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#1 2007-01-09 19:32:49

molan
Forenmitglied
Ort: Eupen - Belgien
Registriert: 2006-09-13
Beiträge: 135

Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

Diese Frage beschäftigt mich schon seit einiger Zeit.

Ich habe zum Beispiel große Probleme mir ein Bild nur in der Phantasie vorzustellen, ich kann keine Kuh aus dem Kopf malen, es sei denn ich habe sie irgendwann bereits schon mal gemalt. Wenn ich eine Kuh vor Augen habe, male ich die ohne Probleme. Muss natürlich auch üben um die Proportionen und ähnliches besser im Griff zu bekommen.

Hier im Forum wird öfters davon gesprochen, dass das Bild nur so aus einem herausfließt. Das kann ich von mir nun wirklich gar nicht behaupten, bei mir ist es eher so, dass ich durch die Gegend gehe oder eine Zeitschrift durchblättere und dann sofort denke, dass könntest du auch mal malen. Also ich muss was Konkretes vor Augen haben.

Auf der anderen Seite haben viele Kunstringer hier Fragen, die für mich selbstverständlich sind, zum Beispiel würde ich nie ein Buch über Farben kaufen, da ich einfach "weiß", wie man eine Farbe mischt und welche Farben zusammenpassen, usw. Dass Lila aus blau und rot besteht habe ich irgendwann in der Grundschule gelernt uns seitdem nie vergessen und bin doch sehr überrascht, wenn man von Leuten, die seit Jahren bereits malen, gefragt wird " Wie mischt man ..."

Ich hoffe ihr versteht in meiner Frage wirkliches Interesse und keine Überheblichkeit oder was auch immer, denn ich möchte eigentlich nur wissen, ob ich jemals ein Gefühl fÜr abstrakte Bilder bekomme. Denn die gefallen mir sehr gut, bekomme sie von alleine aber nicht hin. Nachmalen ohne Probleme, aber was Eigenes erfinden ist nicht drin. Bekomme es einfach nicht hin.   **ärger**

liebe Grüße

Monique

Offline

#2 2007-01-09 19:40:55

unterwegs
Forenmitglied
Registriert: 2006-09-07
Beiträge: 168

Re: Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

die Frage habe ich auch, ob man irgendwann abstrakt malt. Viele Berühmtheiten haben am Anfang akademisch gemalt und sich mit der Zeit mehr und  mehr davon entfernt. Also denk ich, dass es ein Weg zum Abstrakten gibt und keine Umwandlung von heute auf morgen. Übrigens ich kann auch nur aus dem Kopf malen, was ich schon immer gemalt hab. Ich denk es ist reine Übungssache.

Offline

#3 2007-01-09 20:25:46

iris
Gast

Re: Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

@ unterwegs

Wo darf man mal ein Bild oder eine Zeichnung von Dir betrachten?

#4 2007-01-09 20:52:07

unterwegs
Forenmitglied
Registriert: 2006-09-07
Beiträge: 168

Re: Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

Offline

#5 2007-01-09 20:55:40

Ekle
Gast

Re: Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

Hallo Molan,
ich stelle mir selten ein Bild in der Fantasie vor.
Bei meinen Traumwelten habe ich angefangen ein Auge zu malen und der Rest kam nach und nach.
Ohne großen Plan.
Wenn ich ein Tier malen soll, kann ich das auch nicht aus dem Kopf, sondern brauch ein Foto dazu.
Vielleicht versuchst Du es mal so, indem Du in Dich hinein schaust und das malst, was Du dort findest.
Bei mir und vielleicht auch bei Anderen, liegt das schon irgendwo oben und will nur noch aufs Papier.
Hoffe Du verstehst wie ich das meine. smile

#6 2007-01-09 21:15:44

iris
Gast

Re: Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

@ Elke

Um zu malen, was man in seinem Inneren findet, muss man dennoch malen können. Denn auch dort "innen" entstehen die Bilder, die man "draußen" sieht. Nur sind sie vielleicht vermischt und etwas durcheinander, das kann schon sein. Man muss aber möglichst erst einmal alles technisch gut malen können, sonst könnte man ja manches, was man "innen" sieht, nicht zu Papier bringen. Je mehr man also umsetzen kann, umso besser wird man seine "Gefühle"  darstellen können, denn man bedient sich auch der Sprache der Malerei mit bekannten Synonymen, die eine Allgemeingültigkeit haben müssen, um verständlich zu werden. Ansonsten kann man nur für sich als innere Befreiung malen, wenn man das möchte. Es wird dann ein Wirrwar von Farben oder Linien oder sonst irgendwas, was niemand mehr verstehen kann und will. Was findet man denn, wenn man in sich hineinschaut anderes als wieder Bilder. Die unterschiedliche Darstellung dieser Bilder dann wiederum macht das Individuelle jedes Malers aus.

#7 2007-01-09 21:40:57

unterwegs
Forenmitglied
Registriert: 2006-09-07
Beiträge: 168

Re: Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

iris schrieb:

@ Elke

Man muss aber möglichst erst einmal alles technisch gut malen können, sonst könnte man ja manches, was man "innen" sieht, nicht zu Papier bringen.

Das man am Anfang technisch nicht fitt ist, finde ich nicht schlimm. Technik kann man lernen und man verbessert sich ständig. Aber Geduld muss man haben. Hier mein Lieblingsspruch dazu von Rilke:

Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen,
reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost
in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst,
dass dahinter kein Sommer kommen könnte.
Aber er kommt nur zu den Geduldigen.

