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#1 2006-12-30 06:10:36

prenzlmaler
Gast

Prenzlmaler:OHORN:Hans van Meegeren,Kunstfälscher

Dieter Raedel:Er narrte die Kunstwelt und gelangte so zu Ruhm:Hans von Meegeren


Hans von Meegeren   auch " Han " und auch " Henricus Antonius "


geboren am 10. 10. 1889 in Deventer


gestorben am 30. 12. 1947 in Amsterdam


phänomenaler niederländischer Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts



Eigentlich war H.v.M. eher ein unauffälliger, ein durchschnittlicher Maler. Er malte
zwar nicht schlecht, aber Bäume konnte er mit seiner Malerei auch nicht rausrei-
ßen. Das schien dem Hans veränderungswürdig, schließlich wollte er auch einmal
ein " Hans im Glück " sein. Das ist verständlich. Zunächst malte er probehalber
einen " Christuskopf ", der natürlich auch nicht auf seinem Mist gewachsen war,
um zu testen, was sich denn danach so ereignen würde. Es blieb auffallend ruhig.
Keiner der Kunstbeflissenen hatte gemerkt, dass Hänschen einen falschen Christus
auf die Startrampe legte und gezielt abschoss. Über einen Vermittler schickte er
seinen " Alten Meister " unauffällig ins Rennen.

Nun reifte in ihm die Idee, den großen Vermeer van Delft zu kopieren. Es sollte
jedoch keine Kopie werden, nein, die hätte man ja überprüfen können, denn selbst
der Dümmste würde den Braten riechen, wenn plötzlich zwei ähnliche Werke auf dem
Kunstmarkt rumhampelten. Hans hatte andere Pläne, die weitaus gerissener waren.
Es sollte ein Baby " in der Art Vermeers " werden, sozusagen eine Neuschöpfung ,ge-
nau, ein " echter " Vermeer, der bisher einfach unentdeckt irgendwo auf einer Boden-
kammer dahinschlummerte. Nun war ein Thema gefragt, was sofort jeden braven
Bürger aufwachen ließ. Hans van Meergeren fühlte sich geneigt, das große The-
ma " Das letzte Abendmahl " in der Art Vermeers anzugehn. Nun musste der Maler
sich gewaltigen Überlegungen hingeben, wie er am besten so ein Gemälde der Kunst-
welt unter die Weste jubeln könnte.Er beschäftigte sich eingehend mit der Malerei sei-
nes großen Vorbilds Vermeer van Delft und prüfte sogleich die Möglichkeiten ,
wie man am besten das Werk möglichst schnell altern lassen könnte.

" Jesus und die Jünger von Emmaus " erblickten 1937 das Licht der Welt. Er übergab
das Werk aus seinem Kunstlabor einer Familie, die es einem Rechtsanwalt zur Betreu-
ung übergab. Der Rechtsanwalt konnte natürlich seinen Schnabel nicht halten und be-
hauptete nun, einen Klienten zu haben, der aus einem alten Familienbesitz ein unbe-
kanntes Werk mit den Initialen " I.V.M. " besitze. Genau so hatte sich der Maler
die Sache vorgestellt und genau so lief der geheimnisvolle Zirkus auch ab.

Sofort interessierte sich der damals bedeutendste Kunsthistoriker der Niederlande für
den Fall, der große Abraham Bredius. Der Wissenschaftler fand heraus, dass es
sich nur um einen bisher unbekannten Vermeer handeln könne, da er auch links
auf dem Bild eindeutig einen Teil der Werkstatt des Künstlers entdecken könne. Da der
Kunstexperte zu jener Zeit als " Papst der Kritik " galt, wurde die Sensation als glaub -
würdig hingenommen.

Damit sein Name auch gebührend mit der Sensation gefeiert wurde, schrieb Abraham
Bredius
  sogleich einen langen Artikel in der Zeitschrift " die kunstbibel ", wo er ein
Feuerwerk von Huldigung auf das bisher unbekannte Werk abließ. Er begründete sogar
verschiedene Elemente der Komposition, die angeblich durch die Denkweise des phäno-
menalen Künstlers Vermeer van Delft entstanden waren. Die anderen Kunstkritiker
verkrochen sich in ihre bescheidenen Behausungen und mussten voller Argwohn gute Mie-
ne zum Spiel machen. Tja, so ist das im Leben, der hellste Kopf erntet nun mal auch die
besten Trauben. Wie war das sogleich mit dem Fuchs und den Trauben ?

