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#1 2007-01-09 17:06:12

Adelbert von Deyen
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BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

Vorwort

   Als ich vor einigen Jahren aus einer Laune heraus begann, stichwortartig meine Lebenserinnerungen zu notieren, habe ich nicht im Entferntesten daran gedacht, daß daraus eines Tages ein Buch werden könnte. Da mich jedoch wiederholt Ausstellungsbesucher fragten, ob es außer den Kalendern noch weitere Publikationen von mir gäbe und ich das immer wieder verneinen mußte, reifte in mir der Entschluß, meine Autobiographie in Verbindung mit einer umfangreichen Werkschau zu veröffentlichen.
   Wenn man sein eigenes Leben beschreibt, so stellt sich besonders hinsichtlich der Jugendjahre die Frage, welchen Standpunkt man einnehmen soll, den damaligen oder den heutigen. Ich tendiere zum heutigen. Auf der einen Seite durchlebte ich eine glückliche Kindheit, auf der anderen Seite empfand ich den Besuch der Realschule wie einen Alptraum, und die Jahrzehnte haben nicht genügt, den jugendlichen Haß zu überwinden.
   Woran es mir damals wie heute vollständig mangelte, war abstraktes Denken bezüglich Zahlen und Formeln sowie absolutes Lerntalent. So habe ich mir im Laufe der Zeit das Wissen über die Dinge, welche mich interessieren, selbst angeeignet, insbesondere auf dem Gebiet der Musik und der Malerei. Mag auch, vorweg genommen, meine zum großen Teil autodidaktische Ausbildung mühevoll, umständlich und lückenhaft gewesen sein, so war sie doch für mich subjektiv richtig. Heute bin ich froh, daß ich diesen relativ zwanglosen Weg gewählt habe.                                                     
                                                                                                                          Adelbert von Deyen

Adelbert von Deyen - BILDER MEINES LEBENS - Autobiographie

1) Kindheit und Schule

   Am 25. Oktober 1953 erblickte ich in Süderbrarup, Kappelner Straße 17, das Licht unserer Welt. Obwohl nicht in eine Künstlerfamilie hineingeboren, muß mir doch das Talent zur Musik und Malerei vererbt worden sein: Mein Urgroßvater war der aus Gleschendorf in Holstein stammende Schuhmacher und Musiker Johannes Friedrich Wilhelm Mundt, welcher in der Kaiserzeit mein Elternhaus in Süderbrarup erwarb und sich hier mit einer Schuhmacherei niederließ. In der Chronik der Gemeinde Süderbrarup ist zu lesen, daß er außerdem eine Musikkapelle leitete und im südlichen Angeln sehr bekannt war. Die Urgroßmutter, Anna Catharina Cordsen, war gebürtig aus dem nordfriesischen Sillerup. Mein Großvater mütterlicherseits, Otto Wilhelm von Deyen, stammte aus den Vierlanden in der Nähe Hamburgs und war von Beruf Kunstmaler. Mehrere seiner Ölgemälde befinden sich im Familienbesitz.
   Meine Mutter, Giesela von Deyen, wurde in Idstedtholzkrug geboren und wuchs in Süderbrarup auf. Sie war mit einem „Kappler Jung“ namens Hans Hermann Schmitz verlobt; aus dieser Verbindung bin ich hervorgegangen. Gravierende Meinungsverschiedenheiten führten jedoch zur Trennung der beiden. Als ich fünf Jahre alt war, heiratete meine Mutter den selbständigen Zweiradmechaniker und Kaufmann Egon Kraack aus Norderbrarup, der ab jetzt die väterliche Rolle übernahm.
   Meine Kindheit, die ich in Süderbrarup verbrachte, habe ich in recht guter Erinnerung. Im Alter von vier oder fünf Jahren entdeckte ich auf dem Dachboden des Elternhauses mehrere Rollen Tapetenreste, deren Rückseiten sich hervorragend für die ersten Malversuche eigneten. Zeichnen und Malen waren mir schon als Kind das liebste. Zum zwölften Geburtstag bekam ich von den Eltern einen Ölmalkasten und eine Feldstaffelei geschenkt, die ich heute noch benutze. In meinem „Atelier auf dem Dachboden“ entstanden die ersten Ölbilder auf Papier und Pappe.
   Ich war ein fleißiger Maler. Als Motiv diente mir alles mögliche, aber schon damals faszinierten mich Darstellungen von Landschaften. Eltern und Großeltern mußten auch herhalten, ich malte sie nach Photos ohne jegliche Vorzeichnung relativ abstrakt, aber doch verblüffend ähnlich. Leider ist nur Weniges davon erhalten geblieben.
   Gern und viel trieb ich mich bei meiner Großmutter herum, die eine Hälfte des Elternhauses bewohnte: Clara Margarethe Mundt war in erster Ehe mit Otto Wilhelm von Deyen, nach ihrer Scheidung mit dem aus Hattlund gebürtigen Johannes Petersen verheiratet, der 1962 vor meinen Augen plötzlich verstarb. An der Wand neben der Stubentür hing ihre Violine.
   Nachdem die Großmutter wintertags die Hausarbeit verrichtet hatte und es draußen dämmerte, spielte sie ihre „Schummerstundenmusik“. Das Repertoire bestand überwiegend aus alten Volksweisen und Kirchenliedern. In der Röhre des alten, hohen Kachelofens brutzelten die Bratäpfel und verbreiteten ihren herrlichen Duft. In dieser stimmungsvollen Atmosphäre lernte ich dann von der Großmutter Schritt für Schritt und ohne Noten das Geigenspiel und schon bald fiedelte ich „Am Brunnen vor dem Tore“ und „Ein feste Burg ist unser Gott“. Außerdem beschäftigte ich mich auch mit dem Erlernen des Spiels von akustischer Gitarre und Trompete, letzteres im Süderbraruper Posaunenchor.
   Meine Großeltern waren einfache, gutmütige und bescheidene Menschen, die mit ihrem Auskommen zufrieden waren. Sie hielten sich ein paar Hühner und auch ein oder zwei Schweine in einem geräumigen Stall mit Auslauf zum Garten. Gefüttert wurden die Tiere mit Küchenabfällen, Schrot, Korn, Kartoffeln und Grünzeug. Jedes Jahr wurde kurz vor Weihnachten ein Schwein geschlachtet. Dann waren viele eifrige Hände dabei allerlei Fleisch zu pökeln, Schinken zu räuchern und Würste zu machen. Tagelang gab es Schwarzsauer. Meine Familie war ganz wild darauf, ich weniger. Aber die Schweinebacke mit Grünkohl und besonders der geräucherte Schinken waren eine Delikatesse. Er hing an einem Balken auf dem Dachboden. So manches mal schnitten meine Spielkameraden und ich uns heimlich etwas davon ab. Wie herrlich das schmeckte! Meine Großmutter, eine liebe und fleißige Frau, die im Leben viel erleiden mußte, ist längst tot. Doch ihre Violine habe ich aufbewahrt, zur Erinnerung an eine schöne Zeit.
   Da wir in der Nähe der Kirche wohnten, ergab es sich, daß ich unserem Küster Friedrich Horstmann bei seiner Arbeit in der Kirche sowie auf dem Friedhof zur Hand ging und mir jahrelang eine erkleckliche Summe zum wöchentlichen Taschengeld des Vaters hinzuverdiente. Das Ersteigen des hohen Kirchturms mit dem phantastischen Ausblick war für meine Freunde und mich immer wieder ein Abenteuer, da wir es eigentlich nicht durften.
   Ein Süderbraruper Original war in meiner Kindheit der „Doofe Schooster“, ein gelernter Schuhmacher, der eigentlich Walter Lorenz hieß und auf der Meierei arbeitete. Er besuchte uns öfters und verkaufte meinen Großeltern manchmal etwas Butter und Käse. Auch führte er später als Rentner nebenher Flickschuster- und Gartenarbeiten aus. Der taube, schielende und ungepflegte alte Mann war uns Kindern ziemlich unheimlich. Er lebte recht anspruchslos und tat so, als wenn er völlig verarmt wäre. Wenn man ihn nach seiner finanziellen Lage befragte, verzog er das Gesicht und pustete geräuschvoll aus seinem zahnlosen Mund, um sogleich aus der Hosentasche einen Pfennig hervorzuholen, der seine Armut bezeugen sollte. Nach seinem Tod hinterließ der kauzige Junggeselle ein kleines Vermögen, aber keine Erben.
   Meine Kindheit erlebte ich auf dem Lande und somit in der Natur. Das kindliche Spiel vollzog sich auf Wiesen und Feldern, in Gärten und Wäldern, im Wechsel der Jahreszeiten. Mit einem Schulfreund unternahm ich im Sommer Fahrradtouren durch ganz Angeln, um die alten Dorfkirchen zu besichtigen und zu photographieren. Die Ausflüge mit der evangelischen Jungschar und die Klassenfahrten führten uns in die Hüttener Berge, ins Teufelsmoor bei Worpswede, auf die Insel Sylt und ins Weserbergland. Im Winter wurde gerodelt oder Eishockey gespielt, bis es stockdunkel war. Auch machten wir Jungs stundenlange Wanderungen durch die zauberhaft verschneite Winterwelt über schneebedeckte Wiesen und Felder bis hin nach Rabenkirchen. Im Sommer radelten wir fast jeden Tag zehn Kilometer zum Schwimmen an die Schlei nach Lindau und zurück. Es gab in den sechziger Jahren nicht gerade viele Spielsachen; dafür mußte man um so mehr Phantasie entwickeln. Wir Kinder machten aus wenig viel, Langeweile war für uns ein Fremdwort.
   Aber wir hatten auch allerhand dummes Zeug vor. Einmal stauten wir den Waldbach recht mühsam und sorgfältig mit Steinen, Zweigen und Blättern. Am nächsten Tag waren die angrenzenden Koppeln völlig überschwemmt. Hastig brachen wir den Staudamm ab, um Schlimmeres zu verhindern.
   Ein anderes mal war eine Heuwiese an der Oxbek unser Opfer: Wir warfen die Heudiemen in die Au und freuten uns diebisch darüber, wie die „Schiffe“ davonschwammen. Bauer Max Schröder, dem das Heu gehörte, und den wir respektlos „Fratzen-Max“ nannten erwischte uns leider, und zu Hause gab es ein fürchterliches Donnerwetter.
   Im „Möllerholt“ zimmerten wir uns eine Baumhütte aus massiven Brettern, die wir einer Tischlerei abgeschwatzt hatten. Danach saß unsere zehnköpfige Bande am heftig qualmenden Lagerfeuer und grillte die aus den elterlichen Speisekammern geklauten Steaks. Das Fleisch zwischen dem rohen und dem angebrannten Teil schmeckte besonders gut. Zum Nachtisch verzehrten wir die aus den nachbarlichen Gärten stibitzten unreifen Pflaumen, Birnen und Äpfel, von denen wir heftigen Durchfall bekamen.
   Natürlich wurden auch die ersten Zigaretten probiert, meistens im Wald oder in der stillgelegten Sandkuhle bei Lerchenfeld. Keck bliesen wir den Rauch aus der Nase, und beim Lungenzug waren wir furchtbar am Husten. Uns wurde entsetzlich übel. Wir warfen die Packung mit den Zigaretten weg, um sie am nächsten Tag wieder zu suchen und unsere Rauchversuche tapfer fortzusetzen. Einer meiner Freunde hatte sich eine Pfeife aus Holunderholz geschnitzt, in der er billigen Knaster paffte. Als mittlerweile erfahrener Pfeifenraucher kann ich mir aus heutiger Sicht nicht vorstellen, daß es ihm geschmeckt hat.
   Am Heidberg fingen wir im Frühjahr Ringelnattern, die wir in große Weckgläser sperrten und sie anschließend den kleinen Mädchen in der Nachbarschaft zeigten, die kreischend vor Angst davonliefen. Später setzten wir die Schlangen dann wieder am Heidberg aus, wo unter anderem auch unsere Indianerspiele stattfanden. Ein alter Baumstumpf diente uns dabei als Marterpfahl. Das Opfer war meistens ein schmächtiger Nachbarsjunge mit dem Spitznamen „Paffke“, der als rotzfrecher Lümmel im Dorf bekannt war; er bezog von uns ohnehin ständig Prügel. Einmal banden wir ihn halbnackt an den Baum und ließen unsere Wut an ihm aus. Danach suchten wir das Weite und überließen „Paffke“ gefesselt und geknebelt seinem Schicksal. Ich weiß bis jetzt nicht, wie der Geschundene wieder vom Marterpfahl loskam. Meines Wissens bekleidet er übrigens heute eine Stellung als Bankdirektor.
   Im Thorsberger Moor bauten wir ein wackeliges Floß und glitten damit übers Wasser. Einige von uns angelten oder badeten sogar in der Brühe. Früher wurde am Thorsberg Torf gestochen. Das konnte ich auch, dachte ich mir und karrte mit meinem Bollerwagen torfhaltige Erde von dort nach Hause, die ich zu großen Kugeln formte. Nachdem diese im Winter gefroren waren, landeten sie in Großmutters Kachelofen. Der Heizwert war sicher gleich null, aber von der Großmutter erhielt ich fünf Pfennige pro „Brikett“.
   Nun wird ja bekanntlich der Lebensweg eines Menschen gerade in seiner Kindheit stark geprägt, und hier sehe ich denn auch die Wurzeln für mein künstlerisches Schaffen. Die vielen schönen Naturerlebnisse, die sich bis heute fortgesetzt haben, waren und sind der Auslöser meiner Kreativität. Ich bin fest davon überzeugt, daß mein starkes und bleibendes Interesse an Musik und Malerei auch deshalb zustande kam, weil es zufällig im „richtigen Alter“ geweckt wurde. Man ist nun mal in seiner Kindheit phantasievoller, neugieriger und aufgeschlossener als in späteren Jahren. Interessant ist, in diesem Zusammenhang zu beobachten, wie aus manchen aufgeweckten und einfallsreichen Kindern infolge des Ausbleibens eines stimulierenden Schlüsselerlebnisses Erwachsene mit einem langweiligen Innenleben werden. Diese Menschen erwachen, ohne es zu wissen, niemals wirklich zu vollem Leben und verlieren sich im alltäglichen Trott. In ihnen schlummern ungeahnte Talente und Fähigkeiten, die leider ungenutzt verlorengehen, weil sie in der Kindheit nicht erkannt und gefördert wurden. 
   In der Schule gehörten Deutsch und Schönschrift neben Zeichnen und Musik zu meinen bevorzugten Fächern. Mit der Mathematik und ihren Verwandten hatte ich es überhaupt nicht, was denn auch zu so mancher Tragödie führte.
   Der Besuch der Süderbraruper Realschule erbrachte mir nicht viel, sie war mir zutiefst verhaßt. Etwas zu lernen, was mich nicht interessierte, dazu noch unter Zwang, schaffte ich nicht. Es gelingt mir auch heute noch nicht. Wesentlich mehr gab mir die kontinuierliche Freizeitbeschäftigung mit Büchern jeglicher Art, deren Texte ich wißbegierig verschlang, und deren Bilder ich nachzeichnete und abmalte.
   Unter dem Deckmantel der damals noch gesetzlich erlaubten Prügelstrafe tummelten sich so einige sadistische Pädagogen. Tagtäglich konnten sie ihre Gemeinheiten an uns wehrlosen Schülern ungehindert ausleben.
   Ein Lehrer, den wir „Kuddel Rübe“ nannten, hatte einen großen Pranger in Form einer Namensliste aus leuchtend gelber Pappe angefertigt, in welchen er die Verfehlungen seiner Schüler sauber, auffällig und regelmäßig in roter Schrift eintrug. Dieser Pranger hing, für jedermann gut sichtbar, neben der Tür zum Klassenzimmer.
   Ein anderer Lehrer, der hauptsächlich Englisch und Sport unterrichtete, war ein besonders grausamer Sadist. Im Englischen quälte er uns psychisch, im Sport physisch. Ich erinnere mich, daß ich die „Rolle vorwärts“ am Barren nicht zustande brachte. Ich konnte nicht „abbremsen“, was zur Folge hatte, daß ich mit den Innenseiten der Oberschenkel hart auf beide Holme aufschlug. Das hatte er bemerkt, und ich mußte diese Übung wieder und wieder durchführen, bis meine Oberschenkel großflächige Blutergüsse aufwiesen. Nachts konnte ich vor Schmerzen nicht schlafen. Meinen Eltern erzählte ich davon nichts, weil ich mich schämte. Die Qualen waren erst vorbei, als ich den Mut aufbrachte, mir ein ärztliches Attest einzuholen, welches mich vorübergehend vom Sportunterricht befreite.
   Es blieb natürlich nicht aus, daß wir Schüler während des Unterrichts gelegentlich schwatzten. Eine Lehrerin tadelte mich deswegen eines Tages recht heftig und beendete ihre Ausführungen lapidar mit dem Sprichwort: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!“ Worauf ich schlagfertig erwiderte: „Ich bin aber auch mit Silber zufrieden!” Da konnte die alte Megäre nun nichts dagegenhalten, jedoch hatte ich mir mit dieser Ungehörigkeit im nächsten Zeugnis folgende Bemerkung eingehandelt: „Adelbert stört häufig schwatzend den Unterricht.“ Ein weiteres Zeugnis enthielt den Vermerk: „Adelbert ist faul, vergeßlich und träge, oft abgelenkt und lenkt ab.“ Diese Sprüche motivierten mich jedoch nicht im Geringsten zur Besserung. Im Gegenteil: Mein konstantes Desinteresse an dem ganzen Schulbetrieb bescherte mir schließlich ein Zeugnis, das in seiner negativen Aussage und der Fülle an schlechten Noten wohl kaum noch zu übertreffen war. Die Versetzung in die nächste Klasse war gefährdet. Zweifellos waren bei mir Hopfen und Malz verloren.
   Was damals niemand, außer meiner Großmutter, ernst nahm: Das Vorhaben, Künstler zu werden, und an dem ich auch trotz vieler Umstimmungsversuche der Erwachsenen hartnäckig festhielt, stand für mich schon in meiner Kindheit fest! Wozu sollten mir da Fächer wie Mathematik, Algebra und Physik nützlich sein? Malen und Musik kamen in der Schule ohnehin immer viel zu kurz, also beschäftigte ich mich damit so oft wie möglich in meiner Freizeit, statt meine geistige Energie in langweilige Hausaufgaben zu investieren. Instinktiv habe ich damals schon geahnt, daß mich einzig und allein mein künstlerisches Talent im Leben weiterbringen würde, und die Richtigkeit dieser Vermutung sehe ich heute bestätigt.
   Realschuldirektor Geyer schlug mich eines Tages im Jähzorn mehrfach hart ins Gesicht, weil ich zwischen zwei Unterrichtsstunden ein Stückchen Kokosnuß gegessen hatte, welches mich am Sprechen und somit kurzfristig an der aktiven Teilnahme des Unterrichts hinderte. Er schickte mich nach der „Abstrafung“ mit Nasenbluten nach Hause. Meine Eltern stellten ihn zur Rede. Umsonst. Ich mußte die Realschule verlassen und fand mich nach den Ferien, allerdings ohne sitzen zu bleiben, in der achten Klasse der Hauptschule wieder. Hier fiel mir das Lernen erheblich leichter, nicht zuletzt, weil die Lehrer wesentlich humaner waren. Meine guten Noten, die ich fortan erreichte, schützten mich außerdem vor Prügel. Wenn man von einer Ausnahme absieht: Ausgerechnet in meinem subjektiv schwersten Fach, der Mathematik, hatte ich eines Tages nicht ohne Stolz eine Eins geschrieben. Unser alter Lehrer Alex Hinz wollte das nicht glauben, er war der Meinung, ich hätte von meinem Tischnachbarn abgeschrieben. So durfte ich denn eine der Aufgaben aus der besagten Rechenarbeit vor den Augen meiner Mitschüler an der Wandtafel nachvollziehen. Es kam, was kommen mußte: Unkonzentriert und aus Angst vor einem eventuellen Versagen errechnete ich eine falsche Lösung. Damit war für Alex der Beweis des Abschreibens erbracht und links und rechts gab es Ohrfeigen, so daß ich Sterne sah. Dabei hatte ich wirklich nicht abgeschrieben! Mein Tischnachbar erzielte merkwürdigerweise nur eine Vier in der besagten Rechenarbeit. Konnte es nicht sein, daß er bei mir abgeschrieben hatte?
   Später, als junger Mann, habe ich Alex den Vorfall dann noch einmal bei einer passenden Gelegenheit wahrheitsgemäß aus meiner Sicht geschildert. Auf die ungerechte Strafe hin angesprochen meinte er nur in seinem typischen Plattdeutsch: „Dat hett Di lieckers gud dahn, Du levst jo noch!“
   1969 hatte ich die Schulzeit, Gott sei Dank, mit einem doch noch recht passablen Abschlußzeugnis endlich hinter mir. Ein neuer Abschnitt sollte beginnen: Die weitaus interessantere und wesentlich gewichtigere Schule des Lebens.