Offline

#8 2007-01-09 21:50:04

iris
Gast

Re: Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

@ unterwegs

Nein, schlimm ist es nicht, dass man am Anfang nicht fit ist. Das wollte ich damit auch nicht sagen. Deshalb habe ich auf das Wort schlimm ja auch verzichtet.

Ich teile nicht ganz die Meinung von Rilke. Dennoch, ein schöner Spruch von ihm.

LG

Iris

#9 2007-01-10 09:42:28

Lucay
Gast

Re: Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

abstraktes malen beherrsche auch ich nicht, gegenständliches malen ist auch bei mir nur mit vorlage möglich. ich male aus meinem inneren, doch ist es nicht abstrakt (denn abstrakt ist doch die entfernung vom gegenständlichen, oder nicht?), sondern von vornherein gegenstandslos.

mich reizt das gegenständliche malen, doch auch ich stoße hier an meine grenzen, weil ich es nicht aus der phantasie umsetzen kann, was mich allerdings viel mehr interessiert, als nach vorlage zu malen. ich stimme iris bei, die meint, auch um das innere richtig darstellen zu können, muss man  malen können, denn das innere besteht im grunde ebenso aus bildern.

beim gegenstandslosen auf die leinwandbringen des eigenen seelenzustandes bzw. der psyche läuft man nur allzuleicht gefahr nur noch ein ausdrucksloses wirrwarr zu produzieren. das ist richtig.

ob es mir gelingt, genau das zu vermeiden, kann ich nicht beurteilen, denn für mich persönlich haben meine bilder - wenn ich eine befriedigung durch den schaffensprozess erfahre - den richtigen ausdruck, ich verstehe sie schon, ob das andere tun, weiß ich nicht, ist jedoch auch nicht mein antrieb. ich gehöre z.b. zu jenen, die zur inneren befreiung malen.

abgesehen davon, muss ein bild nicht zwingend vom betrachter so "verstanden" werden, wie ich selbst als malerin es verstehe. ich finde es eigentlich sehr spannend, was andere zu bildern von mir denken, was es in anderen menschen auslöst. denn auch dadurch kann ich einiges über mich selbst erfahren. wie ich eine empfindung transportiere. oft male ich aus einem angegriffenen seelischen zustand, aus traurigkeit heraus einfach mein gefühl auf die leinwand - der betrachter entdeckt oftmals darin sehr viel positive energie, was mich immer wieder überrascht. das finde ich sehr bereichernd und spannend.

#10 2007-01-10 11:38:28

molan
Forenmitglied
Ort: Eupen - Belgien
Registriert: 2006-09-13
Beiträge: 135

Re: Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

In der Bildbegutachtung sind manchmal Künstler (oder Maler?), die wunderschöne gegenstandslose Bilder malen, die sehr harmonisch wirken, aber gegenständlich nichts hin bekommen. Bei mir ist es eher umgekehrt, bin nur noch nicht weit genug. Merke aber, dass mir das technische Abmalen eher was bringt und zum Erfolg führt, als gegenstandslose Kunst.
Vor kurzem hatte ich auch mal ein Aha-erlebnis, nachdem ich ein Porträt in einer Stunde genau mit Bleistift gemalt hatte und das gleiche hinterher in zehn Minuten gekritzelt hatte, musste ich hinterher  feststellen, dass die schnelle Skizze interessanter war.

Deshalb denke ich, dass es vielleicht Sache des eigenen Gehirns ist, wie wir malen. Wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. So wie der eine ein Talent für Sprachen hat und der andere besser Rechnen kann, der Rechenkünstler wird ja eher einen wissenschaftlichen Zweig wählen.

liebe Grüße

Monique

Offline

#11 2007-01-10 14:19:50

Pere
Forenmitglied
Ort: 59514 Welver
Registriert: 2006-09-22
Beiträge: 56

Re: Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

Zu meiner Vorgehensweise.
Es sind immer die Ideen von Bildern in mir, die das Zeichnen auslösen. Diese Bildideen können durch vielfältige äußere Einflüsse und Anregungen angestoßen werden. Ein Gegenstand, eine Textpassage in einem Buch, ein Foto oder eine Frau usw. Aber wenn ich den ersten Strich, den ersten Punkt auf die Fläche gesetzt habe, verliert sich dieses assoziative Bild und weicht mehr und mehr der Zeichnung, dem Bild.
Es interessiert mich überhaupt nicht, das Abbild z.B. einer nackten Frau zu zeichnen. Für mich ist nur noch von Bedeutung, ob aus dem Abbild der Frau ein Bild entstanden ist.
Interpretationen überlasse ich dem Betrachter.
Liebe Grüße,
Pere

Offline

#12 2007-01-10 15:10:13

iris
Gast

Re: Wie funktioniert das Gehirn eines Malers/Künslers?

Ab wann ist ein Bild ein Bild?

Meine Antwort:

Jede Darstellung auf einem Malgrund und wenn es nur ein winziger Punkt ist, ist ein Bild. (Selbst wenn gar nichts zu sehen ist.)

Es ist unerheblich, ob der Betrachter einen Sinn darin sieht oder das Bild begreift.

Das ganze Leben besteht aus Bildern. Immer und ständig sind wir von Bildern umgeben. Ob es Abbilder sind oder erdachte Bilder spielt keine Rolle. Niemand kann entscheiden, ab wann etwas ein Bild ist. Ein Bild ist ein Bild. Es kann gut oder schlecht, verständlich oder unverständlich sein, aber es bleibt doch ein Bild.

LG

Iris

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