, sondern darauf abzielt die künstlerischen Mittel als Ausdruck der Persönlchkeit einzusetzen, setzt eine
gewisse Reife voraus, die im Regelfall bei einem 20jährigen noch nicht voll ausgeprägt sein dürfte.

zur poitischen Kunst:
plakative, melodramatische Appelle und missionarisches Pathos in der Malerei (wie sie heute gerade gern im Umweltschutbereich sehr beliebt sind) halte ich für geistig nicht besonders anregend (ausserdem ist sie meistens schlecht gemalt).

@Sabine Jaspert (Stichwort: Zeitgeist der 70er und 80er):
Auch mich ärgert die salbungsvolle und selbstgefällige Art, mit der Kunstgurus und selbsternannte Heilsbringer oft glauben mittelmäßige Kunst dadurch aufwerten zu können, dass sie, zeitgeistige Modewellen ausnutzend, politische Statements (Immendorff) oder abgedroschenen esoterischen Schwulst (Beuys) verzapfen.

Wo mich "politische Kunst" überzeugt, ist sie nicht explizit politisch oder lautstark, sondern greift auf allgemein menschliche
Befindlichkeiten und Empfindungen zurück ( Käthe Kollwitz )...

@Sabine Jaspert:
übrigens: stell doch einmal ein paar Bilder von dir im Forum aus, ich bin schon sehr gespannt.


Arche hemisy pantos

Offline

#15 2009-11-23 06:54:08

meierhelmbrecht
Gast

Re: Amateure oder Profis

Man kann Politik auch als "Beschäftigung mit Staatsangeleigenheiten" definieren, das war Lenin, aber das meine ich mit Sicherheit nicht.
Ich meine gesamtübergreifendes Interesse und die Klammern, die grosse Künstler regelmäßig in die Gesellschaft schlugen.
Unter diesem Aspekt kann der Künstler eine Romanze in der Strassenbahn genausogut malen, wie die Erschiessung Che Guevaras oder die Nibelungen beim Nähen einer schwazrotgoldenen Fahne. Ausserdem gibt es, ähnlich den Ärzten, Quacksalber, mittelmässige Kandidaten und Geniale Vertreter. Maler früherer Epochen stellen wir ganz selbstverständlich in den Rahmen ihrer Zeit, an den modernen Malern interessieren uns ihre psychischen Abgründe, die sie ausserhalb der Gesellschaft stellen.
Zum Schluss, was unterscheidet mich nun ganz praktisch von einem Profi? - Würde man mir einen Auftrag über 100 Quadratmeter Wandfläche zum Bemalen anbieten, müsste ich mit gutem Gewissen heulend von dannen ziehen, dazu fehlen mir das Handwerkszeug und jede Erfahrung.

#16 2009-11-24 02:43:00

Sabine J.
Gast

Re: Amateure oder Profis

Handwerk, Erfahrung und Talent spielt eben doch noch eine Rolle.Picasso meinte, dass jeder ein Kuenstler sei, aber Jahre braeuchte, um einer zu werden.
Ich habe keine Angst vor Riesenflaechen, ich finde sie aufregend. so sehr, dass ich hier Kirchenwaende umsonst bemale,und ich bin dankbar dafuer, dass sie mich lassen und mir trauen.
Seelische Abgruende des Kuenstlers selbst und seine Randposition in der Gesellschaft, scheint mir so wenig oder auch soviel interssant zu sein, wie die psychische Befindlichkeit eines Jeden. Ein Kuenstler ist eben einfach auch nur ein Teil dieser Welt und der Gesellschaft, ist vielleicht ein wenig sensibler,in seiner Beobachtung und drueckt in seiner Sprache/Faehigkeiten aus, was er wie empfindet.

#17 2009-11-24 06:00:27

meierhelmbrecht
Gast

Re: Amateure oder Profis

Sehr schön, mein Ideal lebt also, das ist ein beruhigendes Gefühl. Ich gehöre zwar keiner Religion an, was mich nicht daran hindert, Kirchen zu betreten, weil in diesen, gegenüber modernen Mussen, ausser Kunstwerken ein Rest von Gemeinschaftsgedanken lebt. Schade, dass Kanada so weit fort liegt, Fotos werden´s nicht hergeben, die Orgel klingt doch am schönsten immer in der Kirche.

An @gebenedeite
In der Galerie gibt es Bilder von Sabine Jaspert!