Aus dem Buch
"ADELBERT VON DEYEN - BILDER MEINES LEBENS
Autobiographie und Werkschau eines Künstlermenschen"
Erstveröffentlichung 2003 / Copyright Adelbert von Deyen

Angehängte Bilder zum Kapitel:
1. Geburts- und Elternhaus um 1950; 2. Als 14jähriger; 3. Eines meiner ersten Gemälde, "Bergkirche", Öl auf Malkarton, 30 x 40 cm, AvD 1968; 4. "Winterlandschaft", Öl auf Malkarton, 70 x 50 cm, AvD 1969.


Hochgeladene Bilder

Beitrag geändert von Adelbert von Deyen (2007-01-18 13:18:16)


Ich male nicht, um mich auszudrücken, sondern um zu beeindrucken.
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#2 2007-01-10 17:58:48

Adelbert von Deyen
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Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

Adelbert von Deyen - BILDER MEINES LEBENS - Autobiographie

2) Lehrjahre sind keine Herrenjahre

   Da mir durch meine eher durchschnittlichen schulischen Leistungen das Abitur und somit ein Studium der Malerei versagt blieben, mußte ich mich mit einem Lehrberuf zufrieden geben. Zum Leidwesen meiner Eltern wurde es eine Ausbildung, die mit Zeichnen und Malen zu tun hatte. Ich taugte ja zu nichts anderem. Den Eltern wäre es sicher lieber gewesen, wenn ich einen handwerklichen oder kaufmännischen Beruf ergriffen hätte, um irgendwann einmal den elterlichen Betrieb zu übernehmen. So aber wurde ich Positiv-Retuscheur. Diese Tätigkeit hat mir immer viel Freude bereitet; sie war zudem eine solide Grundlage für meine spätere Malerei.
   In der Flensburger Reproduktionsanstalt Felix Köhring erlernte ich von 1969 bis 1972 das Retuschieren von Photos. Was macht ein Positiv-Retuscheur? Fast jede Photographie, die reproduziert und anschließend gedruckt werden soll, weist Fehler oder Mängel auf. Der Retuscheur beseitigt diese direkt auf dem Original (Positiv) mit Hilfe eines kleinen Spritzapparates (Airbrush), Pinseln und Spezialfarben. Lichtreflexe, Kratzer und Flecken werden entfernt, Wolken gespritzt, störende Elemente im Bild wie Masten und Drähte beseitigt, bei Porträts Falten und Pickel entfernt, kurzum: Die Photos werden geschönt. Montagen werden angefertigt, fehlende Elemente eingemalt, Verzerrungen korrigiert, Schriftzüge ausgebessert oder neu gezeichnet, Schwarzweiß-Photos koloriert und so weiter. Schließlich ist man sogar in der Lage, ein Photo anhand einer einfachen Skizze zu konstruieren. –  Das war hochinteressant.
   Im ersten Lehrjahr mußte ich zunächst jedoch viele Fingerübungen machen. Das war äußerst monoton und langweilig: Tagelang zog ich mit Pinsel und Ziehfeder Striche am Lineal entlang, ganze Stapel voller Blätter!
   Freihandzeichnen, Perspektiv- und Farbharmonielehre, Negativretusche sowie reprotechnische Arbeiten in der Dunkelkammer gehörten ebenfalls zur Ausbildung. Ab und zu gab es auch mal was hinter die Ohren, aber das war sicherlich gut gemeint. Lehrjahre sind nun mal keine Herrenjahre.
   Doch auch eine andere Lehrzeit beschäftigte mich sehr: Die erste Frau meines Lebens. Sie war etwas jünger als ich, aber doch schon sehr erfahren. Ich nannte die Kleine zärtlich „Püppi“, sie war so süß! Wir liebten uns heiß und innig; meistens in meinem ersten Auto, einem alten, roten Porsche 356. Zukunftspläne wurden geschmiedet. Was waren wir bloß naiv! Nach zwei wunderschönen, gemeinsamen Jahren trennten sich unsere Wege; sie hatte einen anderen. Es tat so weh, ich konnte tagelang nichts essen. 25 Jahre später trafen wir uns zufällig auf der griechischen Insel Rhodos noch einmal, beide anderweitig gebunden. Wir hatten uns nicht mehr viel zu sagen.
   Von meinem alten Ausbilder Richard Kötsche lernte ich viel und gut, auch menschlich. Bereits nach zwei Jahren konnte ich ihn während seines Urlaubs vertreten und durfte, völlig auf mich allein gestellt, die Photos für die verschiedenen Druckereien und Verlage nach deren Vorgaben retuschieren, was für mich eine verantwortungsvolle Aufgabe bedeutete.
   Jeden Donnerstag besuchte ich die Gewerbliche Berufsschule in Flensburg. Der heute sehr bekannte Maler und Graphiker Otto Christian Schade aus Hörup war in unserer Klasse Lehrer für Fachzeichnen. Ich habe ihn als sehr akribisch in Erinnerung, allerdings im positiven Sinne. Er hatte es, weiß Gott, nicht immer leicht mit uns. Es war die Zeit des „Sex and Drugs and Rock´n Roll“ und wir Berufsschüler machten damals viel Unfug, ohne auch nur den geringsten Respekt vor den Lehrern zu haben.
   Da ich jetzt täglich mit Pinsel und Farbe zu tun hatte, suchte ich in der Freizeit nach einem Ausgleich. Diesen fand ich in der Musik, die fortan im Vordergrund meines künstlerischen Strebens stand. Ich lernte Dieter Schütz kennen, der mein Leben entscheidend beeinflussen sollte.
   Ich gehörte zu einer kleinen Gruppe gleichaltriger Auszubildenden der verschiedensten Berufe, die täglich mit dem Zug von Süderbrarup nach Flensburg und zurück pendelten. Eines Tages stieg in Sörup ein „Neuer“ zu: Ein etwas südländischer Typ, mittelgroß, schlank, braune Augen, schwarze Haare und ziemlich blaß. Es war Dieter Schütz. In der Berufsschulklasse traf ich ihn wieder, er hatte eine Ausbildung zum Lithographen beim Christian-Wolff-Verlag in Flensburg begonnen. Durch unsere Wesensverwandtschaft wurden wir schnell Freunde.
   Nach dem Unterricht in der Berufsschule dauerte es meistens noch ein paar Stunden, bis der Zug abends Richtung Heimat fuhr. Zeit genug für uns, um in Flensburgs Musikgeschäften in Bergen von Schallplatten herumzustöbern und die eine oder andere probehalber anzuhören. Dieter Schütz war in seiner Freizeit E-Gitarrist in einer Rockgruppe, Musik war seine große Liebe. Einmal wurde ich Zeuge, wie er einen Großteil seiner Ausbildungsvergütung auf den Kopf haute, indem er gleich ein Dutzend Langspielplatten auf einmal erstand! Das beeindruckte mich tief. Ich war auf einen Menschen gestoßen, dem seine Leidenschaft etwas wert war. Wir hatten fortan nur noch ein unerschöpfliches Thema: Die Tonkunst.
   Auch als ich nach meiner bestandenen Gehilfenprüfung beim Axel-Springer-Verlag in Hamburg tätig wurde, blieben wir in Kontakt. Mehr noch: Aus der gemeinsamen Freude an der Musik entstand eine Freundschaft fürs Leben, die jedoch schicksalsbedingt nur von kurzer Dauer sein sollte.
   So zog ich denn im Sommer 1972 etwas wehmütig in die große Stadt an der Elbe, um neue Berufs- und Lebenserfahrungen zu sammeln.

Aus dem Buch
"ADELBERT VON DEYEN - BILDER MEINES LEBENS
Autobiographie und Werkschau eines Künstlermenschen"
Erstveröffentlichung 2003 / Copyright Adelbert von Deyen

Angehängte Bilder zum Kapitel:
Übungsarbeiten nach den Originalen Alter Meister; mit Airbrush, Pinseln und Spezialfarben durchretuschierte und anschließend kolorierte Schwarzweiß-Photos, AvD 1971, je 30 x 20 cm.


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#3 2007-01-10 18:55:24

Adelbert von Deyen
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Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