Ende des 2. WK entdeckten die Alliierten den an Hermann Göring verkauften
" Vermeer" und Hans van Meegeren wurde als Kollaboratuer der Deutschen ver-
haftet. Ihm drohte die Todesstrafe. Nur so erfolgte ein Geständnis der Fälschungen.

Es war im Mai 1945,als Hans van Meegeren verhaftet wurde, denn man hatte akribisch
die Spur vom Verkauf mit Unterschrift " Meergeren " bis zurück zum Verkäufer verfolgt.Und
die Endstation seines Vermeer-Verschnitts war die Kunstsammlung eines Ober-Nazis.
Ziel der Meergeren'schen Überlegungen war der europäische Kunstraubritter Nr. 1 gewesen:
Hermann Göring. Dieser arische drogensüchtige Fettwanst konnte bekanntlich alles
gebrauchen, was nach wertvoller Kunst roch. Vor Gericht drehte Hans van Meegeren
allerdings den Spieß rum, er sei keinesfalls ein Mitarbeiter der Nazis gewesen, nein, das
Gegenteil sei der Fall, er sei ein Nationalheld, weil er den Nazis bewusst hätte falsche Kunst
andrehen wollen. Das saß ! Nur war Meergeren klar, wenn seine Aussage nicht funktionierte,
dürfte sich kurz nach dem Prozess blitzartig seine Atmung einstellen. Tode brauchen keine
Luft mehr. So ging ihm der Hintern auf Grundeis und er gestand dem Gericht, der Fälscher
des Werkes zu sein und gestand sogleich noch weitere Fälschungen: Ihm fielen noch fünf
weitere " Vermeers " und zwei Gemälde von Pieter de Hoogh ein. Das Gericht staun-
te nicht schlecht, wollte es jedoch nicht für absolut glaubwürdig hinnehmen, dass ausge -
rechnet dieser angeklagte kleine Maler "sein Eigentum" auf diese Weise vermarktet hatte.

Um die Glaubwürdigkeit als Vermeer-Fälscher unter Veweis zu stellen, wurde 1947 Meergeren
vor Gericht beauftragt, eine erneute Fälschung, die absolut geheim gehalten werden muss-
te, aus der Taufe zu heben. Leichter gesagt als getan. Hans van Meergeren gab dem
Gericht auch bekannt, dass ein weiterer wichtiger Grund des Fälschens das totale Verkennen
seiner Person als Künstler eine große Rolle gespielt habe. Eines der größten Probleme der
Geheimhaltung waren die benötigten Modelle für die Komposition, denn die konnten be -
kanntlich sprechen und somit die Ausführung der Arbeit gefährden. Nun musste Meergeren
gezwungenerweise auf seine Fantasie bauen. In 13 Fantasie-Porträts gelang es ihm erstaun-
lich gut, brauchbare Personen mit verschiedenen Haltungen aus der Vermeer-Zeit zu konzi-
pieren, von einer Figur mal abgesehen, die tatsächlich von Vermeer geklaut wurde: Das
Antlitz der Dame, die auf einem Vermeer-Bild eine gewichtige Rolle spielt: " Das Mädchen
mit dem Perlenohrring ".

Vier Jahre verbrachte nun Hans van Meergeren damit, das neue Werk entstehen und
zugleich altern zu lassen. Eines seiner größten Probleme war das Altern der Ölfarbe, denn
bekanntlich benötigt Ölfarbe etwa 50 Jahre, um tatsächlich die feste Konsistenz zu erreichen.
Diese Hürde nahm der Künstler, indem er die Ölfarbe nicht mit Leinöl versetzte, sondern die
Pigmente mit einem synthetischen Harz vermengte. Danach ab in die Backröhre !

Hans van Meergeren hatte sich bei seinem kompositionellen Bildaufbau nicht etwa
Veermer, sondern Caravaggio zum Vorbild genommen. Daraufhin vermuteten die
Wissenschaftler, Veermer sei nach Italien gereist, um dort Caravaggio zu
studieren und für seine Arbeit zu verwenden.

Die berühmten Fälschungen von Hans van Meergeren hängen in verschiedenen Mu-
seen, beispielsweise auch im Rijksmuseum Amsterdam.



Hans van Meergeren studierte auf einer Fachhochschule Architektur, neigte jedoch
zu Malerei und Zeichnung. Für die Zeichnung eines Kirchen-Interieurs nach der Art der nie-
derländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, erhielt er eine Goldmedaille. Hier zeigte sich
bereits sein Talent für die Nachahmung.

Einen bescheidenen Erfolg hatte er während einer Ausstellung in Den Haag.