Beitrag geändert von meierhelmbrecht (2009-11-24 06:07:13)

#18 2009-11-24 16:47:28

Sabine J.
Gast

Re: Amateure oder Profis

Die Kirchen hier sind in der regel recht haesslich, einfach nur zweckmaessig und puritanisch. Ich habe keine besonders enge Beziehung zu einer bestimmten Kirche, dennoch fasziniert mich der Umstand, dass in eimem Land des gefeierten Individualismus, materielle Zeugnisse des Beduerfnisses nach Gemeinschat entstehen. Es ist spannend, in einer Kirche zu malen. Man selten allein dabei, immer wieder kommen einzelne oder Gruppen von Menschen, die viele Fragen haben und ihre Geschichte mit mir teilen. Vieles davon fliesst in die Bilder ein.Ich bemuehe mich, die typisch religioesen Darstellungen, wie man sie in Kirchen sieht, zu vermeiden und mich mehr an der Natur und Symbolen zu orientieren. Als Kuenstler fasziniert mich die ungeheure Flaeche, die man mir gibt - ausserdem ist es jedesmal ein Sprung ins eiskalte Wasser - ich mache mich sehr angreifbar, was ich dort tue ist nicht rueckgaengig zu machen und fuer alles sichtbar.

#19 2009-11-25 08:24:44

meierhelmbrecht
Gast

Re: Amateure oder Profis

"Die unbegreiflich hohen Werke, sind herrlich wie am ersten Tag" - wieder mal mein Hilfsgott, Goethe. Ich glaube, ich kann es nachvollziehen, was Du da tust. Nur grosse Knallköpfe können glauben, bei den Jüngsten Gerichte oder Schöpfungen der Renaissancekünstler ginge es tatsächlich um  imaginäre, vergangene oder kommende Ereignisse. Sie haben sich vielmehr mit ihrer existierenden menschlichen Gemeinschaft herumgeschlagen. Die ist wahrhaftig rätselhaft genug, abgesehen von der Pest, ist das Chaos ja  kaum kleiner geworden, im Gegenteil und damit liesse sich manche Kirche wohl trefflich schmücken.

Ich habe es an anderer Stelle bereits bemerkt, für mich ist das Schaffen selbst das Haupterlebnis, nicht das "fertige" Werk und die "Angst vor dem weissen Blatt" haben wir, denke ich, Alle, nur das Dein Blatt, die Wand, ziemlich gross ist.

Die einzige Gottheit, die ich anerkenne ist die Natur, allerdings lohnt nicht daraus eine Religion zu machen, wir werden´s zum Glück nie begreifen.

Danke Sabine, Du sprichst mir aus dem Herzen und Deine Bilder(Galerie) sagen mir dasselbe, nur  schade, dass ich so arm an Geld bin!

#20 2009-11-25 09:52:43

Sabine J.
Gast

Re: Amateure oder Profis

Meierhelmbrecht, ich freue mich ueber unseren Austausch. Danke!
Es hat etwas beruhigendesund Zuversicht erzeugendes, sich von jemandem verstanden zu fuehlen, der auf einem anderen Kontinent lebt und eine voellig andere Geschichte hat. So bekommt die Diskussion um die Unterschiede und Befindlichkeiten zwischen professionellen Kuenstlern und Amateuren noch ein deutlicheres Gesicht. Es "menschelt" eben auf allen Ebenen.
Ich habe keine angst vorm weissem Blatt - Respekt vielleicht aber mehr noch bin ich aufgeregt und ungeduldig. Der erste Strich ist wie eine physische Befreiung. Vielleicht it das eines der Unterschiede zwischen einem Kuenstler, der sich als solcher versteht und demjenigen, der sich seiner selbst nicht bewusst ist. Ich kann keine Fehler machen, denn dass was ich tue- bin ich. Das heisst nicht, dass es peinlich werden koennte - aber das waere nur so, wenn das Werk nach Aussen dringt und ich damit unbedingt etwas bewirken wollte. Wie auch immer es ankommt - das hat nichts mit dem Schoepfungsprozess zu tun( sofern er nicht von oekonomischen Erwartungen geleitet/ korrumpiert ist - kommt auch vor - so stark bin ich eben auch wieder nicht) - das ist dann ausschliesslich meine gesellschaftlich = materielle Erwartung. Und damit kann ich immer auch schiefliegen - Ich bin eben kein "Marketing= Spezialist"

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