Adelbert  von Deyen - BILDER MEINES LEBENS - Autobiographie

3) Musik liegt in der Luft

   In Hamburg-Eppendorf wohnte ich in einem großen möblierten Zimmer bei einer alten Witwe in einer riesigen Altbauwohnung recht komfortabel und pinselte nebenher ein paar Aquarelle. An den „Akt in Gold“ kann ich mich noch gut erinnern: Eine schöne junge Frau mit einem sehr sinnlichen Gesicht hatte ich hingemalt, in gelben und ockerigen Tönen. Ich zeigte das Bild meinen Retuscheur-Kollegen, die milde lächelten. Später vernichtete ich es leider. Robert Müller, ein väterlicher Kollege, malte in seiner Freizeit große Pastelle in einer recht seltsamen Mischung aus Picasso und Turner. Die Bilder sahen aus wie bunte Glasfenster. Er verkaufte viel und gut.
   Meine Tätigkeit beim Axel-Springer-Verlag in Hamburg dauerte nur kurz, einundzwanzigjährig mußte ich 1974 zum Barras. Glücklicherweise konnte ich den Wehrdienst in Süderbrarup verrichten, dem Freund aus Sörup nahe.
   Der hatte sich inzwischen ein kleines Musikstudio eingerichtet, bestückt mit allen möglichen Instrumenten und Geräten. Hier experimentierte und komponierte er, alles auf Tonband aufnehmend. Neben der Klassik war er stark beeinflußt von Gruppen wie Moody Blues, Genesis und Pink Floyd. Gelegentlich malte er seine surrealistisch anmutenden Aquarelle, zumeist Traumlandschaften, die visuell gut zu seiner warmherzigen Musik paßten.
   Dieter Schütz war ein lebensfroher, humorvoller Mensch und wir hatten viel Spaß. Jeder, der ihn kannte, mochte ihn. Aber er war auch nachdenklich und tiefsinnig. Ich erinnere mich an so manches ernste Gespräch bis weit in die Nacht hinein. Sein persönliches Engagement galt unter anderem den Kindern in der Dritten Welt. Das Wohl der Tiere lag ihm immer sehr am Herzen, insbesondere das Schicksal der vom Aussterben bedrohten Wale und Delphine. Er hat das Thema später auch musikalisch verarbeitet.
   Künstlerisch hielt er sich nicht lange mit Kleinigkeiten auf, es trieb ihn immer weiter und weiter mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Sein schöpferisches Arbeitspensum war enorm. Den Kopf voller kreativer Ideen, die sich augenblicklich in die Tat entluden, brachte er es manchmal fertig, an einem Tag vier bis fünf verschiedene Titel zu komponieren; einschließlich instrumentieren, aufnehmen und abmischen. Als ich ihn abends besuchte, spielte er mir das Tonband vor und sagte so ganz nebenbei: „Das hab’ ich heute gemacht.“ Und war mal, was selten genug vorkam, ein falscher Ton dabei, so war es ihm egal. Die Komposition war im Kern richtig, und darauf kam es an. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, als wenn er instinktiv ahnte, daß ihm nicht viel Zeit blieb. Als er starb, hatte er über 500 Titel komponiert! Leider wurde nur ein Bruchteil davon veröffentlicht.
   Während meiner Zeit als Soldat kamen wir zu unseren sporadischen „Sessions“ zusammen. Dieter zeigte mir die Akkorde sowie den einen oder anderen Trick. Etwas Harmonielehre, Dur und Moll waren auch dabei und bald war ich in der Lage, meine eigene elektronische Musik zu produzieren.
   1977, den ungeliebten Kommiß hinter mir, verschlug es mich beruflich nach Lübeck. Hier mietete ich mich in eine kleine und gemütliche Altbau-Mansardenwohnung ein. Um den Feierabend sinnvoll zu nutzen (abends um die Häuser ziehen war nie mein Ding), kaufte ich mir endlich einen gebrauchten Synthesizer, mehrere elektronische Tasteninstrumente sowie eine Tonbandmaschine und noch ein paar Kleinigkeiten, die man zum Musikmachen so braucht. Wo das Geld nicht reichte, half die Bank. Tagsüber arbeitete ich als Retuscheur bei den Lübecker Nachrichten, abends komponierte ich meine elektronischen Sphärenklänge, oft bis tief in die Nacht hinein. So manchen Morgen erschien ich vollkommen ausgebrannt und übernächtigt zu spät an meinem Arbeitsplatz, was mir sehr peinlich war. Bei meinem Abteilungsleiter hatte ich aber anscheinend einen Stein im Brett, er war mir gegenüber immer sehr großzügig und nachsichtig.
   An den Wochenenden besuchte ich regelmäßig meine Eltern in Süderbrarup. Auch war ich dort mit einer jungen Schönheit verlobt und mußte meinen vorehelichen Verpflichtungen nachkommen. Zusammen hatten wir immer allerhand Kurzweil und stets etwas vor, meistens kulturelle Unternehmungen und Ausflüge mit unseren gemeinsamen Freunden. Am frühen Montagmorgen fuhr ich dann wieder zurück zur Arbeit in die alte Hansestadt an der Trave.
   Eines Tages, an einem arbeitsfreien Nachmittag, fiel mir auf einmal siedend heiß ein, daß ich mich mit meinem Bruder in Brokstedt bei Neumünster verabredet hatte. Eiligst verließ ich meine Lübecker Wohnung, schwang mich in meinen altersschwachen VW-Bus und ab ging die Post. Kurz hinter Bad Segeberg überholte mich ein Polizeiauto und kriegte auch prompt die Kelle raus. Ich hielt an, was soll man auch schon anderes machen?
   „Ihren Führerschein bitte,“ sagte einer der beiden Polizisten. Ich schaute in mein Handschuhfach. Kein Führerschein. „Hab’ ich nicht bei mir,“ sagte ich. „Aber Sie besitzen doch wohl einen, oder?“ fragte mich der Beamte. „Ja, natürlich,“ erwiderte ich. „Dann zeigen Sie mir doch bitte mal Ihren Fahrzeugschein.“ Ich suchte und suchte. Nichts zu machen. „Hab’ ich auch nicht dabei.“ Der andere Wachtmeister ging derweil um mein Auto herum und sagte: „Steigen Sie bitte mal aus.“ Er schaute mir auf die Füße. Ich mir auch. Das durfte nicht wahr sein: Ich hatte noch meine Puschen an!
   „Sie haben getrunken,“ stellte einer der Wachtmeister fest. „Ja, aber nur ein Gläschen zum Essen!“ beteuerte ich. „Sie sind zu schnell gefahren und eines Ihrer Rücklichter ist defekt, die Kennzeichenbeleuchtung ebenfalls. Außerdem ist ihr rechter Hinterreifen abgefahren. Und zum TÜV müßten Sie auch schon längst gewesen sein. Kommen Sie bitte mal mit.“
   Ich dachte, ich sei nun verhaftet und stieg mit den beiden ins Polizeiauto. „Können Sie sich wenigstens ausweisen?“ fragte mich einer der Polizisten. Doch das konnte ich auch nicht. Wußte der Teufel, wo ich meinen Ausweis gelassen hatte. Per Funk überprüften die Polizeibeamten meine Angaben zur Person und stellten schnell fest, daß soweit alles in Ordnung war. „Sind Sie mit einem Verwarnungsgeld von zwanzig Mark einverstanden?“
   So eine dumme Frage, dachte ich, das mußte ich ja wohl sein, oder wollten die beiden am Ende gar mit mir handeln? „Möchten Sie gleich bezahlen?“ Ich bejahte und suchte verzweifelt mein Portemonnaie. Nicht zu finden. „Tut mir leid,“ sagte ich, „aber ich habe kein Geld dabei.“     
   Wir einigten uns schließlich darauf, daß ich die Summe überweisen, das Auto in Ordnung bringen und meinen Führerschein am anderen Tag auf der Wache vorzeigen sollte. Was ich dann auch gemacht habe. So war ich noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.
   Ich hatte noch vor, den beiden freundlichen Polizeibeamten aus reiner Dankbarkeit für die milde Strafe eine Flasche Cognac zukommen zu lassen, habe den Gedanken aber wieder verworfen. Was wohl auch besser war.
   Nach etwa acht Monaten hatte ich die ersten Kompositionen fertiggestellt. Ich schickte Tonbandkopien an mehrere Plattenfirmen mit der Bewerbung um einen Vertrag und hatte sofort Glück: Die Hamburger Firma „sky-records“ (bei der Dieter später auch unterkam) bekundete Interesse an meiner Musik, und 1978 wurde meine erste Schallplatte unter dem Titel „Sternzeit“ in einem von mir selbst gemalten Cover weltweit veröffentlicht. Was war ich stolz!
   In Lübeck schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Es fand eine Pressekonferenz mit Autogrammstunde statt, im Pressezentrum sogar eine LP-Signierstunde. In allen Lübecker Musikgeschäften lag die Platte aus, allein hier wurden innerhalb eines Jahres etwa tausend Exemplare verkauft! Große bebilderte Zeitungsartikel beschäftigten sich mit dem jungen Nachwuchsmusiker, der jetzt in der altehrwürdigen Stadt „bekannt war wie ein bunter Hund“ (Pressetext). Die Stadthalle verhandelte mit mir über ein Konzert, welches dann auch zustande kam, jedoch in ein Lübecker Kino verlegt wurde. Es war brechend voll. Parallel zur Musik flimmerte ein Film mit einem Weltraum-Szenario über die Leinwand.
   Es kam „Fanpost“ aus aller Welt, manchmal bis zu zwanzig Briefe täglich. Zu Hause in Angeln war die Reaktion auf mein Werk eher verhalten. Auch bei Dieter. Ich hatte meine Soloaktivitäten ihm gegenüber geheimgehalten, er erfuhr sie aus dem Flensburger Tageblatt. Wir telefonierten stundenlang. Er war mir sehr böse. Ich wollte ihm ein Gratisexemplar meines ersten Werks zukommen lassen, aber er hatte sich die Platte schon gekauft. Sie gefiel ihm überhaupt nicht; die Musik war ihm zu blaß, monoton und nichtssagend. Viel schmutzige Wäsche wurde gewaschen. Es war nicht schön und holte mich dann auch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
   Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, daß dieser gewagte Schritt für mich außerordentlich wichtig war, zumindest in punkto künstlerischer Selbständigkeit. Dieter jedoch hielt mich noch nicht reif genug für eine Schallplattenproduktion. Von frühester Kindheit an hatte er sich mit Musik beschäftigt, und jetzt kam so ein Dilettant wie ich daher, um in kürzester Zeit ohne weitere Vorbildung und Erfahrung eine Schallplatte zu veröffentlichen. Die Kunst der Musik war ihm heilig und insofern war es in seinen Augen fast schon Blasphemie, was ich da mit meinem Alleingang angerichtet hatte.
   Ich setzte sogar noch einen drauf: Ich kündigte meine Stellung bei den Lübecker Nachrichten, um Berufsmusiker zu werden und mietete zusammen mit meiner schönen Verlobten das große Abnahmehaus des Hofes Norgaard in Gintoft. Die „Sternzeit“-LP hatte mir einiges Geld eingebracht, so daß ich die Zeit bis zur nächsten Langspielplatte finanziell sorglos überbrücken konnte. Vertragliche Bindungen an „sky-records“ bewirkten, daß von nun an jedes Jahr ein neues Werk von mir veröffentlicht werden sollte.
   1979 erschien mein zweites Album unter dem Titel „Nordborg“. Es hatte thematisch die Schneekatastrophe zum Inhalt, die ich mit Freunden während eines Kurzurlaubs zum Jahreswechsel 1978/79 in Nordborg auf der dänischen Insel Alsen erlebte. Die Platte wurde als „Meditation einer Schneelandschaft“ vermarktet und war in ihrem Stil dem Vorgänger ähnlich. Das Cover hatte ich erneut mit einer surrealistischen Airbrush-Illustration gestaltet. Wieder kam herbe Kritik von Dieter, die diesmal in einem heftigen Streit eskalierte. Selbstbewußt, wie wir beide waren, mußte es wohl so kommen. Danach herrschte über ein Jahr lang Funkstille zwischen uns, wir litten beide sehr darunter.
   Im Gintofter Heimstudio komponierte ich während dieser Zeit wie ein Besessener, um meine dritte LP zu produzieren. Immer wieder und wieder spielte ich dieselben Passagen aufs Tonband, bis sie hundertprozentig paßten.
   Ich experimentierte mit meinen Synthesizern und suchte neue Klänge, den Termindruck im Nacken. Der technische Aufwand war immens. Sogar einen E-Gitarristen und einen Schlagzeuger hatte ich engagiert. Auch Großmutters alte Violine kam, von mir gespielt, zum Einsatz. Dann endlich die Anfertigung des Masterbandes und der letzte Schliff in einem professionellen Hamburger Tonstudio. Weit über tausend Stunden Zeit und eine nicht unerhebliche Summe Geldes hatte ich in die Produktion meines Albums „Atmosphere“ investiert, nicht ahnend, daß es mein bestes und erfolgreichstes werden sollte. Später wurde es dann noch einmal als CD aufgelegt. Der bekannte Schweizer Surrealist Urs Amann stellte ein zur Musik thematisch passendes Ölbild für die Plattenhülle zur Verfügung: In ockerbraunen Farbtönen geht eine riesige, nebelschleierverhangene Sonne über dem Meer auf, an dessen Strand einsam und verlassen ein Boot liegt. Die Reaktionen auf dieses Opus waren äußerst heftig und durchweg positiv, besonders im Ausland. Der von dem Album für mehrere LP/CD-Sampler ausgekoppelte Titel „Time Machine“ wurde sogar ein Instrumental-Hit, der sich rund fünfzigtausend mal verkaufte!
   Als Solist wagte ich mich gelegentlich auch auf die Bühne. Ich hatte mir neben meinem bereits vorhandenen umfangreichen Instrumentarium eine komplette Lautsprecheranlage zugelegt und war somit in der Lage, Konzerte zu bestreiten. Tourneen führten mich von 1978 bis 1984 kreuz und quer durch Westdeutschland bis hin nach Heidelberg am Neckar und Hof in Bayern.
   Der Ablauf eines Konzerts fand im Teilplayback-Verfahren statt. Ich saß im Schneidersitz auf der Bühne mit dem Rücken zum Publikum, um mich herum die verschiedenen Tasteninstrumente. Wichtige Teile der Musik wie Akkorde, Rhythmen und Naturgeräusche waren auf einem Tonband gespeichert, das, sichtbar auf der Bühne plaziert, ablief. Zu diesem „Orchester“ spielte ich dann auf dem jeweiligen Instrument ein Solo. Oder ich spielte auf der Gitarre und sang zum Playback. Auch war genügend Raum für Improvisationen im Programmablauf vorgesehen. Visuell kamen neben Lichteffekten auch Film-Sequenzen, Dias und Trockeneis-Nebel zum Einsatz. Die Reaktionen des Publikums auf diese Musikvorträge waren sehr unterschiedlich, der Bogen spannte sich von frenetischem Beifall bis hin zu Pfiffen und Buh-Rufen. Diese überraschten mich zwar, ließen mich jedoch ziemlich kalt.
   Meine technische Ausrüstung fuhren wir in einem geliehenen klapperigen Kleintransporter durch die Gegend, der ständig den Geist aufgab. So mußten wir zum Beispiel während einer Tournee mehrere Radwechsel durchführen, weil das Fahrzeug völlig überladen war und die Räder der Belastung nicht standhielten. „Wir“, das waren neben mir noch mein Bruder Michael, der auch als Toningenieur fungierte, sowie seine beiden Freunde Ulf und Michael II, die sogenannten „Roadies“.
   Das Bemerkenswerte an meinen drei Tourneehelfern war, daß sie erst vierzehn bis fünfzehn Jahre alt waren. Die Jungs legten jedoch einen unglaublichen Enthusiasmus an den Tag und alles klappte wie am Schnürchen, was man von den in der Zeit zuvor von mir engagierten „Profis“ nicht gerade sagen konnte.
   Einmal hatten wir zwischen zwei Konzertterminen keine einigermaßen preiswerte Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Zwangsläufig steuerten wir den nächsten Autobahn-Rastplatz an und schliefen kurzerhand im LKW. Einer von uns vorne im Fahrerhaus, wir anderen hinten auf den Kästen und Kisten, in denen die Instrumente und Geräte verstaut waren. Die Fenster hielten wir aus Sicherheitsgründen geschlossen. Ich erwachte frühmorgens, weil mir etwas ins Gesicht tropfte: Es war das Kondenswasser unserer Ausdünstungen, das sich über Nacht am inneren Wagendach gebildet hatte. Mit schmerzenden Gliedern verließen wir die beinharte Bettstatt, um nach notdürftigem Waschen ein teures Frühstück in der Raststätte einzunehmen.
   Tourneen im Rockmusik-Geschäft sind meistens anstrengend und stressig und man kann wahrlich von Glück reden, wenn am Ende unterm Strich etwas übrig bleibt. Abgesehen davon ist das Leben aus dem Koffer bestimmt nichts für Jeden.
   Ulf, unser pubertierender „Youngster“, war ständig am Pennen. Er konnte sogar im Stehen schlafen. Sein Zigarettenkonsum war recht beachtlich, sein Appetit unglaublich und seine Kraft unbändig. Wenn er mal nicht schlief, trug er viel zu unserer Unterhaltung bei. Das war besonders dann der Fall, wenn er einen über den Durst getrunken hatte, und Ulf war immer durstig.   
