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#1 2007-02-04 19:57:27

prenzlmaler
Gast

Bretnig.Carl Spitzweg:Der arme Poet

Know-how.Der arme Poet.Carl Spitzweg.Bretnig,Science of Art.
Popularisierung von Kunst. Ehrung 5.2.2007 Dieter Raedel

Carl Spitzweg : " Der arme Poet "

Aus Anlass des Geburtstages des berühmten deutschen Malers,
der am 5. Februar 1808 in München geboren wurde, möchte ich
eines der populärsten Gemälde der deutschen Malerei des 19.
Jahrhunderts vorstellen: " Der arme Poet ".

Diesmal möchte ich auf eine kunstwissenschaftliche Durchdringung
bei der Betrachtung des bekannten Gemäldes verzichten.Bis zum
heutigen Tag hat Carl Spitzweg mit seinen gekonnten Werken an
Popularität kaum etwas einbüßen können, da er für die kunstlie-
bende deutsche Nation eine Art künstlerischer Nestor war. Klar, es
gab mal eine Zeit, da hing fast in jedem Haushalt ein Spitzweg.
Sein Können und sein Humor,seine Ironie und Selbstironie,mach-
ten ihn wohl zu dem beliebtesten Maler in Deutschland.

Vom Motiv des armen Poeten gibt es drei Varianten,einen Vorläu-
fer, danach das Hauptwerk und anschließend noch eine weitere Va-
riante des Werkes. Als er es in München in einer Ausstellung erst-
mals zeigte, verstand man seinen Humor nicht und das Werk ern-
tete heftige Kritiken. Waren bisher hauptsächlich mehrere Personen
auf einem Gemälde zu sehn, so sah man nun einen jungen Dichter
und die Poeten von damals meinten, von Spitzweg verspottet zu wer-
den. Das sollte sich bekanntlich ändern.

Betrachtet man das Bild, empfindet man regelrecht ein kindliches
Glücksgefühl, obwohl es sich um einen ganz armen Menschen han-
delt. Es ist ein "Geschichten-Gemälde", gestaltet wie ein Theater -
stück als Einakter. Nimmt man sich die Zeit der Betrachtung,kann
man allerhand auf dem Bild entdecken. Und das macht Laune !

Da liegt ein junger Mann im Bett und interessiert sich grundsätzlich
nur für sein Faible, der Rest der Welt ist für ihn uninteressant.An
den denkt er gar nicht. Betrachte ich ihn, komme ich mir wie in ei-
nem Kabarett vor, wo soeben geräuschlos der Vorhang geöffnet wur-
de. Was habe ich schon über dieses Motiv gelacht ! Der Vorhang öff-
net sich und der Dichter hat gerade erfolgreich einen Floh erwischt,
den er genussvoll um die Ecke bringt. Zwischen den Zähnen seine
Schreibfeder, die offenbar lange keine Tinte mehr sah, da ihm abso-
lut nichts einfiel. Und wenn ihm etwas einfällt, stammt das aus den
mordsdicken Büchern, hinter denen er sich verbarrikadierte. Das be-
nötigte Versmaß hat er sich schnurgerade an die Wand geschrieben.
Seine deutsche Michelnachtmütze hat als Formabschluss einen Zipfel
in Gestalt einer plappernden Ente.Jedenfalls habe ich das heute ent-
decken können. Die gesamte Umwelt, die gesamten Utensilien,sind
Requisiten der theatralischen Inszenierung unter der Regie Spitzwegs.

Seine Dachkammer ist eiskalt. Auf den Dächern, die man durch das
Fenster sehen kann, liegt Schnee. Und seine Bude kann er nicht mehr
heizen, da das ulkig eckige Ofenrohr verstopft ist. Fehlgeschlagene
Feuerungsversuche kann man über der Ofenklappe ausmachen,sämt-
liche Kacheln total verrußt.  Betrachtet  man die Zimmerdecke rechts
oben, so fehlt dort eine gehörige Anzahl Bretter, die er wahrscheinlich
beim Wintereintritt gut gebrauchen konnte. Und da er nicht das gesam-
te Dach verheizen konnte, versuchte er es mit seinen Werken, die vor
dem Ofen noch auf ihre Verwendung warten. Das stört ihn jedoch nicht,
bei Tauwetter oder Regen hat er ja seinen kaputten Regenschirm, der
ihm vor dem schlimmsten Ereignis des Absaufens bewahren soll. Falls
er sich mal wäscht, hat er sogar ein Handtuch parat. Das hängt natürlich
nicht über dem Ofen, denn da würde es ja auch nicht trocknen können.
Es hängt in der Sonne vor dem Ofen und scheint gefroren zu sein.