Er heiratete Anna de Voogt, mit der er zwei Kinder hatte: Jacques und Pauline.
Die Ehe wurde 1923 geschieden, da er der Trunk-und Drogensucht verfallen war und sich
längere Zeit zum Studium der alten Meister des 17. Jahrhunderts in Italien aufgehalten
hatte.

1927 heiratete Hans van Meergeren die Schauspielerin Jo Oerlemans.

Für die Monatszeitschrift der Kunst " De Kemphaan ", die 1928 gegründet wurde, verfass-
te er kunsttheoretische Artikel. Die Titelseite der Zeitschrift wurde ebenfalls von ihm gestaltet.

Da Hans van Meergeren meinte, sein Talent würde völlig verkannt werden, beschäf-
tigte er sich mit Fälschungen der Meister des 17. Jahrhunderts. So in der Art Vermeers
" Gitarrenspieler mit Frau ", nach Frans Hals " Trinkende Frau " und nach Gerard ter Borch
" Porträt eines Mannes ". Seine Fälschung " Jesus und die Jünger von Emmaus "
dürfte seine beste Arbeit gewesen sein.

Bredius baute also auf die Theorie, dass sich Veermer von italienischen
Meistern vor Ort habe beeinflussen lassen. So kam ihm das Gemälde sehr entgegen, die-
se Theorie nachhaltig zu untermauern, wobei er allerdings nicht ahnen konnte, dass der
Maler Hans van Meergeren genau um diesen Aspekt des Kunstkritikers wusste. Da
so ein Gemälde Millionen Dollar wert war, stachelte er die Museen an, das Werk zu kaufen.
So wurde das Werk H.v.Meergerens erster Anziehungspunkt.

Eine seiner Fälschungen wurde 1942 für 1,6 Millionen holländische Gulden verkauft.

Insgesamt war Hans van Meergeren sechs Wochen in Haft. Danach war er in einer
von der Regierung bezahlten Villa tätig, wo er den Beweis der Fälschung erbrachte.



Nach eingehenden Untersuchungen stellte man fest, dass die Gemälde nicht aus der
" Goldenen Zeit " stammen konnten. Hans van Meergeren wurde in der nieder-
ländischen Öffentlichkeit als " pfiffiger Gauner " gefeiert, die Kunstkritiker reingelegt und
Hermann Göring veräppelt zu haben.

Im November 1947 sollte er für ein Jahr in das Gefängnis überführt werden. Vom Gericht
in Amsterdam bekam er also die einjährige Mindeststrafe. Die Haft wurde jedoch nicht
angetreten, da er infolge einer Herzattacke am 26. 11. 1947, dem letzten Tag seiner
Einspruchsfrist, in die Valerius-Klinik Amsterdam eingeliefert wurde, wo er am 30.12.1947
verstarb.



Quelle: Internet und eigene Übersetzung




Prenzlmaler

Beitrag geändert von prenzlmaler (2007-01-07 17:25:01)

#2 2006-12-30 13:33:13

Adelbert von Deyen
Forenmitglied
Ort: Steinbergkirche
Registriert: 2006-09-14
Beiträge: 1.325
Website

Re: Prenzlmaler:OHORN:Hans van Meegeren,Kunstfälscher

Ein hochinteressanter Bericht. Danke, Dieter!


Ich male nicht, um mich auszudrücken, sondern um zu beeindrucken.
www.adelbert-von-deyen.de

Offline

#3 2006-12-31 02:30:10

prenzlmaler
Gast

Re: Prenzlmaler:OHORN:Hans van Meegeren,Kunstfälscher

Danke,Adelbert.

#4 2007-01-01 17:06:54

prenzlmaler
Gast

Re: Prenzlmaler:OHORN:Hans van Meegeren,Kunstfälscher

Eine Irritierung während eines Systemfehlers war die Ursache,
weshalb ich meinen ersten Beitrag aus Versehen löschte. Nun
habe ich den Beitrag erneut geschrieben, wobei kleine Verän-
derungen die logische Folge sind.


Prenzlmaler

#5 2007-01-02 02:05:07

Peter Kalb
Forenmitglied
Ort: D - 90427 Nürnberg
Registriert: 2006-10-28
Beiträge: 412
Website

Re: Prenzlmaler:OHORN:Hans van Meegeren,Kunstfälscher

Super Geschichte. Das macht Kunst so spannend und manchmal watet sie metertief durch unübertroffenen Humor.

Gruß - Gisela


Die Visionen der Welt finden sich im Menschen, seit Anbeginn der Zeit. Daraus entsteht meine Kunst.

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