   Dieter und ich trafen uns wieder gelegentlich, und mit der Veröffentlichung meiner vierten LP „Eclipse“ war die Eiszeit zwischen uns endlich vorbei. Mein neues Werk bestand nämlich zu einem großen Teil aus bodenständigen, teilweise sozialkritischen Liedern und Softrock-Balladen. Ich hatte diese überwiegend auf der Akustikgitarre in C-Dur, der Tonart des hellsten Lichts, komponiert; meinen selbstgesungenen Text mit einbringend. Das fand die Anerkennung des Freundes.
   Dieser hatte inzwischen seine erste Langspielplatte auf dem „IC“- Label des berühmten deutschen Elektronik-Komponisten Klaus Schulze veröffentlicht. Fortan waren wir Künstlerkollegen wieder im Einklang. Die Freundschaft harmonierte besser als je zuvor, und so mancher Flasche Wein wurde während unserer Zusammenkünfte der Hals gebrochen.
   Gemeinsam produzierten wir dann 1983 die Instrumental-LP „Inventions“, wobei Dieter das weitaus meiste Material einbrachte. „Kleine Perlen“ nannte er die einzelnen Stücke, und das war richtig gesagt. Leider fand dieses meiner Meinung nach sehr gelungene und interessante Album nicht die Resonanz, die es verdient hätte. Was wohl hauptsächlich an der Plattenfirma lag, die sich zu wenig für den von uns erhofften Erfolg einsetzte. Vielleicht war die Scheibe auch nicht zeitgemäß genug. Schöne Solo-Produktionen von Dieter wurden dann in den folgenden Jahren auf dem sky-Label veröffentlicht. Er hat die Musik übrigens nie professionell ausgeübt und immer in seinem erlernten Beruf gearbeitet, bar jeglicher materieller Sorgen.
   Für manche Leute hatten wir jetzt den Status von internationalen Stars erreicht, obwohl doch nur unsere Musikkonserven als Exportartikel das Land verließen. Wir selbst waren lupenreine Provinzler und waschechte Angeliter, für die es schon ein Ereignis bedeutete, die Landesgrenzen von Schleswig-Holstein zu überschreiten.
   In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine gemeinsame Reise zum WDR nach Köln, die wir sicherheitshalber und der Bequemlichkeit wegen mit der Bahn unternahmen. Anderthalb Stunden sollte unsere Musik über den Sender gehen, umrahmt von einem Live-Interview im Stil einer Talkshow. Das war natürlich was! Reichlich angesäuselt (Dieter hatte eine Flasche Whisky im Gepäck) kamen wir abends auf dem Hauptbahnhof in Köln an. Nachdem Dieter und ich uns in einem schmuddeligen, drittklassigen Hotel eingemietet hatten, marschierten wir schnurstracks ins Funkhaus.
   Entsprechend unseres Zustands verlief auch die Sendung. Nichts war vorbereitet. Das Interview war das reinste „Brainstorming“ und der Moderator benutzte in seinen komplizierten Fragen Fremdwörter, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gehört hatte. Dieter hatte von uns beiden die besseren Nerven und fiel mir immer dann ins Wort wenn ich mich anschickte, Blödsinn zu reden. So zog er uns einigermaßen aus der Affäre und wir waren erleichtert, als das Ganze endlich hinter uns lag.
   Am Rande dieses denkwürdigen Ereignisses passierten dann auch noch so einige Zwischenfälle und wir haben uns später köstlich darüber amüsiert. Bei diesen Anekdoten, die das Leben schrieb, möchte ich ein wenig verweilen.
   Dieter war zu der Zeit gerade am Umziehen von einer Wohnung in die andere. Das meiste Inventar war schon verpackt und weitgehend weggeschafft, nur die Lampen hingen noch. Dieter hatte sich von einem Fachmann sagen lassen, daß er die Kabel einfach durchschneiden könne, um die Lampen zu transportieren. Er müsse allerdings vorher die Sicherung herausdrehen. Das machte er dann zum Glück auch.
   Im Wohnzimmer stieg Dieter, mit einer Schere bewaffnet, auf einen Stuhl und schnitt das Kabel der Hängelampe kurzerhand mittendurch. Allerdings ohne sie festzuhalten. Es konnte seiner Meinung nach gar nichts passieren, weil die Lampe an einem Haken hing, der hinter der Abdeckkapsel unterhalb der Zimmerdecke verborgen war. Ein fataler Denkfehler, denn das Kabel war ja Stromversorgung und Aufhängung zugleich.
   Fazit: Die Lampe sauste nach unten mitten durch einen Glastisch, der darunter stand. Beides war nur noch ein einziger Trümmerhaufen. So kam Dieter zu einer neuen Lampe und einem neuen Tisch, und von seiner Frau erhielt er eine Abreibung gratis dazu.
   Kurz darauf war Dieter zum Einkaufen im Supermarkt. Er hatte einen Zettel mitbekommen, auf dem alles stand, was er besorgen sollte. Und das war eine ganze Menge. Mit großer Sorgfalt bestückte er denn auch seinen Einkaufswagen, alles der Reihe nach und mit System. Als er damit fast fertig war, traf er einen Bekannten und kam mit ihm ins Gespräch, ohne zu bemerken, daß sich sein Wagen auf dem leicht abschüssigen Boden selbständig machte und langsam von dannen rollte.
   Nachdem Dieter mit der Unterhaltung fertig war, suchte er verzweifelt seinen Einkaufswagen, aber der war spurlos verschwunden. Da half nun alles nichts, er mußte wieder von vorne anfangen. Er schnappte sich einen neuen leeren Wagen und legte die Waren hinein, alles schön akkurat und nach demselben System wie vorher.
   Als er dann endlich in der Schlange vor der Kasse stand und wartete, schweifte sein Blick so durch die Gegend, und was entdeckte er auf einmal?Etwas weiter längs an der Wand stand ein randvoller Einkaufswagen, der genauso aussah wie seiner! Dieter wunderte sich noch sehr darüber, daß ein anderer Kunde haargenau die gleichen Waren kaufte und sie auch nach dem selben System packte wie er, als es ihm langsam dämmerte. Er schaute sich etwas verstohlen um, ob das wohl auch niemand bemerkte und gab dem herrenlosen Einkaufswagen einen kleinen Schubs, um ihn aus dem Blickfeld der Kassiererin verschwinden zu lassen. Als Dieter schließlich bezahlt hatte, machte er sich ganz schnell aus dem Staub. Es konnte ja sein, daß er den ersten „Einkauf“ auch hätte berappen müssen.
   Szenenwechsel. Ich kam abends von dem besagten Interview nach Hause, war aber noch nicht müde und hatte Appetit auf ein Glas Wein. So begab ich mich denn in den Keller und fand dort auch schnell eine Flasche, der ich im wahrsten Sinne des Wortes den Hals brechen sollte. Wieder oben in der Küche angelangt suchte ich den Korkenzieher hervor und entfernte die Kapsel vom Flaschenhals. Dabei lief mir aus Vorfreude auf den guten Tropfen schon das Wasser im Mund zusammen. Als ich den Korken aus der Flasche ziehen wollte, bröselte er auseinander, bewegte sich aber keinen Millimeter.
   Vorsichtig wiederholte ich die Prozedur. Noch mehr Gebrösel. Dann mußte es irgendwie anders gehen. Ich nahm einen Löffel und versuchte, den Korken mit dem Löffelstiel in die Flasche hineinzudrücken, jedoch erfolglos. Mein Weindurst wurde größer, meine Geduld kleiner.
   Da kam ich auf die Idee, ein Loch durch den Korken zu bohren. Mit Hammer und Schraubendreher trieb ich einen Kanal durch den Korken, und diesmal hatte ich Erfolg. Aber durch das kleine Loch lief der Wein nur tropfenweise und mit Korkenstückchen ins Glas. Das dauerte mir zu lange. Ich nahm die Flasche samt Hammer mit aufs Klo und hielt sie über den Rand des offenen Klobeckens. Mit einem Hammerschlag wollte ich ihr den Hals abtrennen. So hatte ich mir das jedenfalls vorgestellt. Aber es kommt ja oftmals anders im Leben als man denkt.
   Ein kurzer Schlag, dann war alles vorbei: Die Flasche nur noch ein einziger Scherbenhaufen, ihr kostbarer Inhalt teils ins Klo, teils über den Fußboden ergossen und die Kloschüssel von oben bis unten gerissen. Doch damit nicht genug: Der Hammerstiel war bei dem Schlag, wahrscheinlich wegen „Materialermüdung“, auch noch abgebrochen.
   Verbiestert zog ich mich aus und ging ohne Wein zu Bett. Am nächsten Tag konnte ich mir dann im Baumarkt eine neue Kloschüssel und einen neuen Hammerstiel besorgen.
   So weit die Anekdoten. Wenn diese auch komisch auf den Leser wirken mögen, mein Freund Dieter und ich haben sie doch haargenau und ohne zu übertreiben so erlebt. Künstler sind nun mal im allgemeinen etwas weltfremd und andersartig und so passieren ihnen oftmals Dinge, zumeist in Form von Mißgeschicken, die einem „normalen“ Menschen unmöglich erscheinen müssen. Wobei die Künstler jedoch, wie ich meine, ihren Mitmenschen gegenüber oftmals einen Vorteil haben: Durch ihre Sensibilität und erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit erleben sie alles wesentlich intensiver.
   Ein paar Wochen später kam dann noch etwas sehr Erfreuliches von Mutter GEMA in Form einer recht willkommenen, vierstelligen Tantieme für die im Radio gesendete Musik. Auch Künstler müssen leben!
   Eines Tages lernte ich den Malerei-Studenten Rainer Bauer aus Unna in Westfalen kennen. Er schrieb mir oft, weil er sich sehr für elektronische Musik interessierte. Zwei seiner Gemälde stellte er später für meine Platten-Cover zur Verfügung. Wir trafen uns gelegentlich, um über Musik und Malerei anregende Gespräche zu führen. Rainer wurde Meisterschüler bei Professor Kuhna in Münster und ist heute freischaffend tätig. In einer alten, stillgelegten und von ihm zum Atelier umfunktionierten Fabrikhalle malt er seine großformatigen Ölbilder. Bilder mit eigentümlicher Atmosphäre: Bizarre, surreale Formen sind in diffuses, oftmals geisterhaftes Licht getaucht. Unwirklich scheinende Farben zeigen dunkle Wasserflächen im Mondschein, Spiegelungen auf regennassem Asphalt, Reifenspuren auf dem Acker sowie Hinterhöfe in der Dämmerung. Auszeichnungen hat er inzwischen erhalten, der feinfühlige und bescheidene Malermensch; private und öffentliche Ankäufe sichern ihm seine Existenz. Er geht konsequent seinen Weg und ich freue mich sehr darüber. Wir haben heute noch sporadischen Briefkontakt.
   1983/84. Der Musikgeschmack hatte sich verändert, Techno-Musik war jetzt modern.
Die Plattenumsätze brachen dramatisch ein, meine Finanzen ebenso und ich sah mich bald gezwungen, mein Brot auf andere Weise zu verdienen. Da der Beruf des Retuscheurs zwischenzeitlich wegrationalisiert worden war, schulte ich zum Farbenlithographen um und übte diese Tätigkeit bis 1992 aus.
   Meine schöne Verlobte hatte mich zudem auch noch verlassen. Wir hatten uns mit den Jahren auseinandergelebt, obwohl sie als Graphische Zeichnerin durchaus ebenso kunstinteressiert war wie ich. Aber diese Gemeinsamkeit ist sicher nicht das einzig Wichtige in einer Partnerschaft.
   Ich hockte jetzt allein in meiner Kemenate. Mir fiel die Decke auf den Kopf. Um mich von dem Desaster abzulenken, sägte und hackte ich einen Meter Brennholz nach dem anderen, beschäftigte mich nächtelang mit meiner Briefmarkensammlung und trank literweise schwarzen Tee. Da ich keinen Appetit hatte, aß ich kaum etwas. So nahm ich ganz nebenbei fast zwanzig Kilogramm ab, was mir aufgrund meiner vorherigen Körperfülle sehr gut zu Gesicht stand.
   Das Leben ging weiter. Ich machte etwas mehr auf jugendlich und begab mich auf Freiersfüße. Weit brauchte ich nicht zu laufen: Nadja, die Jüngere der beiden Töchter meiner Nachbarn, war gerade dem Backfischalter entwachsen und interessierte sich anscheinend sehr für den fast vierzehn Jahre älteren, smarten Junggesellen von nebenan. Der hatte sich wie ein Schuljunge bis über beide Ohren in sie verknallt und streute Salz statt Zucker in den Tee. Toll vor Liebe zueinander erlebten wir unseren ersten gemeinsamen Sommer wie im Rausch. Nadjas Eltern war es zunächst gar nicht recht, daß sich ihre Tochter ausgerechnet mit dem Hallodri und Taugenichts von nebenan einließ. Heute, nach über achtzehn Jahren, sind wir aller Bedenken zum Trotz immer noch ein Paar.
   Dieter ging es übrigens auch nicht viel anders als mir, er war gerade frisch geschieden. In der zehn Jahre jüngeren Lithographin Ulla Witt, die er in seinem Betrieb kennenlernte, fand er jedoch schnell eine neue Partnerin, die wohl besser zu ihm paßte.
   Ich arbeitete seit 1984 wieder in einem „Brotberuf“ als Lithograph und musizierte nebenher in meiner Freizeit, allerdings nur gelegentlich und mit stark abnehmendem Interesse. Ich trennte mich von einigen Instrumenten und war dabei, meine musikalische Laufbahn zu beenden.
   1987 erschien dann mein letztes Album. Selbstironisch betitelte ich das Machwerk mit „Dreamdancer“
(Traumtänzer). Es entstand in kürzester Zeit ziemlich lieblos und mit den primitivsten technischen Mitteln, weil ich wieder mal Geld brauchte. Danach verkaufte ich den Restbestand meines Equipments. Ich hatte einfach keine Lust mehr zur Musik; die Luft war raus. Jetzt machte ich künstlerisch gar nichts mehr. 
   Meine schöpferische Pause blieb dem Freund nicht verborgen, doch zeigte er hierfür seltsamerweise Verständnis. Inzwischen hatten wir eine lockere Fahrgemeinschaft gebildet, um zur gemeinsamen Arbeitsstelle nach Kiel und zurück zu fahren. Jetzt hatten wir täglich zweieinhalb Stunden Zeit, uns im Auto zu unterhalten. Bevorzugte Themen, außer Gott und die Welt, waren: Sinn und Unsinn der Kunst, der Weltschmerz des Künstlers, die Folgen des übermäßigen Genusses von Tabak und Alkohol, sowie die Reize des anderen Geschlechts und die damit verbundenen Aktivitäten des Mannes. So diskret und gepflegt, wie hier umschrieben, wurde letzteres Thema wohl sicher nicht abgehandelt.
   Zu dieser Zeit hatte man den „Sampler“ erfunden, ein Tasteninstrument, das, mit Disketten gefüttert, alle nur erdenklichen Töne erzeugen kann. Dieter hatte sich so eine Zauberkiste angeschafft und so lag es auf der Hand, daß eine erneute Zusammenarbeit stattfinden mußte.
   Jeden Sonntag besuchte ich ihn nun in seinem Heimstudio in Siegum bei Munkbrarup, wo er inzwischen wohnte. Mehr zum Spaß komponierten und texteten wir Rocksongs, woraus sich jedoch schnell ein Konzept entwickelte. Zusammen mit Dieters Lebensgefährtin Ulla als Sängerin gründeten wir das Trio „Déjà Vue“. Es entstanden ein paar ausgesprochen schöne, zum Teil melancholische Lieder. Die meisten davon stammten aus Dieters Feder; er hatte mal wieder einen Höhenflug. So etwas wie Veränderung lag in der Luft, jedoch leider zum Negativen. Wir schickten Demobänder mit unserer Musik an mehrere Plattenfirmen und träumten von einer Karriere, aber das Schicksal machte uns einen dicken Strich durch die Rechnung.
   Wenige Wochen vor seinem Tod konnte ich Dieter noch zu einem kurzen Fernsehauftritt im „Nordschau-Magazin“ verhelfen, und das kam so: Den Moderator der Sendung, Kay Wohlsen, kannte ich noch aus meiner Süderbraruper Schulzeit. Viele Jahre hatten wir nichts voneinander gehört, als er mich eines Tages anrief und fragte, ob er nicht mit seinem Kamerateam einen Kurzfilm über mich drehen dürfe. Da ich als Solist mit der Musik abgeschlossen hatte, empfahl ich Dieter an den Moderator weiter. Nach einer Woche waren die Aufnahmen im Kasten. Dieter sagte mir später, daß der Fernsehauftritt einer der schönsten Momente in seinem Leben war. Wie gut, daß ich das noch für ihn tun konnte.
   Als Nadja und ich am späten Abend des 26. September 1991 aus einem Griechenland-Urlaub zurückkehrten erhielten wir die traurige Mitteilung, daß Dieter Schütz am Tag zuvor während eines heftigen Fieberanfalls im Alter von nur 36 Jahren gestorben war. Ursache hierfür war ein aus seiner Kindheit verschlepptes Leberleiden. Die Ärzte und am wenigsten er selbst wußten nicht, wie schwerkrank er all die Jahre war. Wir weilten in den Stunden seines Todes nichtsahnend auf Rhodos und betrachteten den Sonnenuntergang.
   Tränen liefen uns übers Gesicht, der herzensgute Mensch und Freund war uns genommen. Herausgerissen aus frohem Schaffen, ein angefangenes oder halbfertiges künstlerisches Lebenswerk hinterlassend. Ich habe seinen Tod bis heute nicht überwunden, er hat eine tiefe Lücke in mein Leben gerissen.
   