Irgendwann ist er nach Hause gekommen, hat so schnell wie möglich
sich seiner Kleidung entledigt und ab in die Falle ! Der Stiefelknecht
und sein ausgeleierter Stiefel liegen einfach so rum und am ungeheiz-
ten Ofenrohr hängt sein Zylinder. Dick in Decken gehüllt kann ihn nichts
von seinem Tun abhalten. Das Tintenfass steht schräg, um die letzte
Flüssigkeit besser nutzen zu können. Doch wie es scheint, hat sich
die Tinte inzwischen längst in Eis verwandelt. Ihm gegenüber hängen
seine Klamotten an der Wand. Und wenn man diese genau betrachtet,
haben die sich in die Gestalt seiner Muse verwandelt. Sein Schal bedeckt
den imaginären Kopf seiner Muse. Köstlich ! Was ich hier schreibe, steht
zwar in keinem meiner Bücher, ab an dieser Deutung führt bei mir kein
anderer Weg vorbei.

Eigentlich hat dieses Genrebild einen impressionistischen Einschlag mit
holländischen Zügen des 17. Jahrhunderts und einen Schuss Eleganz von
Antoine Watteau, den er sehr verehrte. 1835 war unser Maler Mitglied des
Münchener Kunstvereins geworden und dieses Meisterstück der humoristi-
schen Malerei tauchte 1839 dort auf. Lassen wir den Text einfach mal so
stehn und die trockenen Daten werde ich anderen Leuten mitteilen.

Ich danke für das Interesse.


Dieter Raedel, Prenzlmaler, Berlin.
prenzlmaler.de

Da ich in Ohorn geboren bin, nette Grüße in die Heimat.


Quelle : ausnahmsweise mein Kopf ...


Angehängtes Bild lt. Wikipedia " public domain " .


Hochgeladene Bilder

Beitrag geändert von prenzlmaler (2007-02-06 04:18:53)

#2 2007-02-05 13:11:11

Adelbert von Deyen
Forenmitglied
Ort: Steinbergkirche
Registriert: 2006-09-14
Beiträge: 1.325
Website

Re: Bretnig.Carl Spitzweg:Der arme Poet

Lieber Dieter,

besser als Du hätte ich dieses herrliche Bild nicht beschreiben können. Klasse!
Eine Reproduktion (50 x 40 cm) hing übrigens auch bei uns jahrelang in der Stube überm Sofa.
Meine damalige Verlobte hat es bei unserer Trennung vor 25 Jahren leider mitgenommen,
ohne mich vorher zu fragen.

So sind sie, die Frauen. wink


Ich male nicht, um mich auszudrücken, sondern um zu beeindrucken.
www.adelbert-von-deyen.de

Offline

#3 2007-02-06 05:20:40

prenzlmaler
Gast

Re: Bretnig.Carl Spitzweg:Der arme Poet

Danke, Adelbert !
Die Beschreibung des Bildes machte mir auch besonders Spaß,
da ich gewisse Ähnlichkeiten mit meinem Leben ausmachen kann.
Bohéme, ein Leben in Leidenschaft !  *g.g.*

Übrigens bastelt jemand an den Hits meiner Einträge rum,wahr-
scheinlich,um mir Mut zu machen.Die Chose hat allerdings einen
großen Nachteil. Nun weiß ich ab sofort nicht mehr, ob mein Zeug
von einer oder gar von zwei Personen gelesen wird.

Netten Gruß von Dieter.

#4 2007-02-06 12:46:40

Daniel
Administrator
Ort: Potsdam
Registriert: 2004-02-02
Beiträge: 414
Website

Re: Bretnig.Carl Spitzweg:Der arme Poet

prenzlmaler schrieb:

Übrigens bastelt jemand an den Hits meiner Einträge rum

Was meinst Du damit, Dieter?

Offline

#5 2007-02-06 13:43:22

prenzlmaler
Gast

Re: Bretnig.Carl Spitzweg:Der arme Poet

@Daniel

Hallochen, Daniel !

Nachdem ich den Artikel fertig hatte, waren 15 Hits von mir zu sehen.
Einige Zeit später waren diese auf 22 angewachsen und ich freute mich,
dass sich einige Leute für diesen Bericht interessieren. Nun gab es noch
einen anderen Bericht über Carl Spitzweg, der also wesentlich später ein-
gegeben wurde. Plötzlich sah ich bei beiden Berichten die Hit-Summe von
4 6  - irgendwie komisch. Ich gehe davon aus, dass sich jemand einen
Scherz erlaubte. Keine Ahnung. Du hingegen, Daniel,müsstest jedoch genau
an der IP erkennen können, ob da jemand die Hits bewusst freundlicher-
weise nach oben jagen wollte. Oder war das tatsächlich echtes Interesse ?
War die Parallelität von mir gesehenen 46 Hits nur Zufall ? Null Ahnung.

Gruß Dieter.

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