Aus dem Buch
"ADELBERT VON DEYEN - BILDER MEINES LEBENS
Autobiographie und Werkschau eines Künstlermenschen"
Erstveröffentlichung 2003 / Copyright Adelbert von Deyen

Angehängte Bilder zum Kapitel:
1. "Sternzeit", Plattencover, Airbrush, AvD 1978; 2. Detail aus "Sternzeit";
3. "Nordborg", Plattencover, Airbrush, AvD 1979; 4. "Eclipse", Plattencover, Airbrush, AvD 1981.


Hochgeladene Bilder

Beitrag geändert von Adelbert von Deyen (2007-01-16 16:31:14)


Ich male nicht, um mich auszudrücken, sondern um zu beeindrucken.
www.adelbert-von-deyen.de

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#4 2007-01-10 18:58:10

Adelbert von Deyen
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Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

Adelbert von Deyen - BILDER MEINES LEBENS - Autobiographie

4) Male Maler, male!

   1992 veröffentlichte die Plattenfirma „sky-records“ unter dem Titel „Sunset“ eine Zusammenstellung meiner subjektiv besten Kompositionen auf einer letzten CD. Mein bester Freund war gegangen, nicht ohne mich kurz vor seinem Tode noch zu ermuntern, intensiv das Malen anzufangen. Ich aber fühlte mich leer und ausgebrannt. Was sollte ich tun? In Griechenland hatte ich während des Urlaubs ein paar Aquarelle hingemalt, mehr zu meiner Unterhaltung und Zerstreuung, ohne ernsthafte, künstlerische Ambitionen. Freunden und Bekannten, denen ich sie zeigte, gefielen die Bilder. Ich verstand das nicht. Bisher kannte ich nur Ablehnung gegenüber meiner wenigen Malerei. Das sollte sich schlagartig ändern.
   Ende 1992 wurde ich ohne mein Verschulden arbeitslos. Der renommierte Verlag Möller & Söhne in Rendsburg, bei dem ich inzwischen tätig war, meldete Konkurs an. Neue Arbeit fand ich nicht, so sehr ich mich auch bemühte. Der Beruf des Lithographen war fast über Nacht wegrationalisiert worden, inzwischen stellte man die Druckvorlagen mit dem Computer her. Das konnte ich (noch) nicht.
   Jetzt hatte ich alle Zeit der Welt. Aber wie sollte ich beginnen? Ich setzte mich mitten in die Landschaft und versuchte zu aquarellieren. Es gab einen plötzlichen Regenschauer, der mir das Bild verdarb. Ein anderes mal wehte mir der Wind Sand übers farbnasse Papier. Spaziergänger entdeckten den angehenden Maler am Wegesrand und hielten ihn mit dummen Fragen und albernem Geschwätz von der Arbeit ab. So ging das nicht.
   Zu Hause wälzte ich Fachbücher über Malerei. Etliche, wie zum Beispiel Goethes „Farbenlehre“ und Wehltes „Werkstoffe und Techniken der Malerei“ hatte ich mir angeschafft, auch Literatur über bekannte und weniger bekannte, zumeist regionale Maler. Salvador Dali und seine altmeisterliche Malweise lernte ich schätzen, je mehr ich mich bewundernd mit dem Lebenswerk dieses Malergenies auseinandersetzte. Die Autobiographien von Hans Holtorf und Emil Nolde erstand ich gut erhalten und preiswert auf dem Flohmarkt, mich über diese gehobenen Schätze freuend. Ohne es zu merken, war ich bald tief in autodidaktischen Studien versunken.
   Meine Anfrage zwecks eines Kunststudiums an der Muthesius-Schule in Kiel erbrachte mir eine abschlägige Antwort. Für ein Studium war ich angeblich zu alt. Bei der Landesschau der Bildenden Künstler wurde ich abgewiesen, weil ich die Voraussetzung eines Studiums nicht erfüllte. Dabei hatte der Autodidakt Gerhart Bettermann die Landesschau vor Jahrzehnten ins Leben gerufen. Was für ein Widerspruch! Enttäuscht wandte ich mich ab.
   Ich begab mich skizzierend und photographierend in die Landschaft und hielt den Augenblick fest, um ihn dann in meinem kleinen Atelier unterm Dach nach eigenen künstlerischen Vorstellungen als Gemälde neu entstehen zu lassen. Einiges malte ich auch aus der Erinnerung. Mit der Farbe hatte ich dabei nie Probleme, mit der Form dafür um so mehr. Zeitweise verlegte ich mich auch auf das Kopieren der Bilder anderer Maler, um aus dem „Nachempfinden“ zu lernen. Oft besuchte ich die Kunsthalle in Kiel und studierte hier die Werke der Alten Meister. Langsam ging es besser mit der Praxis, meine maltechnischen Studien dauerten etwa fünf Jahre. Man lernt allerdings nie aus und der Schaffensprozeß eines jeden Bildes ist immer wieder anders. Hin und wieder abstrahiere ich meine Landschaften auch ein wenig. Das hat einen gewissen Reiz und ist nicht so anstrengend. Zumeist bediene ich mich jedoch der zeitaufwendigen, aber soliden Lasurtechnik in Öl, wobei ich die vom Motiv her störenden Elemente in der Landschaft weglasse.   
   Immer wieder wechseln bei mir kreative Schaffensphasen mit Zeiten künstlerischen Nichtstuns. Zuviel Routine in der Malerei ist gefährlich und kann eigentlich nur zu seelenlosen Bildern führen.       
   1991 hatte ich meine erste Ausstellung in der Raiffeisenbank Süderbrarup. Etliche folgten, fast alle im Kreis Schleswig-Flensburg. Oft und gern habe ich im Bismarckturm auf dem Scheersberg ausgestellt, der sich inzwischen durch die Initiative von Eckhard Szidat und Thomas Busch mit der regional bekannten Aktion „Kunst im Turm“ aus seinem Schattendasein zu einem Musentempel der volksnahen Kunst entwickelt hat. Die aus dem Badischen zugezogenen netten und aufgeschlossenen Eheleute, Christiane und Bernd Walkusch, ermöglichen mir zudem seit dem Sommer 2001 in ihrem liebevoll eingerichteten Café „Stübchen“ in Steinberghaff eine durchweg erfolgreiche Dauerausstellung mit Bildern aus meiner Werkstatt.
   Ich mied und meide den professionellen Kunsthandel. Ähnlich wie Teppichhändler bieten diese Kaufleute ihre „Ware“ an und berauben den Maler seines Ideals, da sie nicht um das oftmals leidvolle Entstehen eines Bildes wissen und nur auf Profit aus sind. Es ist durchaus üblich, daß ein renommierter Galerist an einem verkauften Bild mehr verdient als der oftmals ohnehin schon darbende Künstler. Mit welcher Berechtigung? Ein mit viel Herzblut geschaffenes Gemälde ist beileibe kein Konsumartikel. Es mutet mich seltsam an, wenn man heutzutage beispielsweise einen „van Gogh“ für mehrere Millionen versteigert, wo dieser Maler zu seinen Lebzeiten bettelarm war und sich oft nicht einmal seine Farben leisten konnte.
   Bilder in der Hand des Malers sind wie Lebewesen, zerbrechlich und fein. Sie sollen Herz und Seele ihres zukünftigen Besitzers erfreuen und wollen geliebt werden, ein jedes für sich.
   Ich machte die Bekanntschaft mit dem alten Maler-Ehepaar Lutz Theen und Hedda Theen-Pontoppidan aus Nordballig. Viele Jahrzehnte lang haben die beiden lieben Menschen unter anderem ihre wunderschönen, realistischen Landschaftsbilder gemalt. Wir stellten zusammen im Peter-Schwennsen-Haus in Gelting aus. Der inzwischen verstorbene Lutz Theen war auch ein Meister der Kaltnadel-Radierung; er gab mir so manchen maltechnischen Ratschlag. Meine Hochachtung gilt dem Œuvre dieser hervorragenden Künstler!
   An der Wirtschaftsakademie in Kiel absolvierte ich 1994/95 ein Seminar für Kommunikationsgraphik, in dem ich das zeitgemäße Bearbeiten und Erstellen von Bildern, Graphiken und Texten am Computer erlernte. Der Computer ist nichts anderes als ein Werkzeug in der Hand seines Benutzers; Rationalität und die bestechende Qualität des Endprodukts sprechen positiv für ihn. Allerdings geht der technische Fortschritt auch heute noch auf Kosten vieler Arbeitsplätze und Konkurse im Graphischen Gewerbe. Neue Arbeit fand ich trotz meiner neuerworbenen Qualifikation leider nicht.
   Dafür war ich um so mehr am Zeichnen und Malen. Zwölf Zeichnungen hatte ich 1994 zu einem Schwarzweiß-Kalender zusammengestellt, der sich einigermaßen verkaufte. Im Jahr darauf folgte ein weiterer. 1996 ging ich dann das Risiko der teuren Herstellung eines Farbkalenders mit zarten Landschaftspastellen ein. Es stellte sich jedoch schnell heraus, daß meine Bedenken hinsichtlich der Nachfrage völlig unbegründet waren. Bis heute habe ich dann jährlich einen Kalender mit Motiven unserer Region in verschiedenen Maltechniken herausgegeben, wovon etliche Bilder in diesem Buch wiederzufinden sind.
   Ständig kam und komme ich zu Auftragsarbeiten, meistens handelte es sich dabei um die Häuser der Auftraggeber. Schöne reetgedeckte Katen und Bauernhöfe waren darunter, die ich, liebevoll in die Landschaft integriert, malte. Schwer tat ich mich mit einigen Porträts, die ich leidlich zeichnete. Für die Titelseite des Süderbraruper Amtskuriers und andere Drucksachen fertigte ich im Laufe der Zeit so manche Illustration an. Ein zweiteiliger Bühnenvorhang für den Gasthof Munkbrarup entstand Anfang 1998 unter großen technischen Schwierigkeiten: Der für diese Arbeit vom Auftraggeber gelieferte, ziemlich ungeeignete Vorhangstoff mußte zunächst mühsam gereinigt, präpariert und grundiert werden, dazu kam das für mich völlig ungewohnte Großformat. Ich bemalte in zwei Wochen eine Fläche von über zehn Quadratmetern mit dem Munkbraruper Dorfpanorama und benötigte neben der Grundiermasse gut zehn Liter Farbe! Das brachte den ursprünglich federleichten Vorhang auf das stattliche Gewicht eines Orientteppichs.
   Oft habe ich von Leuten zu hören bekommen, daß ich meine Bilder viel zu billig anbieten würde. Einige (Wenige) behaupteten merkwürdigerweise das Gegenteil. Geld ist nun mal ein relativer Begriff und ein sensibles Thema. Ich finde, Kunst muß auch für „Otto Normalverbraucher“ erschwinglich sein und nicht nur für eine elitäre, zahlungskräftige Minderheit. Was würde es für einen Sinn machen, wenn ich auf Bergen von Bildern sitzen bliebe, nur weil sie dem breiten Publikum zu teuer sind? Kunst entsteht zwar durch die Hand des Malers, aber sie gehört letztlich dem Volk. Deshalb habe ich auch großes Interesse daran, meine Bilder unter die Leute zu bringen. Obwohl es mir schon manchmal weh tut, wenn ein besonders schönes Gemälde, das mir ans Herz gewachsen ist, mein Atelier auf Nimmerwiedersehen verläßt, um seinen neuen Besitzer glücklich zu machen.
   Ulla und Rolf Oberste-Brink, ehemalige Opernsänger aus Ostdeutschland, die ihren Lebensabend in einem schmucken Häuschen in Angeln verbringen, besuchten mich eines Tages. Sie waren in einer Buchhandlung auf meinen Kalender gestoßen und wollten Originale sehen. Sie erwarben im Laufe der Zeit etliche meiner stärksten und schönsten Werke. Wir haben all die Jahre Kontakt gehalten, und ich erinnere mich an viele gute Gespräche mit den beiden warmherzigen Menschen. Erwähnt sei an dieser Stelle auch die Familie Kneidinger aus dem Sauerland, begeisterte Sammler meiner Bilder.
   Die neunziger Jahre brachten mir einige maltechnische Neuerungen, auf die ich mehr oder weniger zufällig stieß. So kam ich zum Beispiel auf die Untermalung von Pastellen mit Aquarellfarbe. Als Malgrund diente mir dabei zumeist relativ rauhes Aquarellpapier. Auf eine überwiegend flächige Aquarelluntermalung brachte ich nach dem Trocknen die formgebende Pastellfarbe in grober Manier auf. Bei der fertigen Arbeit schienen Teile der Untermalung durch und gaben so dem Bild einen reizvollen, plastischen Effekt. Diese Technik wende ich bis heute gelegentlich an.
   Seit fünfundzwanzig Jahren wohne ich in Gintoft bei Steinbergkirche und arbeite auf dem Lande inmitten der Natur. Felder, Wiesen und Bäume bestimmen den Ausblick aus den Fenstern meines Hauses. Im Frühling leuchtet gelber Raps direkt vor der Haustür. Ganz Angeln ist gerade in dieser Jahreszeit ein einziger blühender Garten, und die Vielfalt der lieblichen Landschaft überrascht und beglückt einen immer wieder aufs Neue. Von Knicks umsäumte Felder wechseln mit Buchenwäldern, Bächen und kleinen Seen. Nicht zu vergessen die Ostsee mit ihren sanften Stränden und herben Steilküsten. All das bildet eine unerschöpfliche Fülle von Motiven, die es für mich festzuhalten gilt. Dabei arbeite ich bewußt realistisch, bisweilen sogar fast schon surrealistisch. Es handelt sich um einen Schaffensprozeß, den man als konstruktiv bezeichnen kann und wobei nichts dem Zufall überlassen ist.
   Ist nicht die ganze Natur ein einziges Wunder? Und wir dürfen für den Augenblick unseres Lebens dieses Wunders teilhaftig werden, ja sind selbst Teil dieses Wunders! Bei jedem Auf- und Untergang der Sonne denke ich, daß Gott der größte Maler ist, der den Himmel in den schönsten Farben erstrahlen läßt. Was für eine Freude und Inspiration bedeutet es für einen Landschaftsmaler, den täglichen Wechsel des Wolkenspiels zu beobachten, was es in dieser vielseitigen Form nur in einer Küstenlandschaft geben kann.
   Wir Menschen betrachten unsere Welt im allgemeinen sehr oberflächlich, was auch an der Begrenztheit unseres subjektiven Wahrnehmungsvermögens liegt: Die Welt ist objektiv nicht das, was wir sehen; unser Kopf macht sich lediglich ein Abbild von ihr. Realität und die von uns erlebte Wirklichkeit stimmen nicht überein, und deshalb leben wir in dem Bild, das wir uns von der Welt machen. Die Sonne beispielsweise bewegt sich keinen Millimeter. Es erscheint uns nur so, weil sich die Erde dreht. Der Halbmond ist nichts anderes als eine optische Täuschung und hinterm Horizont geht’s bekanntlich weiter. In der Realität gibt es übrigens auch keine Farben; sie entstehen erst im Gehirn des menschlichen Betrachters!
   So führt denn auch der vermessene Spruch, „Ich glaube nur, was ich sehe“, den von sich selbst so sehr überzeugten Materialisten schnell aufs Glatteis. Ein Maler ahnt das instinktiv und wird versuchen, weiter vorzudringen und seine Empfindungen zu steigern, um sie dann bildlich wiederzugeben. Das hat sehr viel mit Gefühl und Phantasie, aber auch mit Herz und Seele zu tun. Nachempfinden soll der Betrachter. Erfassen läßt sich ein Kunstwerk, wie Goethe sagt, nur mit dem Herzen. Und deshalb läßt es sich meiner Meinung nach auch nur mit dem Herzen schaffen.
   Zum Schluß dieses Kapitels sei das Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse zitiert, das mich seit meiner Kindheit immer so eigentümlich berührt und auf meinem bisherigen Lebensweg begleitet hat:
            
     Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
     dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
     blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
     zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
     Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
     bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
     um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
     in andre, neue Bindungen zu geben.
     Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
     der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

     Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
     an keinem wie an einer Heimat hängen,
     der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
     er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
     Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
     und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
     nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
     mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

     Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
     uns neuen Räumen jung entgegensenden,
     des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ...
     Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Aus dem Buch
"ADELBERT VON DEYEN - BILDER MEINES LEBENS
Autobiographie und Werkschau eines Künstlermenschen"
Erstveröffentlichung 2003 / Copyright Adelbert von Deyen

Angehängte Bilder zum Kapitel:
1. Atelier; 2. "Blühender Holunder", im Garten gemalt, Öl auf Karton, AvD 2002;
3. Beim Malen in meinem Garten, Photo Peter Hamisch.


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#5 2007-01-10 18:59:49

Adelbert von Deyen
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Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

Adelbert von Deyen - BILDER MEINES LEBENS - Autobiographie

5) Heimat und Hausbau

   Da die meisten Leser dieses Buches in der Landschaft Angeln wohnen, brauche ich ihnen die landschaftlichen Reize unserer gemeinsamen Heimat nicht großartig vor Augen zu führen. Jedem von uns sind die hügeligen, von Knicks umsäumten Felder und die kleinen Buchenwälder vertraut. Die Schönheit der Ostseeküste, die Idylle der Schlei und der kleinen Seen und Auen erfreuen Auge und Herz immer wieder. An einem sonnigen Tag vom Bismarckturm über unsere Landschaft bis nach Schleswig, Flensburg oder Dänemark zu blicken, ist schon faszinierend. Wir leben auf einem lieblichen Fleckchen Erde und sind uns dessen oftmals gar nicht (mehr) bewußt.
   Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang die Reaktion eines Besuchers einer meiner Ausstellungen im Bismarckturm. Nachdem er sich die Bilder ungewöhnlich lange angeschaut hatte, kam er mit mir ins Gespräch und sagte mir in etwa Folgendes: „Ich bin ein gebürtiger Angeliter und wohne hier. Angesichts Ihrer Bilder wurde ich wieder auf die Schönheit unserer Heimat aufmerksam. Viele Ihrer Motive kenne ich in natura und habe sie jahrein, jahraus gesehen. Ich bin oft daran vorbeigefahren, ohne mir sonderlich Gedanken darüber zu machen. Aber jetzt sehe ich auf einmal alles in einem ganz anderen Licht. Sie haben mir mit ihren Bildern die Augen geöffnet und mir dadurch eine große, unvergeßliche Freude bereitet!“ – Gibt es ein schöneres Kompliment für einen Heimatmaler?
   Seit 1979 bin ich seßhaft in dem kleinen Dorf Gintoft bei Steinbergkirche nahe der Ostsee, wo die Welt noch einigermaßen in Ordnung ist. Selbstverständlich bin ich Mitglied in der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr. Auf einer Veranstaltung der Feuerwehr sollte ich denn auch einmal etwas vortragen. Da fiel mir die Geschichte von dem „sündigen“ Scherenschleifer ein, die ich selbst erlebt hatte und auf der Veranstaltung zum Besten gab:
   Es passierte Anfang der achtziger Jahre, ein paar Tage vor Weihnachten, an einem Montagmorgen. Ich war gerade allein zu Hause, als ein schäbiger, alter Kastenwagen mit einem nordfriesischen Kennzeichen auf den Hof gefahren kam und direkt vor meiner Haustür anhielt. Der Mann, welcher dem Vehikel entstieg, sah genauso schäbig aus wie sein Auto. Er war so um die Sechzig, grauhaarig, unrasiert, mit einem Cowboyhut auf dem Kopf. Ich dachte noch so bei mir: Laß ihn bloß nicht herein, man kann nie wissen, was diese „Ausländer“ so im Schilde führen, da klingelte er auch schon an der Tür und rief: „Der Scherenschleifer ist da!“ Ganz automatisch öffnete ich ihm, denn ich gehöre nicht zu den Menschen, die hinter der Gardine stehen und abwarten, bis sich ungebetener Besuch vom Hof macht.
   „Haben Sie etwas zu schleifen oder zu schärfen?“ fragte mich das Unikum. „Auch Messer?“ fragte ich zurück. „Selbstverständlich!“ antwortete der Kerl. „Einen Moment“, sagte ich und ließ ihn einen Augenblick in der Tür stehen. Ich wunderte mich noch darüber, wieso er auch Messer schärfte, schließlich war er doch ein Scherenschleifer.
   Aber egal, Weihnachten stand vor der Tür mit all der Völlerei und da konnte es nur gut sein, wenn die Messer richtig scharf waren, damit man den Weihnachtsbraten auch ordentlich schneiden konnte. Ich suchte also mein Dutzend Messer raus, dazu noch ein großes Brotmesser, und damit es sich auch lohnte noch eine Schere, gab dem Kerl alles in die Hand und sagte: „Denn man ran an die Arbeit.“
   Und wie er arbeitete! Nach etwa zehn Minuten war er fertig, kam wieder an die Haustür und sang dabei das Lied: „Wir sind alle kleine Sünderlein ...“. Dann gab er mir die geschärften Utensilien zurück und grinste mich bis über beide Ohren an. Ich dachte noch so bei mir, was für ein netter und fröhlicher Mensch das doch ist und wie einen der erste Eindruck täuschen kann, da sagte er plötzlich zu mir: „Das macht hundertzwanzig Mark.“
   Ich meinte, ich hatte mich verhört und fragte sicherheitshalber noch einmal nach. „Hundertzwanzig“, wiederholte er. Tja, da war nun nichts mehr dran zu ändern, ich mußte wohl oder übel bezahlen. Aus der Summe ergab sich nach Adam Riese ein Stundenlohn von siebenhundertzwanzig Mark für den Scherenschleifer. Das verdiente ich nicht mal in einer Woche! Hätte ich ihn doch bloß vorher gefragt, was das Schärfen der Messer kosten sollte. Für hundertzwanzig Mark hätte ich mir mindestens doppelt so viele neue Messer kaufen können und eine Schere wohl noch kostenlos obendrauf bekommen. 
   Als ich den Halsabschneider schließlich widerwillig bezahlt hatte, sang er wieder sein Liedchen „Wir sind alle kleine Sünderlein ...“ und fuhr dann weiter durchs Dorf, um neue Opfer zu finden. Was das Sünderlein hier noch für Geschäfte gemacht hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Nachbarn, welche ich später danach befragte, hielten sich alle sonderbar bedeckt.
   So weit diese „Heimatgeschichte“. Achtzehn Jahre lang wohnte ich in dem Abnahmehaus des Bauernhofes Norgaard in Gintoft zur Miete. Pläne für ein eigenes Haus existierten schon lange, wurden dann aber erst 1996 realisiert. Nadja und mir schwebte immer ein Resthof oder eine reetgedeckte Kate vor. Als wir dann endlich das nötige Startkapital beisammen hatten, war so etwas in Gintoft nicht zu erwerben. Aber hier wollten wir unbedingt bleiben. Also kam alternativ nur ein Neubau in Frage.
   Es gab jedoch kein Bauland im Dorf, jedenfalls nicht für uns. Wir einigten uns schließlich mit dem Architekten auf den Kompromiß eines Anbaus an das Haus von Nadjas Eltern. Diese waren glücklicherweise mit unseren Plänen einverstanden, und schon waren wir mittendrin im Abenteuer „Hausbau“, solide und massiv Stein auf Stein. Wo wir konnten, packten wir selbst mit an. Alles ging relativ schnell und reibungslos über die Bühne, und kurz vor Weihnachten 1996 konnten wir einziehen.
   Dankbar nahm ich mein neues, zwanzig Quadratmeter großes Atelier in Beschlag und freute mich auf zukünftiges, kreatives Schaffen. Doch die Freude wurde im Frühjahr 1997 arg getrübt, als sich an nahezu allen Innenwänden des Hauses neben den Türen große feuchte Flecken zeigten, die von unten nach oben aufstiegen und täglich größer wurden. Nun hatten wir ein Problem am Hals. Es handelte sich zweifellos um den bekannten „Pfusch am Bau“, nur mußten wir das beweisen und alles Nötige für die Beseitigung des nicht unerheblichen Schadens veranlassen. Recht haben und Recht bekommen sind bekanntlich zweierlei. Es folgten nervenaufreibende Wochen, bis wir mit Hilfe eines Bausachverständigen schließlich doch Recht bekamen: Die Isolierung war an den Stößen nicht verklebt worden, was zur Folge hatte, daß das Regenwasser ungehindert eindringen konnte.
   So kam unser Häuschen frühzeitig in den Genuß einer, für uns zum Glück kostenlosen, Renovierung. Rundherum wurde von unten in einer Höhe von drei Steinen das Verblendmauerwerk abgetragen, um an die schadhaften Stellen zu gelangen. Drei Maurer hatten zwei Wochen lang alle Hände voll zu tun und veranstalteten mit ihrem Preßlufthammer einen Höllenlärm. An kreatives Arbeiten war für mich in dieser Zeit nicht zu denken, und ich mußte mich zwangsläufig anderweitig beschäftigen. Die Schäden wurden schließlich sauber und ordentlich behoben, die Handwerker zogen ab und Ruhe kehrte ein. Jetzt können Nadja und ich wieder gemütlich und harmonisch mit unseren beiden Stubentigern in den eigenen vier Wänden hausen.
   Alles ist großzügig, ebenerdig und zweckmäßig gebaut, ganz nach unseren individuellen Wünschen und Bedürfnissen. Zentrum des Hauses ist das große Wohnzimmer mit seinem Erker nach Westen, aus dem ich zu jeder Jahreszeit die manchmal unglaublich intensiven Sonnenuntergänge beobachten kann. Der Blick schweift über weites, hügeliges Land und erspäht am Horizont den Querner Kirchturm und den Scheersberg. Im Winter prasselt das Holzfeuer im Kaminofen und verbreitet seine angenehme und natürliche Wärme.
   Wenn der leidige Winter vorüber ist, spielt sich das Leben auch draußen ab: In unserem kleinen Garten blühen im Frühjahr Mandelbaum, Holunder und Mirabelle neben allerlei bunten Blumen wunderschön, und der Rasen schimmert in der Sonne wie schneebedeckt von den fallenden Blütenblättern der alten Apfelbäume. Diese erbringen im Herbst jedesmal wieder eine reiche Ernte, die uns das ganze Jahr über mit Most versorgt. Zaunkönig, Rotkehlchen, Buchfink und Meise sind zu allen Jahreszeiten gern gesehene Gäste, und des öfteren statten uns auch Igel, Hase, Fasan und Rehlein einen Besuch ab. Wildenten und Fischreiher lassen sich gelegentlich am Teich nieder, um Futter zu suchen, und selbst Greifvögel sind hier keine Seltenheit. Man hat das Gefühl, in Gintoft ist die Natur noch intakt, auch wenn der Schein in der Agrarwüste trügt.
   So oft wie irgend möglich verweilen Nadja und ich in unserer Wahlheimat Griechenland. Das hat neben der Kultur und den landschaftlichen Reizen dieses Landes noch einen weiteren Grund: Das überwiegend schöne Wetter. Sturm, Kälte und Dunkelheit des norddeutschen Winters, der gefühlsmäßig ein halbes Jahr dauert, haben uns immer arg zu schaffen gemacht.
   So reisen wir denn auch der Sonne wegen nach Griechenland. Das milde mediterrane Klima, sowie die überaus gesunde landestypische Küche mit viel Obst, Gemüse, Knoblauch und Olivenöl sind unserem Wohlbefinden spürbar förderlich. Die sonnenverwöhnten und vollmundigen griechischen Weine, insbesondere die Roten, tun ein Übriges. Sie sind wie Medizin und in der Tat „so wie das Blut der Erde“.
   Ich kann mir sehr gut vorstellen, irgendwann einmal für längere Zeit nach Griechenland überzusiedeln. Meine bessere Hälfte ist diesem Gedanken auch nicht abgeneigt. Wir werden sehen ...

Aus dem Buch
"ADELBERT VON DEYEN - BILDER MEINES LEBENS
Autobiographie und Werkschau eines Künstlermenschen"
Erstveröffentlichung 2003 / Copyright Adelbert von Deyen

Angehängte Bilder zum Kapitel:
1. Malerhaus in Gintoft bei Steinbergkirche, erbaut 1996, rechts das Atelier.
2. Frau des Hauses und Muse des Malers - "Nadja", Öl auf Pappe, AvD 1993.
3. Unsere beiden "Hausgeister", links Kater "Zorro", rechts Katze "Sheba".


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#6 2007-01-10 19:01:05

Adelbert von Deyen
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Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

Adelbert von Deyen - BILDER MEINES LEBENS - Autobiographie

6) Das Land der Griechen mit der Seele suchend

   „Ein blaues Meer, ein lieblicher Herbst! Die Inseln waren in Licht getaucht. Ein feiner durchsichtiger  Regenschleier bedeckte die unsterbliche Nacktheit Griechenlands. Glücklich der Mensch, dachte ich, der vor seinem Tod für würdig befunden wird, das Ägäische Meer zu befahren. Viele Freuden bietet diese Welt – Frauen, Früchte, große Ideen. Doch gibt es, glaube ich, keine Freude, die das menschliche Herz so bewegt, so tief in das Paradies versenken kann, als wenn man, den Namen jeder einzelnen Insel flüsternd, auf einem hellenischen Schiff die Wogen dieses Meeres durchfurcht. Nirgends woanders wird man so friedlich und behaglich aus der Wirklichkeit in den Traum versetzt. Die Grenzen verschwimmen, und die Masten selbst des altersschwächsten Schiffes treiben Knospen und Weintrauben. Man glaubt,
hier in Griechenland ist das Wunder die Blüte der Notwendigkeit.“ (Nikos Kazantzakis - „Alexis Sorbas“)

   Das göttliche Griechenland! Wie oft haben Nadja und ich es bereist! Dieses wunderschöne Land ist längst unsere zweite Heimat geworden. Hier kennen wir uns mittlerweile besser aus als in Deutschland.
   Von den pastellfarbenen Tönungen der Inseln bin ich immer wieder überwältigt. Die Reinheit des gleißenden Lichts, das einem die Tränen in die Augen treibt!  Die wilde Schönheit der urwüchsigen Natur und die Freude am einfachen Leben. Der Geist der Antike mit ihren Göttern und Mythen äußert sich in den Überresten von Tempeln, Säulen, Statuen, Fresken und Mosaiken. Dieser Geist ist auch heute noch unglaublich präsent. Überall stößt man auf verwirrend viele Relikte einer einmaligen Hochkultur.
   In Knossos auf der griechischen Insel Kreta stand einst die Wiege der europäischen Zivilisation, und Goethes „Iphigenie“ ist immer noch aktuell: Auch das heutige Griechenland muß man mit der Seele (und dem Herzen) suchen. Mit dem Verstand allein ist diesem Land nicht beizukommen. Hier kann man noch zu sich selbst finden und neue Kraft schöpfen. Meine kreativsten Phasen habe ich meistens nach einem Griechenland-Aufenthalt.
   Hellas-Angeln. Trotz der immensen Gegensätze beider Kulturkreise kommt es manchmal auf eine mir unerklärliche Weise zu einer Synthese in meinen Bildern. Das äußert sich besonders in der Lichtintensität und der Stimmung des Himmels. Was wiederum für den Gesamteindruck von Bedeutung ist, nimmt doch der Himmel im Normalfall zwei Drittel eines Bildes ein.
   In Griechenland wollte mir das Malen vor der Natur, wenn man von gelegentlichen Skizzen und Zeichnungen absieht, nie recht gelingen. Ich bin nun mal kein Pleinair-Maler. Auch kann ich nur arbeiten, wenn ich völlig ungestört bin. Die meisten meiner griechischen Landschaftsbilder entstanden im Atelier nach Skizzen und Photos, die ich vor Ort machte.
   Zu Hause hatten Nadja und ich uns der Deutsch-Griechischen Gesellschaft in Flensburg angeschlossen. Einem Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Kulturaustausch zwischen beiden Ländern in lockerer Form zu realisieren. Es werden Ausstellungen organisiert und besucht, Tagesausflüge und Besichtigungen durchgeführt sowie Dia-, Film- und sonstige Vorträge gehalten. Es wird gemeinsam gekocht, getanzt und gekegelt, auch werden in kleinen Gruppen Studienreisen nach Griechenland unternommen. Alljährlicher Höhepunkt ist die gemeinsame Feier des griechischen Osterfestes mit dem traditionellen Grillen der Lämmer. Viele nette, liebe und aufgeschlossene Leute gehören diesem Verein an, sowohl Griechen als auch Deutsche. Alle Unternehmungen sind geprägt von Ungezwungenheit, Harmonie und Esprit.
   Ich erinnere mich noch gut an eine kurze aber intensive Studienreise durch den Peloponnes im Mai 2000. Mit zwei Autos legten wir als siebenköpfige Gruppe in einer Woche eine Strecke von rund 1400 Kilometer zurück. Im antiken Olympia erlebten wir die Entzündung des Olympischen Feuers. In Dyros besichtigten wir die gigantischen Tropfsteinhöhlen, die vor Urzeiten durch einen unterirdischen Fluß entstanden sind, und in deren Hohlräumen sich Stalagmiten und Stalaktiten bildeten. Drei Kilometer ging hier die Fahrt mit einem Boot durch das kühle und feuchte Naturgewölbe. Die ehemalige byzantinische Hauptstadt Mistra besuchten wir, um die Klöster und Kirchen zu sehen. Weitere Stationen, neben gelegentlichen Abstechern, waren die antiken Stätten von Sparta, Epidaurus, Mykene und Korinth mit dem grandiosen Kanal. Immer wieder wurde die anstrengende Fahrt durch einen Blick auf die schöne, abwechslungsreiche Landschaft belohnt, die wir durchquerten. Welch eine Wohltat, allabendlich nach den Strapazen des Tages die herrliche griechische Küche und den würzigen, süffigen Wein zu genießen! Wieder zurück in Deutschland, sind die Anstrengungen der Reise schnell vergessen. Man zehrt noch monatelang von den Erinnerungen und kann das Erlebte auf sich nachwirken lassen.
   Einer der überwältigenden Eindrücke in meinem bisherigen Leben war die Besichtigung der Akropolis in Athen mit ihrem mächtigen Parthenon und dem vornehmen Erechtheion, steinerne Zeugen einmaliger Baukunst. Ein weiterer Höhepunkt unserer vielen Griechenland-Reisen war der Besuch des Athener Nationalmuseums: Eigentlich braucht man Tage, um die zahlreichen Kunstschätze zu sichten und das Gesehene geistig zu verarbeiten.
   Oft haben wir auch die Inseln bereist, diese Perlen im Ägäischen Meer. Griechenland hat etwa 3000 Inseln; die meisten von ihnen sind unbewohnt. Jedes Eiland ist anders und hat seinen eigenen Reiz. Gerade die Inseln bestechen durch ihre einmaligen Naturschönheiten, und je unbekannter eine Insel ist, desto unberührter ist sie logischerweise vom Massentourismus.
   Auf der Insel Patmos besichtigten wir das monumentale Johannes-Kloster mit seiner weltberühmten Bibliothek und die „Höhle der Apokalypse“, in welcher der Evangelist Johannes seine Visionen vom Untergang der Welt als biblische Offenbarung niederschrieb.
   In einem kurzen Brief des Abts der Heiligen Grotte an die Gäste heißt es: „Dein Besuch an diesem heiligen Ort ist keine zufällige Begebenheit in Deinem Leben. Gott, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, der alle Dinge zum spirituellen Nutzen der Menschen ausrichtet, hat Dich hierher geführt, so daß Du tief in Dir selbst das geheime Echo der Worte vernehmen kannst, die hier an den Heiligen Johannes gerichtet wurden ...  Zu einer Zeit, da der religiöse Glaube geschwächt ist und die ewigen Werte weggeworfen sind, nach zwei Weltkriegen, deren unglückselige Wirkung sich bis in die heutige Zeit in örtlich begrenzten Blutbädern fortsetzt (alles das ist die Konsequenz der Verwirrtheit des Menschen in seiner Wende zum Antichristen hin), zu dieser Zeit ist es notwendig für Dein eigenes Wohlergehen, daß Du Dich hier Gott zuwendest ...“
   Beeindruckend ist auch die Vulkaninsel Santorin mit ihrem schwarzen Sandstrand und der äußerst fruchtbaren roten Erde, welche in Verbindung mit über 300 Sonnentagen im Jahr unter anderem einen überaus köstlichen, schweren Rotwein hervorbringt.
   Ihre heutige sichelartige Form erhielt die ursprünglich runde Insel, die in der Landessprache „Thira“ heißt, durch eine gewaltige Vulkanexplosion vor 3500 Jahren, deren verheerende Auswirkungen sich bis hin nach Kreta und über die gesamte Ägäis erstreckt haben müssen. Die halbe Insel versank im Meer, das an der Abbruchkante sehr tief ist und steil abfällt. Die Lavamassen aus dem Erdinneren hinterließen ein großes Vakuum, in welches die übriggebliebene Erdrinde hinabstürzte. Es bildete sich eine riesige Caldera, ein Vulkantrichter, in den das Meer einbrach und so den heutigen geologischen Zustand der Insel bewirkte. Bis zu 400 Meter hoch ragen die Felswände fast senkrecht in die Höhe, und bieten so dem Betrachter einen atemberaubenden Blick auf die überwiegend aus Bimsstein, Basalt und erkaltetem Magma bestehenden Gesteinsschichten. Die Gewalt der Naturkatastrophe wird einem deutlich, wenn man sich die Größe der Caldera vor Augen führt: Sie beträgt 83 Quadratkilometer! Aus der vom Meer bedeckten Caldera entstand dann im Laufe der Zeit durch zahlreiche vulkanische Unterwasserausbrüche ein neuer kleiner Vulkan mit Namen „Nea Kameni“, der heute noch aktiv ist.
   Aber Santorin ist nicht nur geologisch interessant. Großartig und außerordentlich bedeutend sind die vielen archäologischen Funde, die bei jahrzehntelangen Ausgrabungen, welche noch andauern, ans Licht kamen. So wurden beispielsweise weite Teile der prähistorischen Stadt Akrotiri freigelegt, deren hervorragend erhaltene Keramiken und monumentale Wandmalereien im Mittelmeerraum einzigartig sind. Das Wertvollste hiervon befindet sich, erdbebensicher, im Archäologischen Nationalmuseum in Athen.
   So manches kunsthandwerkliche Stück haben wir aus Hellas mitgebracht. Repliken von antiken Schätzen, die unser schönes Heim schmücken und unser Herz erfreuen: Amphoren, Plastiken, Fresken und Wandteller.
   Ich habe eine hohe Achtung vor der geschichtlichen und vor allem der kulturellen Leistung Griechenlands. Mich fasziniert die antike Welt der Griechen, ich empfinde eine tiefe Liebe zu dieser Welt, eine Liebe, die sich mit meinem zunehmendem Alter immer mehr fortsetzt. Aber auch die heutigen Griechen liebe ich, jeden und alle, weil sie mir die wahren Werte und das Menschliche in unserer Welt aufgezeigt haben! Sie haben eine faszinierende Mentalität und eine so ganz andere Einstellung zum Leben als wir Deutsche. Dabei sind sie wahre Meister des Improvisierens.
   In Griechenland kennt man übrigens keine Kirchensteuer. Die unermeßlich reiche griechisch-orthodoxe Kirche, in der 97 Prozent der Bevölkerung Mitglied sind, finanziert sich ausschließlich durch Dienstleistungen und Spenden. Es kommt häufig vor, daß Privatpersonen auf eigene Kosten den Bau ganzer Kirchen ermöglichen. Hier wird Gottesglaube gelebt! Bei uns in Deutschland wäre so etwas völlig undenkbar.
   Die Griechen sind zumeist einfache, ehrliche und herzliche Menschen, die nicht von unserem Konsumdenken verdorben sind. Wie lange noch? Der Massentourismus schickt sich seit geraumer Zeit an, dies zu ändern. Er bringt neben Arbeitsplätzen Devisen und Wohlstand nach Griechenland, aber leider auch viele Probleme. Das Ursprüngliche bleibt dabei weitgehend auf der Strecke. „Europa“ ist ein griechisches Wort, welches wie ein Bumerang aus der modernen Zeit nach Hellas zurückkommt.
Ich befürchte nur zum Schaden dieses wunderschönen Landes.
   Eine große Herausforderung für das zukünftige Europa wird es sein, die einmaligen und großartigen antiken Baukunstschätze Griechenlands vor dem endgültigen Verfall zu bewahren und für die Nachwelt zu erhalten. Ich denke, das ist eine unbedingte Notwendigkeit, auch wenn sie Milliarden kosten sollte.

Aus dem Buch
"ADELBERT VON DEYEN - BILDER MEINES LEBENS
Autobiographie und Werkschau eines Künstlermenschen"
Erstveröffentlichung 2003 / Copyright Adelbert von Deyen

Angehängte Bilder zum Kapitel:
1. "Akropolis in Athen am Abend", Öl/Leinwand, AvD 1993; 2. "Griechischer Hafen", Aquarell, AvD 1991; 3. "Kloster der Spyliani auf Samos", Öl/Leinwand, AvD 1991; 4. Unter der heißen Sonne Griechenlands.


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#7 2007-01-10 19:02:18

Adelbert von Deyen
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Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

Adelbert von Deyen - BILDER MEINES LEBENS - Autobiographie

7) Ansichten eines Künstlermenschen

   Ich habe in meinem Leben oft erfahren, daß die angeblich wichtigen Dinge für mich unwichtig, und die anscheinend unwichtigen Dinge wichtig sind. Abgesehen davon sind es meistens ideelle Werte, die das Leben ausmachen, und nicht materielle.
   Um ein schönes Bild zu malen, muß ein Maler nicht intellektuell sein. Vielmehr sind Sensibilität, Phantasie, kunsthandwerkliches Geschick und Ausdauer für ihn unabdingbar. „Der Maler braucht nicht viel zu wissen. Schön ist es, wenn er unter instinktiver Führung so zielsicher malen kann, wie er atmet, wie er geht.“ Das sagte einst der weltberühmte Nordfriese Emil Nolde, der als Kind kein Musterschüler, dafür aber später ein begnadeter Maler war.
   Mein Talent wurde in der Schule nicht gefördert, weil man es nicht erkannte, vielleicht auch nicht erkennen wollte. Ich habe Opfer bringen müssen um künstlerisch das zu werden, was  ich jetzt bin. Deshalb kann ich den Eltern und Pädagogen der heutigen Zeit nur raten: Fördert die Kinder, welche künstlerisches Talent zeigen! Nicht vieles im Leben eines Menschen ist so befriedigend wie das Schaffen von Kunst beziehungsweise die bloße Beschäftigung mit ihr.

   „Leben ohne Kunst ist kein Leben und muß verkümmern und kränkeln wie ein Mensch in der Kellerwohnung ohne Sonnenschein.“  (Heinrich Blunck)

   Der Ausspruch des Heikendorfer Landschaftsmalers sagt es sehr treffend. Was wäre es für ein armseliges Dasein ohne Kunst! Wir Menschen als geistige Wesen, die wir zweifellos auch sind, brauchen die Kunst zu unserer Erbauung. Sie ist zwar nicht das Brot, aber der Wein des Lebens.
   Es scheint mir äußerst bedenklich, daß in unserem Land immer mehr öffentliche Mittel zur Förderung von Kunst zusammengestrichen werden. Der Begriff „Künstler“ ist in unserer wertefeindlichen Zeit, in der sich alles nur noch um den schnöden Mammon dreht, fast schon zum Schimpfwort geworden. Das mag vielleicht auch und gerade daran liegen, daß wir zur Zeit eine regelrechte Künstlerschwemme erleben: Jedermann, der in irgendeiner Form irgend etwas zustande bringt, bezeichnet sich als Künstler. An diesen sind jedoch meiner Ansicht nach höhere, insbesondere technische und handwerkliche Ansprüche zu stellen. Wenn ich dagegen die „Werke“ einiger Zeitgenossen betrachte, kann ich nicht viel Erfreuliches entdecken.
   Ich bin keineswegs zu dumm für abstrakte Kunst. Sinnvolles Abstrahieren kann sogar sehr erbaulich sein und läßt zudem Freiraum für die Phantasie. Nur frage ich mich, welcher Gehalt denn in so manchem „Gemälde“ liegen soll, das in wenigen Sekunden fertiggestellt und von irgendeinem Narren auch noch teuer bezahlt wird? „Wenn heutzutage jemand in die Ecke pinkelt, ist das schon Kunst“, sagte mir einmal wörtlich der alte Lutz Theen ironisch in Anbetracht der sogenannten zeitgenössischen Moderne.
   Farbkleckse ohne irgendeinen Sinn und Plan sowie ein unverständliches Gemisch von Farben spiegeln die verwirrten Geister und Werte unserer Zeit wider. Ein Kind, das einen Pinsel gegen eine Leinwand wirft, könnte genau das Gleiche produzieren.
   Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, daß vor einigen Jahren tatsächlich ein Schimpanse bei einer Kunstausstellung den ersten Preis für sein Gemälde erhielt, ohne daß die Jury während ihrer Stimmabgabe von der Existenz des tierischen Malers wußte, sondern erst bei der Preisvergabe davon erfuhr. Eine andere Ausstellung (in England) zeigte nur weiße Wände, die Bilder sollten sich die Besucher denken. In Berlin warf ein „Künstler“ eine tote Kuh aus einem Hubschrauber. Das bezeichnet man übrigens als „Performance“. Neuerdings werden sogar echte Leichen unter dem Motto „Körperwelten“ ausgestellt! Was haben diese befremdlichen Geschmacklosigkeiten eigentlich überhaupt noch mit Kunst zu tun?
   Der menschliche Intellekt ist so beschaffen, daß er in alle Dinge etwas hineininterpretieren kann, wenn er will. Aus dieser Tatsache heraus kann man natürlich auch einen getrockneten Kuhfladen oder ein völlig verrostetes Fahrrad als Kunst bezeichnen. Oftmals fließen dann auch noch die ohnehin schon wenigen öffentlichen Gelder, die für Kunst zur Verfügung stehen, zu einem Großteil in solch fragwürdige Objekte. Ich kann diese Scharlatanerie beim besten Willen nicht nachvollziehen. Sie hat vielleicht ihre Ursachen in der Übersättigung unserer Konsumgesellschaft und dem zwanghaften Wahn, daß immer wieder etwas Neues her muß, auch wenn es sich dabei buchstäblich um den größten Mist handelt.
   Das gilt selbstverständlich auch für die Neuerungen von Dingen des täglichen Gebrauchs, die unsere Lebensqualität verbessern sollen, aber bei genauerem Hinsehen eher das Gegenteil bewirken. Mit den Gesetzen und Vorschriften verhält es sich nicht anders: Ständig brütet der bürokratische Wasserkopf etwas aus, um unser Leben letztlich immer schwieriger und komplizierter zu machen. Beim deutschen Steuerrecht beispielsweise blicken ja selbst die Fachleute nicht mehr durch! Zu alledem stinkt, lärmt, röchelt, hungert und stirbt es tagtäglich in dieser sich zunehmend vermüllenden Welt.
   Ach, kleiner Künstlermensch, was weißt Du schon von der Welt! ...?

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#8 2007-01-10 19:03:42

Adelbert von Deyen
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Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

Adelbert von Deyen - BILDER MEINES LEBENS - Autobiographie

8) Epilog

   „Mir fiel wohl ein, daß die Menschen hier auf Erden sich mit so vielem quälen und mühen, als gedächten sie bis in alle Ewigkeit zu leben; und dabei sind wir doch alle nur auf einer kurzen, schnellen Reise durch das Leben – zur Ewigkeit. Das Bild, von dem ich dir erzählte, ist mir stets so gegenwärtig, daß ich lächeln muß, wenn sich die Menschen mit allem möglichen quälen, statt an die einzige Wirklichkeit zu denken – daß wir nämlich auf der Reise zum Totenreich sind. Denn das ist ja gerade die große Wirklichkeit im Leben – das einzige, was wir wissen –, daß Leben Tod bedeutet. Wenn man sich auf den Gipfel stellt und auf die Menschen und ihr Treiben hinabblickt, dann gebärden sich die allermeisten wie blinde Narren, und auch ich bin einer davon gewesen.“       
                                                                              (Trygve Gulbranssen – „Das Erbe von Björndal“)

   Der eine oder andere fragt sich vielleicht, warum jemand bereits im Alter von 50 Jahren seine Biographie zu Papier bringt. Nun, eigentlich ist das gar nicht so früh. Wenn man großzügig eine Lebenserwartung von knapp 80 Jahren zugrunde legt und diese Zeitspanne in vier Jahreszeiten einteilt, dann stehe ich bereits mitten im Herbst meines Lebens! Auch habe ich leider oft genug erfahren, daß Freunde und Bekannte bereits vor Vollendung ihres fünfzigsten oder sechzigsten Lebensjahres sterben mußten. Ein besonders tragisches Ereignis war in diesem Zusammenhang der Absturz eines Transportflugzeugs der Bundeswehr im Februar 1975 in den Bergen Kretas: Zweiundvierzig meiner Kameraden, von denen die meisten mit mir in der Süderbraruper Thorsberg-Kaserne stationiert und
zum Übungsschießen auf der griechischen Insel unterwegs waren, wurden dabei in den Tod gerissen. – Zum Sterben ist keiner von uns zu jung, und Altwerden ist leider nur menschliches Wunschdenken.
   Rückblickend muten mich die musikalischen Jahre irgendwie sonderbar an. Nur Weniges, was in dieser Zeit von meinen Kompositionen auf Tonträgern konserviert wurde, hält heutzutage meinen kritischen Betrachtungen stand. Und doch sind auch diese Jahre ein Teil meines Lebens und für immer mit der Erinnerung an den lieben Freund verbunden, der so früh gehen mußte.
   Viel „Süßliches“ habe ich in meinem bisherigen Malerdasein geschaffen, mir durchaus bewußt, daß ich mir dadurch nicht nur Freunde erworben habe. Die Fachwelt mag über die Irrelevanz meiner Bilder vielleicht milde lächeln; man kann es nun mal nicht allen recht machen. Zudem sind gerade die Künstler in ihren Auffassungen sehr verschieden, und das ist auch gut so.         
   Ich male schöne Bilder, weil es schon genug Häßliches auf der Welt gibt. Die Auseinandersetzung mit der sichtbaren Natur und ihrer Gesetze hat in meinem Schaffen oberste Priorität. Der Mensch mit seinem zerstörerischen Tun ist dabei so weit wie möglich ausgeschlossen. Meine Bilderwelt ist eine heile Welt, herausgerissen aus der Natur und zur Freude des Betrachters durch mich neu interpretiert.
   Dabei bedeutet das Malen eines Bildes für mich oft genug einen fast schon quälenden Schaffensprozeß, der sich über Wochen hinziehen kann. Auch gibt es nicht viele Werke aus meiner Hand, die im Nachhinein vor meinen selbstkritischen Augen bestehen können. Man hat starke schöpferische Phasen und weniger starke, und nicht jedes Gemälde kann ein Meisterwerk werden. Es treibt den Künstler in mir jedoch immer weiter, suchend, zweifelnd an sich selbst und am Sinn seiner Kunst. Vielleicht hätte ich etliche meiner Bilder nach ihrer Fertigstellung vernichten sollen, wie es andere Maler tun, wenn sie mit ihren Arbeiten nicht zufrieden sind. Allein, ich konnte und kann es nicht.   
   Bedrückend sind für mich die Zeiten der Leere, in denen mir nichts einfällt, und ich einfach nicht malen kann. Dann starre ich auf die weiße Leinwand, unfähig, sie in ein schönes Bild zu verwandeln und fühle mich wie gelähmt in der Gewißheit, daß mir die Zeit davonläuft. Schöpferisches Tun kann man nicht erzwingen! Oft wurden mir auch Steine in den Weg gelegt; ich mußte Widerstände überbrücken, die von außen kamen.
   Es gehört viel Mut dazu, für seine Kunst in der Öffentlichkeit einzustehen. Das nimmt dem Künstler einen Teil der Kraft, die er eigentlich für seine kreative Tätigkeit braucht. Wie oft habe ich zu hören bekommen, Kunst sei keine Arbeit, allenfalls eine schöne und entspannende Freizeitbeschäftigung. Das Gegenteil ist der Fall! Viele Jahre lang habe ich meinen erlernten Beruf routinemäßig ausgeübt, ohne die geringsten Anzeichen von Erschöpfung oder Müdigkeit. Der „Brotberuf“ ging mir immer relativ leicht von der Hand.
   Ganz anders verhält es sich mit dem Malen: Hierbei ist man kreativ tätig und muß sich etwas einfallen lassen. Man steht in der Pflicht; der Kunst, dem Publikum und sich selbst gegenüber. Das alles, nicht zuletzt auch die Überbrückung der Widerstände und der manchmal auftretenden materiellen Sorgen, kostet viel Kraft. Für einige Leute mag der Beruf des Künstlers ein Traumberuf sein, aber die Realität sieht leider anders aus. Man denke nur an die vielen gescheiterten Existenzen unter den Künstlern. Es ist nun mal ein himmelweiter Unterschied, ob man als Freizeitmaler tätig ist oder mit der Malerei seinen Lebensunterhalt verdienen muß.
   Sehr unangenehm sind die Störphasen während des Schaffensprozesses. Es ist nicht unbedingt von Vorteil, wenn das Atelier im Wohnhaus integriert ist. Sobald ich den Pinsel in die Hand nehme, klingelt oft genug das Telefon. Es kommen Leute an die Tür, um Bilder zu sehen. Postboten, Nachbarn und andere liebe Mitmenschen haben irgendein Anliegen, und die Hausarbeit will auch erledigt sein. Ich muß bald hierhin und bald dahin fahren, um Material zu beschaffen oder die Herstellung und den Vertrieb meiner Kalender zu organisieren. Bilder müssen eingerahmt und katalogisiert, Ausstellungen vorbereitet und beschickt werden und so weiter. Ideal ist es, wenn man fünf bis sechs Stunden am Tag ununterbrochen und mit voller Konzentration an einem Bild malen kann, ohne in irgendeiner Weise gestört zu werden. Aber das ist selten der Fall. Nur etwa ein Drittel meiner Arbeitszeit nimmt die Malerei in Anspruch, zwei Drittel benötige ich für das ganze Drumherum. Dazu gehört zum Beispiel auch die Realisierung dieses Buches. Übrigens arbeite ich sehr diszipliniert, das heißt meistens vor sieben Uhr aufstehen und nach dem Frühstück ab ins Atelier, oftmals auch am Wochenende. Nicht selten kommt es dabei zu einem vierzehnstündigen Arbeitstag, da ich so manchen Abend auch noch als Dozent für Pastellmalerei an verschiedenen Volkshochschulen tätig bin.
   Als Musiker war ich ein Einzelgänger, wenn man von der gelegentlichen Zusammenarbeit mit Dieter Schütz und einigen wenigen „Gastmusikern“ absieht. Obwohl ich so manchen Zunftgenossen persönlich kenne, bin ich auch als Maler bis heute ein künstlerischer Einsiedler geblieben. Vielleicht ist das gut so, weil ich mich durch diesen Umstand ohne den Einfluß anderer am besten selbstverwirklichen konnte.
   Dankbar bin ich für die „Gnade der späten Geburt“. Ich durfte nach den beiden Weltkriegen zur Zeit des Wirtschaftswunders wohlbehütet, ohne Leid, Hunger und Not in einer intakten Umgebung aufwachsen. Schließlich konnte ich, bis heute von schweren Krankheiten verschont, meinen Weg als Künstler gehen. Das empfinde ich wahrlich nicht als selbstverständlich.
   Fünfzig Jahre habe ich jetzt durchlebt. Es war bislang ein schönes und reiches Leben, auf das ich zurückblicken kann. Wie wird es weitergehen? Falls mir noch genug Zeit vergönnt sein sollte, möchte ich mit sechzig Jahren mein „Alterswerk“ beginnen. Bis dahin werde ich kontinuierlich malen. Es kann sein, daß ich mich dabei stilistisch weiterentwickele und neue Wege gehe. Man wird sehen, was die Zukunft bringt. Wir sind ja nur vorübergehend Akteure auf der Bühne dieser Welt und nehmen uns dabei oftmals allzu wichtig. Der große Unbekannte führt Regie in einem Schauspiel, dessen Ausgang für uns kleine, unvollkommene Menschen wohl immer im Ungewissen bleiben wird. Und so ist es auch in Ordnung.
   Beenden möchte ich meine autobiographischen Aufzeichnungen mit dem Zitat aus einem Brief des Malers Niko Wöhlk an seinen Künstlerkollegen und Freund Hans Holtorf:

                                                           „Nun lobe Gott und male!“

Aus dem Buch
"ADELBERT VON DEYEN - BILDER MEINES LEBENS
Autobiographie und Werkschau eines Künstlermenschen"
Erstveröffentlichung 2003 / Copyright Adelbert von Deyen

Erschienen im Selbstverlag ADELBERT VON DEYEN PRODUCTIONS.
Erhältlich im Online-Shop auf meiner Website zum Preis von 24,80.
Die 1. Auflage ist z.Zt. bis auf ganz wenige Exemplare vergriffen.
Um meine Autobiographie möglichst vielen Interessierten kostenlos
zugänglich zu machen, habe ich sie hier ins Kunstring-Forum gestellt.
Dem realen Buch ist eine Werkschau mit 100 Gemälden angehängt.
Die überarbeitete, ergänzte und aktualisierte Neuauflage ist zu einem
späteren Zeitpunkt vorgesehen.

Angehängte Bilder:
1. Buchumschlag Vorderseite, "Strandläufer", Öl auf Leinwand, AvD 2003.
2. Frontispiz des Buches, AvD-Portrait von 1990 - Photo Detlef Czech.
3. Buchumschlag Rückseite, "Selbstbildnis", Computergraphik, AvD 2002.


Hochgeladene Bilder

Beitrag geändert von Adelbert von Deyen (2007-01-15 16:14:37)


Ich male nicht, um mich auszudrücken, sondern um zu beeindrucken.
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#9 2007-01-11 13:36:22

iris
Gast

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

9) Will hiermit Deinen Tread ein wenig nach oben bringen, damit das hier nicht gar so untergeht und habe gleich mehrere Fragen zu Deiner Autobiographie.

Welcher Verlag hat diese Autobiographie veröffentlicht? 

Was kostet Deine Autobiographie?

Wie ist die Nachfrage? 

Ich nenne jetzt auch noch Deinen Namen, damit er in den gängigen Suchmaschinen noch besser gefunden wird, am besten gleich in der für Suchmaschinen besten Form:

adelbert-von-deyen

Ich hoffe, mein Beitrag hilft Dir weiter.

LG

Iris

#10 2007-01-11 14:35:02

iris
Gast

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

10)

Bitte beantworte meine 3 Fragen.

Danke

LG

Iris

#11 2007-01-11 14:46:55

iris
Gast

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

11) ???????????????????????????????????????????

#12 2007-01-11 18:14:30

iris
Gast

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

12)

Sei so gut und beantworte meine 3 Fragen. Dank im Voraus.

LG

Iris

#13 2007-01-11 21:10:13

rastu
Forenmitglied
Ort: schweiz
Registriert: 2006-05-18
Beiträge: 414

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

sehr interessant finde ich. und du hast echt schon früh gezeigt was du drauf hast. :)gut das du dich nicht hast beirren lassen.


Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden

Offline

#14 2007-01-11 21:30:44

iris
Gast

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

@ rastu

Ich habe die Abhandlung über Adelberts Leben noch gar nicht gelesen. Mich hatten nur 3 Dinge interessiert:

Welcher Verlag hat diese Autobiographie veröffentlicht?

Was kostet die Autobiographie, also das Buch?

Wie ist die Nachfrage?



Auf diese 3 Fragen hat Adelbert noch nicht geantwortet.

Eigentlich schade, finde ich.

LG

Iris

#15 2007-01-11 22:22:50

iris
Gast

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

13)

Bloß mal nachfragen wollte ich höflich, Adelbert.

Könntest Du mir bitte meine 3 Fragen beantworten?

Ich wiederhole sie hier noch einmal, damit Du nicht oben suchen musst:

Welcher Verlag hat diese Autobiographie veröffentlicht?

Was kostet Deine Autobiographie?

Wie ist die Nachfrage? 

Es interessiert mich wirklich sehr.

Danke

LG

Iris

#16 2007-01-11 22:47:47

iris
Gast

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

14)

Du warst zwei Treppchen tiefer gerutscht mit Deiner Autobiographie.

Das möchte ich nicht, schon deshalb nicht, weil ich ja eine Antwort auf meine Fragen möchte.

Das waren:

Welcher Verlag hat diese Autobiographie veröffentlicht?

Was kostet Deine Autobiographie?

Wie ist die Nachfrage? 

LG

Iris

#17 2007-01-11 22:55:20

iris
Gast

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

15) ?

#18 2007-01-12 11:27:45

iris
Gast

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

16)

Adelbert,

sollten Dir meine Fragen irgendiwe unangenehm sein, so sag das doch einfach. Ich wollte Dich nicht verärgern. Es war einfach nur so, dass mich eben diese 3 Fragen besonders interessiert haben.

Ich füge sie nochmals bei:

Welcher Verlag hat diese Autobiographie veröffentlicht?

Was kostet Deine Autobiographie?

Wie ist die Nachfrage? 

LG

Iris

#19 2007-01-12 11:34:52

iris
Gast

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

17)

#20 2007-01-12 17:33:27

iris
Gast

Re: BILDER MEINES LEBENS. Autobiographie

18)

Ein weiterer Versuch, Antworten zu finden.

Vielleicht gelingt es mir ja.

Ich wiederhole noch einmal meine 3 Fragen

Welcher Verlag hat diese Autobiographie veröffentlicht?

Was kostet Deine Autobiographie?

Wie ist die Nachfrage?

LG

Iris

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